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Emirates Team New Zealand mit Peter Burling (Mitte) am Steuer holt sich im 9. Rennen den 6. Punkt. Nun fehlt nur noch einer, um vier Jahre Entwicklungsarbeit und Training zu krönen. Foto: REUTERS/Simon Watts
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Entscheidung vertagt beim 36. America's Cup Neuseeland fehlt nur noch ein Sieg zum Triumph

Die Italiener liegen beim America's Cup 3:6 hinten. Neuseeland steht kurz vor der Titelverteidigung. Die Entscheidung könnte am Mittwoch fallen.

Sie machen alles richtig. Fünf Runden lang segeln die Italiener ein perfektes Rennen. Auf der letzten Kreuz zwingen sie den Titelverteidiger zu einer Wende, die ihn wieder auf die Rechte Bahnseite drängt - ein Zeichen für absolute Kontrolle. Die Neuseeländer rechnen wohl selbst nicht damit, hier den Wind zu finden, der sie an den führenden Italienern vorbeiziehen ließe. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als auf den Gegner zu reagieren, der sich ihnen nun schon das ganze 9. Rennen über in den Weg legt.

Doch ausgerechnet jetzt zahlt sich die neuseeländische Seite des Kurses aus. Die Crew um Streuermann Peter Burling, Flügelmann Blair Tuke und Skipper Glenn Ashby erwischt einen Winddreher und verwandelt einen knappen Rückstand von 70 Metern in einen Vorsprung von über hundert. So kurz vor dem Ziel können Francesco Bruni und Jimmy Spithill an Bord von Luna Rossa nichts mehr tun. Sie verlieren ein weiteres starkes Rennen dieses 36. America's Cup, so dass es beim nächsten Aufeinandertreffen schon um ihre letzte Chance geht.

Mit ausgefahrenen Ellbogen

Italienische Syndikate haben sich seit ihrem Einstieg in den America's Cup 1992 bereits zweimal das Recht erfochten, gegen die jeweiligen Titelverteidiger anzutreten. Gegen die USA können sie in San Diego immerhin ein Rennen gewinnen, gegen die Neuseeländer acht Jahre später keines. 2000 fand die Begegnung auf eben jenen selben Gewässern des für seine tückischen Bedingungen gefürchteten Hauraki-Golf statt, der sich auch an diesem Dienstag von seiner unvorhersehbaren Seite zeigt.

Keineswegs chancenlos. Trotz der verheerenden Bilanz von 3:6 Punkten liegt Luna Rossa oft vorne. Im 9. Rennen wurden die Italiener erst kurz vo dem Ziel überholt. Foto: AFP Vergrößern
Keineswegs chancenlos. Trotz der verheerenden Bilanz von 3:6 Punkten liegt Luna Rossa oft vorne. Im 9. Rennen wurden die Italiener erst kurz vo dem Ziel überholt. © AFP

Der Renntag beginnt mit einer kräftigen Brise von 15 Knoten, doch muss die Rennstrecke vor dem Start bereits neu ausgerichtet werden, weil eine durchziehende Front für einen Wechsel der Windrichtung sorgt. Die Teams sind also gewarnt.

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Beim Vorstartballett müssen sie die AC-75-Racer bei diesen Bedingungen zügeln, um nicht zu früh an die Linie zu rasen. Burling scheint die Sache am besten hinzukriegen. Doch entwickelt sich ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen mit marginalen Führungswechseln. An den Bahnmarken liegen die Kontrahenten nie mehr als neun Sekunden auseinander, und Luna Rossa schafft es, sich des nominell schnelleren Gegners "mit ausgefahrenen Ellbogen" zu erwehren, wie Bruni sagt. Einmal nutzt er sein Wegerecht so weidlich aus, dass er Burling weit über die Linie zum unteren Lee-Tor hinausdrängt, nur um 40 Meter Abstand in mehr als hundert Meter zu verwandeln. So gewinnt man Rennen. Normalerweise.

Ein unglückseliges Spiel

Ob es nun ein Fehler ist, den Neuseeländern auf ihrer "Te Rehutai" den Vorzug eines freien Windfeldes zu lassen, oder schlicht Pech, sei dahingestellt. Da ein zweites Rennen an diesem Dienstagmorgen europäischer Zeit kurz vor dem Start mangels Wind abgesagt wird, müssen die neun Männer von Luna Rossa, acht Italiener und ein Australier, auf eine weitere Chance am Mittwoch hoffen. Emirates Team New Zealand ist bei einem Stand von 6:3 nur ein Rennen vom Triumph entfernt. Das klingt eindeutiger, als es in Wirklichkeit ist.

Nur bei einem der drei zurückliegenden Niederlagen des Luna Rossa-Teams haben technologische Qualitäten den Unterschied ausgemacht. Davor und danach gaben seglerische Entscheidungen den Ausschlag, für deren unglückselige Folgen die Leute an Bord zumeist gar nichts konnten. Aber auf dergleichen muss man gefasst sein, wenn man sich auf das Wetter verlässt.

[Das 10. Rennen und ein mögliches 11. können hier und mit deutschem Kommentar hier gesehen werden. Beginn ist in den Morgenstunden um 4.00 Uhr.]

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