Können so gar nicht mehr miteinander: Michael Lehner (l.) und Werner Franke (r.). Foto: Christoph Soeder/dpa
© Christoph Soeder/dpa

Eklat bei der Doping-Opfer-Hilfe Wie aus Verbündeten Feinde wurden

Der Streit bei der Doping-Opfer-Hilfe nimmt bizarre Züge an. Worum geht es und wie kam es zur jüngsten Eskalation?

Seit Monaten schwelt der Streit um das Dopingopfer-Hilfegesetz (DOHG). Es haben sich Fronten gebildet zwischen einstigen Kämpfern für dasselbe Anliegen: den Einsatz für Entschädigungszahlungen an Dopingopfer. Der Streit eskalierte am Donnerstag, als der Molekularbiologe Werner Franke eine Pressekonferenz der Dopingopfer-Hilfe (DOH) stürmte und es zu Handgreiflichkeiten zwischen ihm und dem DOH-Vorsitzenden Michael Lehner kam.

Was ist die Dopingopfer-Hilfe?

Die Dopingopfer-Hilfe ist im März 1999 gegründet worden. Laut der Vereinssatzung bezweckt sie, "den Opfern des organisierten Zwangsdopings der ehemaligen DDR, aber auch des systemischen Dopings in der Bundesrepublik vor und nach 1989 jede nur erdenkliche ideelle, informelle sowie in Akutfällen finanzielle Hilfe" zukommen zu lassen. Die DOH ist also gleichsam Anlauf- wie Beratungsstelle für Betroffene.

Wie viele Opfer wurden/werden entschädigt?

Auf Grundlage des ersten Dopingopfer-Hilfegesetzes (DOHG) erhielten 194 ehemalige Leistungssportler der DDR auf Antrag im Zeitraum 2002 bis 2007 eine einmalige Entschädigung ausgezahlt. 2016 beschloss der Bundestag ein zweites Dopingopfer-Hilfegesetz. Daraufhin konnten weitere ehemalige SportlerInnen der DDR Leistungen in Höhe von 10.500 Euro bis Ende 2018 bei gleichen Voraussetzungen beantragen. Seit Oktober 2018 können Anträge bis Ende 2019 gestellt werden, der Fonds wurde um rund drei Millionen Euro aufgestockt. Zwischen den beiden Gesetzen erhielten weitere 167 DDR-Leistungssportler eine einmalige Entschädigung in Höhe von 9.250 Euro. Das Geld dafür kam zu einem Drittel (rund 550.000 Euro) vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und zu zwei Dritteln (rund eine Mio. Euro) vom Bund.

Wer waren/sind die Protagonisten?

Ines Geipel, Werner Franke und Michael Lehner. Die ehemalige DDR-Leichtathletin Geipel ist selbst anerkanntes Dopingopfer und war von 2013 bis 2018 Vorsitzende der DOH. Geipel erstritt mit Verve und Ellenbogen die Entschädigungen für die Opfer des DDR-Dopingsystems. Insgesamt erkämpfte die DOH unter ihrem Vorsitz Steuermittel in Höhe von 13,65 Millionen Euro für die Opfer.

Werner Franke war über viele Jahre ein Mitstreiter der DOH. Der anerkannte Molekularbiologe fertigte viele Gutachten für die Doping-Opfer an. Seit ein paar Jahren liegt der 79-Jährige im Streit mit der DOH. Zusammen mit dem Präventionsexperten Gerhard Treutlein, Skilanglauftrainer Henner Misersky und der früheren Leichtathletin Claudia Lepping setzt er sich nun für eine Reform des Dopingopfer-Hilfegesetzes ein.

Michael Lehner ist nach dem Rücktritt von Ines Geipel der neue Vorsitzende der DOH. Er ist Mitgründer des Vereins und hatte Franke früher sogar juristisch vertreten. Inzwischen sind die beiden verfeindet.

Was ist der Kern des Konflikts

Die Gruppe um Franke fordert, dass wissenschaftlich begründete und fachlich unterstützte Gutachten Voraussetzung für Entschädigungen sind. Der Gruppe zufolge ist das nicht mehr der Fall. Der Streit schwelt insbesondere um die Frage, ob es per DNA vererbte Schäden gibt. Franke ist der festen Überzeugung, dass es keinen toxikologischen Beweis dafür gibt. Von der Beantwortung der Frage hängt wesentlich ab, wie viele Dopingopfer es gibt. Doch der wissenschaftliche Diskurs darüber ist uneinheitlich. Zudem kritisiert die Gruppe um Franke, dass die Ablehnungsquote von Anträgen nach dem ersten Dopingopfer-Hilfegesetz mit 37 Prozent gegenüber dem derzeitigen zweiten DOHG nur noch rund sechs Prozent beträgt. Die DOH um Lehner wiederum sieht ihre Arbeit diskreditiert und den Streit auf dem Rücken der Opfer ausgetragen. 

Zur Startseite