Das war es dann mit Dänemark. Die deutschen Spieler nach dem 0:3 gegen Kanada. Foto: David W. Cerny/Reuters
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Eishockey-Weltmeisterschaft Von Herning nach Peking?

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Die Eishockey-WM in Dänemark geht ohne die Gastgeber in die K.o-Runde. Hat das Turnier, zur Hälfte ausgetragen in einer Kleinstadt, die Sportart weitergebracht und warum ist jedes Jahr eine WM?

Wer in diesen Tagen nach Herning kommt, kommt am Eishockey nicht vorbei. Flächendeckend ist die dänische Kleinstadt mit Wimpeln und Fahnen zugepflastert, die auf eine Weltmeisterschaft hinweisen. Es gibt kein Schaufenster in der Innenstadt, in der nicht ein Eishockeytrikot hängt. Die Kneipen schenken ihr Bier zum Teil im Plastikbecher statt im Glas aus. Eishockeyfans trinken ja gerne mal ein Glas oder Becher mehr, und da könnte ja etwas kaputtgehen. Zudem gibt es Riesenbildschirme für das Public Viewing und mehr. Das ist alles ganz schön für das Eishockey, aber die Frage der Breitenwirkung stellt sich natürlich. Herning hat 50.000 Einwohner, die Sportart dürfte selbst in Dänemark durch diese WM kaum aus ihrer Nische herauskriechen. Zumal das dänische Team seine Spiele nur in der immerhin über 10.000 Zuschauer fassenden Boxen Arena von Herning bestritt am Dienstag dann auch noch vor dem Viertelfinale durch ein 0:1 gegen Lettland ausschied.
Sicher, Hauptspielort der WM ist Kopenhagen, aber warum eigentlich hält der Weltverband IIHF seine größte Veranstaltung zum halben Teil in einer Kleinstadt ab? Und warum muss in jedem Jahr eine WM stattfinden, zumal in einem olympischen Jahr wie diesmal?

Herning, Hockeystadt. So sag es in den Schaufenstern aus. Foto: Claus Vetter
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Die deutsche Mannschaft hätte wohl auf diese WM gerne verzichtet, denn nach dem 0:3 gegen Kanada zum Abschluss und Platz elf in Herning ist die Silbermedaille von Pyeongchang schnell in den Hintergrund gerückt. Der Weltverband will und und kann angeblich laut Präsident René Fasel nicht auf den jährlichen Kassentermin WM verzichten: In einem Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“ sagte Fasel, dass die IIHF binnen vier Jahren 150 Millionen Schweizer Franken (rund 138 Millionen Euro) durch die Turniere einnehme. Würde die WM nur alle zwei Jahre stattfinden, dann gäbe es ja nur die Hälfte an Einnahmen. Da hat der Schweizer Funktionär gut gerechnet. Fasel sagt, dass mit dem Geld die unteren WM-Turniere gesponsert werden müssten. Herning und Dänemark sieht er als vollen Erfolg. Er sagt in besagtem Interview: „Als Dänemark die Finnen besiegte, wurde die Nationalhymnne in Herning so laut gesungen, dass man das bis Kopenhagen hörte. Das Turnier ist die beste Werbung, die wir uns vorstellen konnten.“

Die Dänen hätten gegen die Letten nur einen Punkt benötigt, holten aber keinen


So sah es bis zum Dienstagabend aus, doch dann erschütterte der sportliche Teil die Rechnung von Fasel. Die Dänen hätten nach ihren großartigen Spielen gegen Deutschland (3:2 nach Penaltyschießen) und Finnland (3:2) gegen die biederen Letten nur einen Punkt benötigt, holten aber keinen. Im Viertelfinale stehen nun – abseits von Lettland – die üblichen Verdächtigen, die Eishockey-WM-Langeweile droht. Und das dänische Fernsehen dürfte wohl auch herunterfahren in der Berichterstattung, sozusagen spontan hatte das Öffentlich-Rechtliche die Spiele des dänischen Teams übertragen. Eishockey findet sonst im Lande nur am Rande statt – abseits der Hochburg Herning, elf Spieler im Nationalteam kommen aus der Stadt in Jütland. Der Schnitt in der Liga liegt bei 1500 Zuschauern pro Spiel, in der Deutschen Eishockey-Liga zum Beispiel liegt er pro Spiel rund 5000 Zuschauer höher.

Nicht schön, aber selten. Von Innen sah die "Boxen Arena" von Herning bei der WM charmanter aus. Foto: Claus Vetter
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Aber trotzdem sieht sich die IIHF auf gutem Kurs, letztlich war ja Dänemark auch ein freundlicher Gastgeber und geradezu ein Eishockey-Mekka im Vergleich zu dem, mit dem die IIHF droht: Fasel sieht „mittelfristig“ China als guten WM-Austragungsort, die Winterspiele 2022 fänden in Peking statt und dann seien die Chinesen schon dabei, sich in Kanada ein Nationalteam zusammen zu casten.
Aber bis Peking ist noch Zeit, kommendes Jahr geht es für die WM erst mal in die Slowakei. Zum zweitem mal nach 2011. Und dort ist Eishockey auch wirklich zu Hause.

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