Fußball-WM 2018

Zwischenzeitlich war Fabian Lustenberger auch Kapitän. Foto: imago
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Fabian Lustenberger von Hertha BSC "Die jungen Spieler treten heute ganz anders auf"

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Herthas dienstältester Spieler Fabian Lustenberger spricht vor dem Spiel gegen Schalke über die Veränderungen im Verein, Handys in der Kabine und die Zeit nach seiner Karriere.

Herr Lustenberger, vor einer Woche haben Sie mit Hertha BSC erstmals einen Punkt bei den Bayern geholt. Haben Sie jetzt überhaupt noch Ziele?

Mal in München gewinnen! Bei den Bayern habe ich eigentlich alles erlebt: knapp verloren, unglücklich verloren und richtig auf’n Deckel gekriegt. Jetzt sind wir erstmals ohne Gegentor geblieben. Aber ich war bestimmt nicht der Einzige, der in München noch keinen Punkt geholt hat. Das habe ich jetzt geschafft. Da könnte ich eigentlich aufhören (lacht).

Es gibt ja noch Schalke.

Habe ich da auch noch nie einen Punkt geholt? Kann sein, ja.

Herthas letzter Punktgewinn in Gelsenkirchen datiert aus dem Jahr 2005.

Das war knapp vor meiner Zeit, stimmt. Dann wäre es doch schön, wenn es diesmal klappen würde.

Sie sind 2007 aus Luzern nach Berlin gekommen. Waren Sie traurig, dass Ihr Zehnjähriges nicht so groß gefeiert worden ist wie das von Franck Ribéry bei den Bayern?

Ich sag mal so: Wenn nichts gekommen wäre, wäre ich enttäuscht gewesen. Aber es wurde sehr wertgeschätzt. Ich habe viel Anerkennung, ein eingerahmtes Bild und auch eine Uhr vom Verein bekommen. Dazu hat Herthas Medienabteilung an dem Tag einiges gemacht und sich sehr viel Mühe gegeben. Sie hat die alten Videos noch mal rausgekramt, zum Beispiel das von meiner ersten Pressekonferenz. Als ich mich da gesehen habe – Wahnsinn. Ich fand das super, habe mich sehr gefreut und mich bei der Medienabteilung mit einer Runde Pizza bedankt. Anerkennung und Wertschätzung sind nun mal das Schönste, für einen Fußballer genauso wie für jeden anderen Menschen.

Wenn Sie an Ihre Anfänge zurückdenken: Was hat sich am meisten verändert?

Die jungen Spieler. Die sind heute fast alle schon auf einem Topniveau. Früher bist du mit 21 oder 22 ins kalte Wasser geworfen worden, heute wirst du mit 17, 18 reingeschmissen, und du musst bestehen. Wenn du es mit 20 nicht geschafft hast, heißt es gleich: Es reicht nicht. Die jungen Spieler treten heute auch ganz anders auf als ich früher. Sie verdienen schon sehr viel Geld, da hat sich einiges verschoben. Aber ich sehe das gar nicht negativ. Ich denke mir meinen Teil und lass’ sie einfach machen. In der Kabine sind die Jungs beispielsweise für die Musikauswahl zuständig. Wenn wir das früher gemacht hätten, hätte es gleich eine Ansage gegeben: Mach das Ding aus! Wir hören hier überhaupt keine Musik!

2007 kam Fabian Lustenberger von Luzern zu Hertha BSC Foto: dpa
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Wie bereitet man sich als Fußballprofi aufs Älterwerden vor?

Ganz ehrlich: Ich tu mich noch schwer damit, mir Gedanken zu machen, was nach dem Fußball kommt. Ja, ich werde bald 30, habe aber nicht das Gefühl, dass ich in den nächsten ein, zwei Jahren so abbaue, dass ich nicht mehr spielen kann. Mein Problem ist häufig: Es muss erst etwas passieren, damit ich meinen Hintern hoch kriege. Ich weiß, dass das die falsche Herangehensweise ist, aber das ist ein bisschen mein Naturell.

Sehen Sie sich nach Ihrer Karriere weiter im Fußball?

Auf jeden Fall. Wenn es möglich ist.

Und wo?

Ich hatte immer die Vorstellung, als Trainer zu arbeiten. Das muss nicht bei den Profis sein. Ich sehe mich sogar eher als Jugendtrainer. Aber selbst da wäre ich wieder jeden Tag auf dem Fußballplatz und am Wochenende unterwegs. Die Familie müsste also wieder zurückstehen. Deshalb überlege ich gerade, was sinnvoll wäre.

Wie lange wollen Sie noch Fußball spielen?

Plump gesagt: So lange, wie es geht. Ich habe keinen Masterplan, dass ich sage: Bis 35 spiele ich Fußball, und danach kommt dieses oder jenes. Mit Planen tu ich mich, wie gesagt, ein bisschen schwer.

Was ist Ihnen wichtiger: So lange wie möglich zu spielen oder Ihre Karriere bei Hertha zu beenden?

Ich bin knapp elf Jahre hier. Da kann ich mir natürlich vorstellen, noch länger zu bleiben. Sollte irgendwann der Moment kommen, dass ich von Hertha weggehe, würde mir das extrem schwerfallen. Aber ich bin froh, dass ich nie Versprechungen abgegeben habe. Vielleicht bin ich in ein, zwei Jahren bei Hertha nicht mehr erwünscht – was ich nicht hoffe. Ich bin froh, dass es im Moment so gut für mich läuft. Ich habe ja auch noch einen Vertrag bis 2019, und es wird sicher irgendwann Gespräche geben. Da bin ich relativ entspannt.

Waren Sie selbst ein bisschen überrascht, dass es wieder so gut läuft?

Überrascht nicht unbedingt. Weil ich wusste, dass ich fit bin. Das ist immer ein gutes Zeichen. Trotzdem war die Saison ein Auf und Ab. An den ersten vier Spieltagen habe ich keine einzige Sekunde gespielt, dann bin ich durch die Europa League in die Mannschaft gerutscht. Zwischendurch gab es wieder ein Tief, wo ich komplett draußen war, und jetzt spiele ich quasi seit Ende der Hinrunde durch.

Was tun Sie, damit sie fit bleiben?

Ich komme jetzt in ein Alter, wo man mehr für seinen Körper tun muss. Nach den Spielen braucht er schon einen Tag mehr. Und wenn ich zu wenig Schlaf bekomme, hängt mir das gefühlt drei Tage nach. Mein Pflichtbewusstsein in Sachen Regeneration ist gestiegen. Ich bin oft bis 17 oder 18 Uhr hier auf dem Gelände, lasse mich pflegen oder steige ins Eisbad.

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