Hoffnungsträger. Karl-Heinz Rummenigge stellt voller Stolz Lucas Hernandez vor. Foto: Michael Dalder/Reuters
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FC Bayern stellt Lucas Hernandez vor Rummenigge wartet auf den Dominoeffekt

Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge setzt bei den Transfers auf den Faktor Geduld. Leroy Sané entscheidet sich in dieser Woche.

Es macht einen guten Eindruck, wenn ein Spieler bereits vor dem ersten Arbeitstag weiß, was beim neuen Verein wichtig ist. Der Franzose Lucas Hernandez ließ sich vor seiner Präsentation am Montag noch ein paar Sätze auf Deutsch beibringen. Dass er „Servus“ und „Pack ma’s“ fast akzentfrei sagen konnte, kam sicher gut an. Bei den Fans vor allem, aber auch bei den Verantwortlichen des FC Bayern München. Aber genau genommen ging es am Tag des Trainingsauftakts beim deutschen Rekordmeister gar nicht so sehr um den Verteidiger, der mit 80 Millionen Euro Ablöse der teuerste Transfer der Bundesliga-Geschichte ist, und auch nicht um die anderen beiden Neuzugänge, Benjamin Pavard und Jann-Fiete Arp.

Eine viel größere Rolle spielten jene Profis, die der FC Bayern in dieser Sommerpause nicht oder noch nicht verpflichtet hat – sowie um Aussagen aus dem Umfeld des Kapitäns. Manuel Neuers Berater Thomas Kroth hatte die Transferpolitik der Bayern kritisierte – und die Annahme der Medien, er würde damit Neuers Meinung transportieren, war nachvollziehbar. In einem Telefonat, so ließ der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge nun aber verlauten, habe ihm der Torhüter versichert, „dass es sich bei Thomas Kroth nicht um ein Sprachrohr handelt“. Es sei die „ganz private Meinung“ des Neuer-Managers gewesen. Vielleicht stimmt das, vielleicht versuchen sie beim FC Bayern aber auch, die Wogen einfach ein wenig zu glätten.

Rummenigge mag die Aufregung der vergangenen Tage ohnehin  nicht verstehen, schließlich seien die insgesamt 118 Millionen Euro Ablöse für die drei Neuen „vom Volumen her das Höchste, was wir gestemmt haben“. Zudem sei das Transfer-Fenster „noch zwei Monate offen“, sagte er. In seinen Augen ist der Markt noch gar nicht richtig in Bewegung gekommen: „Jeder wartet auf den Dominoeffekt.“ Auf den Wechsel eines ganz großen Spielers, der viele Transfers nach sich zieht. „Wir sind in Position“, sagte er. „Und wir haben ausreichend Geduld.“ Vereinspräsident Uli Hoeneß scheint davon nicht ganz so viel zu haben. „Bis Ende Juli musst du fertig sein“, verkündete er vor kurzem – mit Blick auf den Bundesligastart am 16. August gegen Hertha BSC. Der erste Härtetest findet jedoch bereits am 3. August statt, beim Supercup gegen Borussia Dortmund.

Bis dahin dürfte sich auf jeden Fall die Personalie Leroy Sané entschieden haben. Der Nationalspieler wollte sich  im Urlaub mit seiner Zukunft beschäftigen. „Ich hoffe, das hat er gemacht“, sagte Rummenigge. Sané kehrt in dieser Woche zurück. Callum Hudson-Odoi hat sich offenbar schon gegen die Bayern entschieden. Den zuletzt ebenfalls mit dem Rekordmeister in Verbindung gebrachten Ousmane Dembélé will der FC Barcelona offensichtlich doch nicht abgeben – Stand jetzt.  Der Einzige, der tatsächlich gerne nach München kommen würde, steht wohl beim Verein nicht (mehr) so hoch im Kurs: Leipzigs Timo Werner. Rummenigge verwies darauf, dass die Bayern in den vergangenen Jahren Top-Transfers „sehr spät“ getätigt hätten. Javier Martinez war einst Ende August gekommen, Xabi Alonso ebenso und auch James hatten die Bayern erst kurz vor Ende des Wechselfensters von Real Madrid ausgeliehen.

Der Bayern-Chef ist sicher, die Münchner werden „am Ende des Tages eine Mannschaft haben, die in allen drei Wettbewerben konkurrenzfähig sein wird“. Noch, das gibt auch Rummenigge zu, ist sie dies nicht. „Quantitativ müssen wir noch zulegen“, sagte er. Nach der Rückkehr der Nationalspieler aus dem Urlaub stehen Niko Kovac lediglich 20 Profis, darunter drei Torhüter, zur Verfügung. Zu wenig, das weiß auch der Trainer, der zuletzt im „kicker“ die Verpflichtung von  vier weiteren Spielern forderte. Die Neuen starten zudem entweder mental oder körperlich gehandicapt ihren neuen Job. Hernandez hat eine schwere Bänderverletzung hinter sich, trainiert zunächst individuell. Pavard muss eine schlechte Saison mit dem VfB Stuttgart sowie den Abstieg verkraften, und der junge Arp hatte in der Zweiten Liga beim Hamburger SV zuletzt kaum gespielt. Nach einem lockeren Start sieht dies nicht aus.

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