Pal Dardai beobachtet Hertha BSC jetzt von der Ferne aus. Foto: dpa
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Ex-Coach Pal Dardai über Hertha BSC „Zum Schluss war ich ein bisschen müde“

Paul Gäbler

Pal Dardai hat sich nach seinem Rauswurf als Hertha-Trainer erst einmal erholt. Jetzt spricht er über die neue Saison und die Konkurrenz vom 1. FC Union.

Pal Dardai wurde in der zurückliegenden Bundesliga-Saison als Cheftrainer von Hertha BSC entlassen. Sein Amt hat Ante Covic übernommen. Dardai bildet sich im Moment weiter und soll im kommenden Jahr als Jugendtrainer zum Verein zurückkehren.

Herr Dardai, seit einigen Monaten sind Sie nicht mehr Trainer von Hertha BSC und haben dementsprechend frei. Was war das erste, was Sie gemacht haben?
Ich habe mich auf den schönen Sommer gefreut. Am Plattensee in Ungarn habe ich ein Haus, was ich früher nie so richtig nutzen konnten. Jetzt war ich drei Monate da, mal mit meiner Frau und den Kindern, mal mit Freunden. Ich habe auch ein schönes Boot, mit dem war ich viel unterwegs. Ich hätte es selber nicht gedacht, aber der Sommer ist schnell vorbeigegangen.

Wie sehen Ihre Pläne jetzt aus? Möchten Sie wirklich wieder in den Jugendbereich zurückgehen?
Der Plan sieht bis jetzt so aus. Zurzeit hospitiere ich (an einer Sport-Universität/Anmerkung der Redaktion) und habe mir natürlich auch immer wieder Spiele angeguckt. Außerdem beobachte ich natürlich weiterhin die Erste und Zweite Bundesliga. Also alles normal.

Hertha hat gute Transfers getätigt vor der Saison. Wie sehen Sie das?
Das ist immer schwer zu sagen. Zunächst braucht man immer Zeit. Wenn jetzt neue Spieler kommen, heißt das nicht automatisch, dass sie auch sofort Topleistungen liefern können. Da muss man geduldig sein. Ondrej Duda hat ein bis zwei Jahre gebraucht, um anzukommen.

Der der Saisonstart der Berliner verlief eher unglücklich. Einem 2:2 gegen die Bayern folgten zwei 0:3-Niederlagen. Machen Sie sich Sorgen?
Das Unentschieden war glücklich, die beiden Niederlagen unglücklich. Wenn man zum Bayern-Spiel nur in die Statistiken guckt, hat das vielleicht nicht so gut ausgesehen, aber gegen Wolfsburg war definitiv mehr drin. Dass man jetzt nur einen Punkt aus den ersten drei Spielen geholt hat, muss man akzeptieren. Fußball ist ein Ergebnissport. Sobald du die Punkte hast, kommt auch das Selbstvertrauen. Die Qualität hat Hertha, das haben Sie immer wieder bewiesen. Die Transfers waren auch gut. Einfach den Trainer in Ruhe arbeiten lassen und dann schauen wir weiter.

Was bedeutet das erste Stadtderby gegen den 1. FC Union in der Bundesliga für Sie?
Ich habe immer wieder gesagt, dass es gut ist, wenn Union aufsteigt. Das ist gut für die Stadt und die Motivation der Nachwuchsspieler.  Bis jetzt sind wir aber immer gut miteinander ausgekommen. Im Januar hatten wir ein gemeinsames Hallen-Turnier, da war super Stimmung und alles sehr friedlich.

Und was trauen Sie dem 1. FC Union zu?
Wir müssen gucken, wie sie jetzt spielen. Es wird sich zeigen, ob sie noch ein richtiger Rivale für uns werden.

Sie sind dafür bekannt, dass Sie viele Jugendspieler in die erste Mannschaft gebracht haben. Für welchen Spieler würden Sie sich am meisten freuen, wenn er den ganz großen Durchbruch schafft?
Für alle natürlich. Unsere Philosophie bei Hertha BSC war es immer, besonders auf den Nachwuchs zu setzen und nur punktuell von außen zu verstärken. Ich bin auf alle stolz, die bei mir trainiert haben. Und dazu brauchst du nun mal auch Glück im Fußball, zum Beispiel was Verletzungen angeht. Aber ich empfinde immer einen großen Stolz, wenn ich höre, dass einer meiner Jungs ein gutes Spiel gemacht hat. Und wenn Arne Maier mal Nationalspieler wird, wäre das natürlich toll.

Sie waren bei Hertha so lange im Amt wie seit Jürgen Röber kein Trainer mehr. Normalerweise müssen Trainer als erstes gehen, wenn es mal sportlich nicht läuft. Halten Sie das für eine sinnvolle Maßnahme?
Ich sage immer: Als Trainer hast du sechs Wochen Zeit. Wenn du fünfmal hintereinander verlierst, bist du in dieser sechsten Woche raus. Das ist nun einmal so. Bei Hertha habe ich lange gearbeitet, aber als ich fünf Mal hintereinander verloren habe, war es vorbei. Solange du es schaffst, dass die Disziplin stimmt und du nicht fünfmal hintereinander verlierst, ist alles gut.  Das war eine schöne Zeit bei Hertha, aber sicherlich war ich zum Schluss auch ein bisschen müde. Jetzt habe ich ja genug Zeit zum Aufladen.

Haben Sie noch eine gute Weinempfehlung für mich?
An Ihrer Stelle würde ich erstmal nach Ungarn fahren und mit einem Blaufränkisch anfangen. Und danach einen reifen Merlot. Das reicht dann vermutlich auch erstmal.

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