Clement Jodoin, 66, ist vor der Saison vom Assistenz- zum Chefcoach der Eisbären aufgestiegen. Der Kanadier hat lange Zeit erfolgreich in der NHL gearbeitet, unter anderem war er zwölf Jahre Co-Trainer bei den Montreal Canadiens. Foto: Christian Thiel/ Imago
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Eisbären-Trainer Clement Jodoin im Interview "Ein Eishockeyspieler ist ein Künstler"

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Eisbären-Trainer Clement Jodoin spricht im Interview zum CHL-Start über Berlin, seine Philosophie und Bergwandern in Kanada.

Monsieur Jodoin, was haben Sie von der Stadt Berlin erwartet, als Sie vor einem Jahr hierhergekommen sind?

Ehrlich? Ich wusste fast nichts über Berlin. Nur, dass es eine große Stadt ist.

Und wie fällt Ihr Urteil jetzt aus?

Inzwischen fühle ich mich hier wie zuhause. Ich empfinde Berlin als eine sehr internationale Stadt. Es gibt von jedem ein bisschen: Das kulturelle Leben mit Shows, Kino, Theater oder klassischer Musik. Und dazu kommt noch die spezielle Geschichte Berlins. Auch wenn man in meinem Geschäft wenig Zeit hat, so versuche ich doch, mir immer wieder ein paar Stunden zu nehmen, um das alles irgendwie aufzusaugen. Zumal du überall hingehen kannst, ohne das Auto benutzen zu müssen. Der öffentliche Nahverkehr hier ist wirklich großartig.

Auch die Eisbären Berlin haben ja eine spannende Geschichte…

Ja, Stefan Ustorf hat mir viel davon erzählt. Zum Beispiel, dass sie früher 20 Mal im Jahr gegen Weißwasser gespielt haben. Das ist aus heutiger Sicht natürlich komisch. Aber alles hat irgendwo seinen Anfang. Und es gab damals zumindest Eishockey in der DDR und hat bis heute überlebt. Dass wir jetzt am Wochenende zweimal im Wellblechpalast spielen, ist für mich auch deswegen sehr besonders.

Wie ist es denn, wenn man vom Eishockey-Mutterland Kanada nach Deutschland kommt?

Für mich ist das hier nicht nur ein Job. Ich möchte meine Expertise weitergeben und sie mit anderen Menschen teilen. Es geht ja nicht nur darum, irgendwelche Trainingsformen auf dem Eis auszuprobieren. Ich sage immer: Ein Eishockeyspieler ist ein Künstler. Meine Aufgabe ist es, ihm die passenden Werkzeuge zu verschaffen. Wenn dir das gelingt, wird er dir ein ganz besonderes Kunstwerk zeichnen, dass sich jeder gern ansieht.

Trotzdem ist Eishockey in Kanada doch viel größer als hier.

Schon. Aber es gibt in meiner Heimat auch immer mehr Kinder und Jugendliche, die Fußball spielen. Das ist viel günstiger. Eishockey ist so ein bisschen wie Polo geworden, viele Eltern können es sich nicht mehr leisten, ihre Kinder dahin zu schicken. Hier bei den Eisbären wird viel versucht in der Nachwuchsarbeit. Aber um noch mehr Erfolg zu haben, bräuchte es vielleicht vier Trainingshallen in der Stadt in vier verschiedenen Bezirken. Auch, damit die Kinder nicht so viel Zeit mit dem Hin- und Herfahren verbringen müssen.

Bei Olympia hat Deutschland Kanada im Viertelfinale ausgeschaltet. Wie haben Sie das erlebt?

Ich habe mich ehrlich gefreut, weil es gut für den Sport war. Aber darauf darf man sich jetzt nicht ausruhen, sondern muss noch härter arbeiten. Klar ist, dass das deutsche Eishockey sich damit Respekt verschafft hat. Das gilt auch für die Liga und das wollen wir bestätigen, gerade jetzt in der Champions Hockey League gegen die anderen europäischen Teams.

Für viele Eishockey-Begeisterte in Deutschland sind die Duelle in der Champions Hockey League (CHL) aber nur Freundschaftsspiele mit einem anderen Namen.

Natürlich kannst du nur auf deine eigene Liga schauen (legt die Hände seitlich an die Augen und imitiert den Tunnelblick). Du kannst aber auch nach Europa gucken (öffnet jetzt die Handflächen und blickt nach links und rechts). Für mich ist die CHL sehr interessant, sie hat definitiv nichts mit Freundschaftsspielen zu tun. In der CHL kannst du etwas gewinnen. Du kannst Meister werden und deswegen ist es gut. Das wissen auch meine Spieler.

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