Farbtupfer im Darts. Fallon Sherrock spielt in der Premier League, obwohl manch männlicher Kollege sich sportlich dafür eher empfohlen hat als sie. Foto: Steven Paston/dpa
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Erste Frau bei der Premier League Darts Fallon Sherrock und die umstrittene Herausforderung

Fallon Sherrock darf als erste Frau in der Premier League ran. Für den Darts-Profiverband ist das eine Chance – die Konkurrenz sieht es kritisch.

Am Donnerstag wird Fallon Sherrock wieder Geschichte schreiben. Nicht, dass das irgendwie neu und ungewohnt für sie wäre, nur steht die 25 Jahre alte Engländerin diesmal noch mehr im Fokus als während der Darts-Weltmeisterschaft im Dezember.

Als erste Frau wird sie in Nottingham an einem Spieltag der Premier League teilnehmen, dem zweitwichtigsten Dartsturnier des Jahres, für das nur die besten Spieler der Welt nominiert werden. Es ist das nächste Novum, nachdem sie schon die erste Frau war, die bei der Weltmeisterschaft ein Spiel gewinnen konnte, letztlich wurden es sogar zwei.

Sherrock ist eine „Challengerin“ in der Premier League

Nun also tritt sie in der Premier League an. Sie ist dabei noch kein fester Bestandteil des Wettbewerbs, sondern eine sogenannte „Challengerin“. Neben den neun auserwählten derzeit besten Spielern der Welt wird an jedem der neun Spieltage der Vorrunde jeweils ein solcher Herausforderer teilnehmen. Dieser stammt immer aus dem Land, in dem der Spieltag ausgetragen wird.

Erstmals ist nun von einer Herausforderin die Rede. Und wer weiß, vielleicht wird Sherrock bald mehr als eine Herausforderin sein. Zuzutrauen ist es der Frau, die in eine vermeintliche Männersportart eingedrungen ist.

Die Premier League folgt dabei einem Ligasystem. Jeder spielt einmal gegen jeden, nach den neun Spieltagen der Vorrunde wird ein Spieler aussortiert. Die restlichen acht Spieler machen in den Play-offs die vier Halbfinalisten unter sich aus. Am 21. Mai kommt es in London zum Finale.

Novum. Fallon Sherrock gewann gegen Ted Evetts (r.) ihr erste WM-Match. Foto: Steven Paston/dpa Vergrößern
Novum. Fallon Sherrock gewann gegen Ted Evetts (r.) ihr erste WM-Match. © Steven Paston/dpa

Fallon Sherrock trifft am Donnerstag (ab 20 Uhr, live auf Sport1 und Dazn) auf den Engländer Glen Durrant. Und auch wenn die Nominierung Sherrocks als Herausforderin erwartet worden war – sie ist keineswegs unumstritten. Denn in der vergangenen Premier-League-Saison wurden mit dieser Nominierung die Top-Leistungen des vergangenen Jahres honoriert.

Deshalb war der am schlechtesten platzierte „Challenger“ auf Weltranglistenposition 57 zu finden. Sherrock aber gehört nicht einmal zu den Top 100. Rein sportlich ist ihre Nominierung daher fragwürdig. Marketingtechnisch macht sie aber natürlich mehr als Sinn für den Profiverband.

Der Verband schlachtet den Hype um die erste konkurrenzfähige Frau aus, so gut es eben geht. Sherrock selbst fordert sogar gleich mehr. „Vielleicht würde es helfen, wenn mehr Frauen bei den großen Turnieren eingeladen würden. Dann wäre es nichts Besonderes mehr“, sagt sie.

Michael van Gerwen sieht Fallon Sherrock kritisch

„Ich will angefeuert werden, weil ich gut bin, nicht weil ich eine exotische Außenseiterin bin.“ Allerdings – man kann es drehen und wenden, wie man will – wird sie genau das am Donnerstag sein. Sie hat sich die Herausforderung durch ihren WM-Erfolg zweifelsohne verdient. Nur hätten es andere Spieler, die in der Vergangenheit bessere Leistungen gezeigt haben, vermutlich noch etwas mehr verdient.

Michael van Gerwen, die Nummer eins der Darts-Weltrangliste, äußerte sich zuletzt beispielsweise kritisch. „Ich will jetzt nicht zu böse klingen, aber sie hat auch nur zwei Spiele gewonnen“, sagte der Dominator der vergangenen Jahre. „Natürlich ist das etwas, was es bisher noch nicht gegeben hat. Da wird dann schnell eine große Sache daraus gemacht.“

Eine große Sache ist es für die Fans auf jeden Fall – das wird auch am Donnerstagabend in Nottingham wieder zu sehen sein. Jetzt ist es an Sherrock, Michael van Gerwen und den anderen Kritikern zu zeigen, dass sie auch auf der Premier-League-Bühne gut ist. Es wäre ein kleiner Sieg für sie und ein großer für die Sportart.

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