"Ich habe von Anfang an gesagt, dass ein Wechsel zurück zu Werder eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit hat", sagte Kruse vor seinem Wechsel zu Union über seine alte Liebe. Foto: Carmen Jaspersen/dpa
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Ex-Nationalspieler wechselt nach Berlin Max Kruse hat gute Karten beim 1. FC Union

Pokernächte und kleine Eskapaden sind nur ein Teil des Bildes: Mit Max Kruse holt Union einen genialen Fußballer, der dem Team neue Möglichkeiten verschafft.

Wer an Max Kruse und Berlin denkt, der wird sich ein Schmunzeln nicht verkneifen können. Im Oktober 2015 verlor der heute 32-Jährige nach einer Pokernacht mal eben 75.000 Euro in einem Berliner Taxi. Ein halbes Jahr später wurde er beim Feiern im Club „Avenue“ in Mitte von einer Bild-Reporterin fotografiert. Die Partynacht kostete ihn die weitere Karriere in der Nationalmannschaft. Nun versucht es Kruse erneut mit Berlin, diesmal als Profi des 1. FC Union. 

Die Köpenicker gaben am Donnerstag die ablösefreie Verpflichtung des früheren Bremers bekannt – vorbehaltlich des erfolgreichen Medizinchecks unterschreibt Kruse am morgigen Freitag seinen Vertrag.

„Ich bin glücklich, wieder in der Bundesliga zu spielen und mit Union einen coolen neuen Verein kennenzulernen, der in den letzten Jahren eine tolle Entwicklung genommen hat. Für mich war es wichtig, zu einem Klub zu wechseln, der mich komplett überzeugt und fordert. Bei den Gesprächen mit den Verantwortlichen von Union habe ich mich direkt wohlgefühlt, deshalb habe ich mich für Union entschieden“, wird Kruse in einer Mitteilung von Union am Donnerstag zitiert. 

Zuletzt stand Kruse bei Fenerbahce Istanbul unter Vertrag, kündigte dort aber wegen ausstehender Gehaltszahlungen. Nun ist der gebürtige Reinbeker zurück in der Bundesliga. Dass er sich für Union und gegen seine alte Liebe Werder entschieden hat, überrascht nur auf den ersten Blick. Denn eine Rückkehr nach Bremen sei Kruse zufolge nie wirklich ein Thema gewesen: „Ich habe von Anfang an gesagt, dass ein Wechsel zurück zu Werder eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit hat. 

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Das wurde hochgepusht in den vergangenen Wochen“, teilte er in einem Video mit. Und ergänzte: „Ich habe mich für einen anderen Weg entschieden, den jeder respektieren sollte.“ Dieser Weg führt Kruse nun an die Alte Försterei, zu einem Team, wo er sofort der unbestrittene Topstar sein dürfte. Für Union ist das ein echter Coup, ein Spieler vom Kaliber Kruses hatten die Berliner bisher nicht in ihrem Team. Dabei wird Urs Fischer wissen, worauf er sich mit Kruse einlässt. 

Pokereskapaden und lackierte Sportwagen sind nur ein Teil der Wahrheit

Denn auch, wenn dem 14-maligen Nationalspieler ein schnöseliger Ruf vorauseilt, so sind Pokereskapaden oder auffällig lackierte Sportwagen eben nur ein Teil der Wahrheit, vor allem der öffentlichen. Kruse gilt für viele, die mehr als nur die Schlagzeilen über ihn gelesen haben, als hochgescheit und als jemand, der durchaus einen feinen Humor besitzt. Durch Kruse sollte Unions Spiel eine neue Note bekommen. Bisher kam das Fischer-Team eher über den Kampf, das Spielerische blieb trotz einer erfolgreichen ersten Bundesliga-Saison oftmals auf der Strecke. 

Kruse bringt dafür auch einen Körper mit, mit dem er sich zu wehren weiß. Und das hängt ganz sicher nicht mit einer ihm attestierten Vorliebe für Nuss-Nugat-Cremes zusammen. Union hat nun fast alle Baustellen im Kader beseitigt. In Andreas Luthe wurde ein neuer Torwart gefunden, mit Robin Knoche verstärkt ein ebenso erfahrener Abwehrspieler die Köpenicker. Nun wurde mit Kruse auch die Offensive entscheidend verstärkt. Diese drei Neuzugänge dürften für die Stammelf gesetzt sein, das gilt für die anderen bisherigen Verpflichtungen nur bedingt. 

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Fakt ist, dass der Konkurrenzkampf insgesamt weiter erhöht wurde und noch ist das Transferfenster auch eine ganze Weile offen. Max Kruse hat in bisher 250 Bundesliga-Spielen 74 Tore erzielt und weitere 68 Tore vorbereitet. Seinem linken Fuß wohnt eine gewisse Genialität inne, von der auch seine Mitspieler profitieren sollten. Vielleicht überlegt es sich jetzt sogar Sebastian Andersson, doch noch ein Jahr bei Union zu bleiben. Er könnte seinen Marktwert sogar noch einmal erhöhen. Und dazu könnte der Schwede genau wie seine Kollegen vielleicht noch etwas lernen – auf dem Platz sowieso, aber womöglich auch am Pokertisch. Denn auch hier hat Max Kruse eine Menge Talent. So oder so: In Berlin hat der Neue wohl in jedem Falle erst einmal gute Karten.

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