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Seit Freitag kann die Mannschaft von Hertha BSC wieder auf dem Schneckendorffplatz trainieren. Foto: Hertha BSC/Pool
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Erstes Spiel von Hertha BSC nach Rückkehr aus Corona-Quarantäne Klare Punktevorgabe von Trainer Dardai für die Nachholpartien

Für Hertha geht es am Montag auswärts gegen Mainz 05. Dardai hat genaue Vorstellungen davon, wie viele Zähler sein Team wann holen muss.

Wenn Pal Dardai als Trainer von Hertha BSC zum FSV Mainz 05 reist, ist es öfter sehr wichtig. Im Februar 2015 erlebte er dort sein Debüt, Hertha steckte in Abstiegsnöten und gewann 2:0. Gut 15 Monate später hätte sich das Team am letzten Spieltag direkt für die Europa League qualifizieren können. Endstand 0:0, Hertha musste den Umweg über Bröndby IF einschlagen und landete im Kopenhagener Vorort in einer Sackgasse – Aus in der Qualifikation.

Nun geht es für Dardai erstmals in seiner zweiten Amtszeit bei Hertha zum FSV. Die Partie am Montag (18 Uhr, live bei Sky) ist die erste von sechs ausstehenden und die erste seit dem 10. April. „Es ist ein wichtiges Spiel, aber kein Endspiel“, sagt Dardai.

Was die Aufgabe in den nächsten Wochen diffizil macht: Die sechs Spiele finden nach der Rückkehr aus der Corona-Quarantäne innerhalb von 20 Tagen statt und Hertha startet vom vorletzten Tabellenplatz aus. Der Berliner Fußball-Bundesligist hielt sich abgesehen von den ersten beiden Spieltagen dauerhaft in der unteren Tabellenhälfte auf und dort meist im unteren Bereich.

Auf einem direkten Abstiegsplatz stand die Mannschaft aber letztmals in der Saison 2019/20 – Rang 18, nach einer Niederlage in Mainz. Unterschied zu heute: Damals waren erst vier Spiele vorbei.

„Der Druck ist nicht so riesig“

Auch im aktuellen Fall lohnt ein genauerer Blick auf das Klassement. „Wenn man auf die Tabelle guckt, sieht es nicht gut aus. Aber wir haben drei Spiele weniger“, sagt Dardai. Auf einen Nichtabstiegsplatz fehlen vier Punkte. Daher fordert der Trainer eben diese vier Zähler aus den Nachholpartien in Mainz gegen den SC Freiburg und bei Schalke 04 als Minimum. „Es können auch gern sechs, sieben oder neun werden.“

Wer in der Spätphase der Saison Vorletzter ist, befindet sich in einer wenig komfortablen Situation. Zumal der Verein große Pläne hat, in denen ein Abstieg absolut keinen Platz hat. „Der Druck ist nicht so riesig“, findet Dardai allerdings mit Blick auf die Nachholspiele in der Hinterhand. Gleichzeitig will der Trainer Druck von der Mannschaft nehmen. Denn diese hat in den vergangenen Monaten mehr als einmal gezeigt, dass sie damit nur schwer umzugehen weiß.

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Von allen kommenden Gegnern ist Mainz auf dem Papier der schwerste. Im Winter abgeschrieben, hat der neue Trainer Bo Svensson das Team aus dem Tabellenkeller geführt. Zuletzt hieß es 2:1 gegen den FC Bayern. Ein Sieg gegen Hertha wäre wohl der entscheidende Schritt zum Klassenerhalt. „Großen Respekt an die Mainzer, wie sie es gemacht haben in den letzten Wochen“, sagt Herthas Sportdirektor Arne Friedrich.

Eine wichtige Rolle in den Überlegungen von Trainer Pal Dardai spielt Sami Khedira. Foto: imago images Vergrößern
Eine wichtige Rolle in den Überlegungen von Trainer Pal Dardai spielt Sami Khedira. © imago images

Es gibt wahrlich leichtere Aufgaben, als ohne Spielpraxis und von Platz 17 bei einem Team mit reichlich Selbstvertrauen anzutreten. Friedrich versucht das Positive herauszuziehen: „Wir dürften auch eine gewisse Unbekannte sein. Wir kommen aus der Quarantäne. Für den Gegner ist es schwer, uns einzuschätzen.“ Der Mainzer Trainer Svensson erwartet jedenfalls „die stärkste Hertha“.

Eine gewisse Unbekannte war Hertha in dieser Saison oft. Die Mannschaft überraschte selbst Trainer Dardai in verschiedene Richtungen. Auch vor der Quarantäne gab es Rückschläge, mit drei Partien am Stück ohne Niederlage zeigte der Trend insgesamt vorsichtig nach oben.

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So viel Wundertüte wie aktuell war jedoch noch nie. Nur drei Trainingseinheiten fanden vor dem Mainz-Spiel statt. „Sehr ordentlich“ habe es ausgesehen, sagt Dardai. Auch der lange verletzte Kapitän Dedryck Boyata, der nicht in Quarantäne musste, ist zurück im Training und soll im Kader stehen.

Eine wichtige Rolle spielt Sami Khedira

Die große Frage wird sein, wie es im Spiel in Situationen aussieht, die sich auf dem Laufband oder dem Fahrrad nicht simulieren lassen – Schüsse, Pässe, Sprints. „Da müssen die Spieler ehrlich sein. Wenn der Muskel zumacht, wechseln wir“, sagt Dardai. Eine Startelf hatte er am Sonntagmittag bereits im Kopf, auch einen Plan B, wenn dem einen oder anderen die Kraft ausgeht.

Eine wichtige Rolle in den Überlegungen spielt Sami Khedira. Wobei der Trainer den 34-Jährigen dosiert einsetzen will. Neben Torwart Rune Jarstein werden Dodi Lukebakio und Marvin Plattenhardt in Mainz nicht dabei sein. Nach ihren Corona-Infektionen können beide Anfang der Woche ins individuelle Training einsteigen. Jarstein wird nach dem schweren Verlauf seiner Corona-Infektion bis zum Ende der Saison fehlen.

Geht es Mainz schief, würde das den Druck in den Heimspielen gegen Freiburg am Donnerstag und Arminia Bielefeld am Sonntag weiter erhöhen – das Ende aller Hoffnungen wäre es nicht. Dardai wiederholte mehrmals seine Rechnung mit mindestens vier Punkten aus den drei Nachholspielen. „Wenn wir das Ziel nicht erreichen, fange ich an, negativ zu sein. Jetzt ist alles ok, ich fühle mich wohl.“

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