Warten auf den Wiederbeginn. Leon Draisaitl, aktuell Topscorer der NHL. Foto: Ethan Miller/AFP
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Eishockeystars warten auf Wiederbeginn in der NHL Leon Draisaitl trainiert mit Bowie

Leon Draisaitl und die anderen deutschen Spieler in Nordamerika halten sich in der Spielpause der NHL zum Teil mit ungewöhnlichen Methoden fit.

Außergewöhnliche Zeiten wecken manchmal ungeahnte Talente – etwa bei Bowie, dem nicht eben groß geratenen Hausgenossen des wohl besten deutschen Eishockeyspielers aller Zeiten. Weil die National Hockey League (NHL) seit dem 12. März aufgrund der Corona-Krise pausiert und derzeit auch kein normales Training möglich ist, musste sich Leon Draisaitl einen neuen Gegner suchen. „Ich benutze meinen Hund als Verteidiger. Um den versuche ich, so ein bisschen rumzuzocken“, sagt der 24 Jahre alte Profi von den Edmonton Oilers, der die Scorerwertung der NHL zum Zeitpunkt der Unterbrechung mit 110 Punkten anführte.

Der ungewohnte Trainingspartner überraschte den Angreifer: „Er ist auf jeden Fall einer der besten Verteidiger, gegen die ich jemals gespielt habe.“ Improvisieren müssen auch die anderen drei in Nordamerika beschäftigten deutschen Nationalspieler, die von der NHL am Montag zu einem Videogespräch mit Journalisten versammelt wurden. „Ich habe kein Haustier, ich muss mir meine Gegner selber bauen. Deswegen lege ich mir irgendwas auf den Boden und spiele da vorbei“, sagt Dominik Kahun von den Buffalo Sabres.

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Anders als Draisaitl, der in Edmonton blieb, zog er es vor, nach Deutschland zurückzukehren. Auch weil bei der Familie in Regensburg ein williger Sparringspartner auf den 24-jährigen Angreifer wartet: „Wenn ich daheim bin, habe ich meinen Bruder, der immer ins Tor geht. Dann kann ich ein bisschen auf ihn schießen.“

Tobias Rieder, der die erzwungene Freizeit in Landshut verbringt, beklagt vor allem die Einsamkeit: „Es ist natürlich schwer. Man trainiert immer alleine, sonst hat man den Ansporn von den Teamkollegen“, räumt der 27 Jahre alte Flügelstürmer ein, der bei den Calgary Flames unter Vertrag steht. Vor allem mit Laufen und Radfahren versucht er, fit zu bleiben. „Aber so viele andere Sachen kann man momentan eh nicht machen. Da muss man halt durch“, so Rieder.

Die Saison in der NHL soll sobald wie möglich fortgesetzt werden

Noch schwieriger ist die Situation für Philipp Grubauer, den einzigen Torhüter des Quartetts. „Die Hand-Auge-Koordination ist jetzt natürlich auf Null“, sagt der 28-Jährige von den Colorado Avalanche. „Man kriegt ja keine fünf-, sechshundert Schüsse um die Ohren geballert jeden Tag.“ Doch der Nationalkeeper, der in Denver geblieben ist, gibt sich zuversichtlich: „Ich denke, das kommt ganz schnell wieder zurück.“ Alle vier hoffen darauf, bald aufs Eis zurückzukehren. Anders als hierzulande, wo die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) die Saison bereits im März abgebrochen hat, soll die Spielzeit in Nordamerika sobald wie möglich fortgesetzt werden.

Aktuell diskutieren die Verantwortlichen denkbare Regularien, auch Geisterspiele sind im Gespräch. Erwogen wird zudem, den jährlichen Draft, bei dem die weltbesten Nachwuchsspieler auf die einzelnen Teams verteilt werden, auf Anfang Juni vorzuziehen und virtuell zu veranstalten.

Besonders betroffen wären drei deutsche Talente: Der 18 Jahre alte Angreifer Tim Stützle, der zuletzt für die Adler Mannheim spielte, gilt als Kandidat für die Top drei, auch John-Jason Peterka vom EHC Red Bull München und Lukas Reichel von den Eisbären Berlin könnten schon in der ersten Runde ausgewählt werden. „Es ist für Tim natürlich schade, dass genau sein Draft nur über Kameras läuft und das ganze Event abgesagt wird“, sagt Draisaitl, der 2014 als bislang bestplatzierter Deutscher an dritter Stelle ausgewählt wurde. „Aber er sollte es einfach genießen. Wir alle wünschen ihm und den anderen beiden sehr viel Glück.“

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