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Große Zukunft im Blick. Eisbären-Stürmer Lukas Reichel. Foto: imago images/Zink
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Eisbären-Stürmer Lukas Reichel im Interview „Ich will der nächste Reichel sein!“

Vater Martin und Onkel Robert waren Stars im Eishockey: Sohn und Neffe Lukas ist mit 18 Jahren schon Leistungsträger in Berlin und will nach Chicago.

Lukas Reichel, 18, ist in seiner zweiten Saison Profi bei den Eisbären. Der gebürtige Nürnberger kam 2018 aus Rosenheim nach Berlin. Im sogenannten Draft der NHL wurde der Stürmer im Jahr 2020 als zweitbester Deutscher seines Jahrgangs an 17. Stelle von den Chicago Blackhawks gezogen.

Lukas Reichel, wie geht es Ihnen in dieser außergewöhnlichen Saison?
Eigentlich ganz gut. Man kann es ja eh nicht ändern und muss das alles so hinnehmen. Wir sind auf dem ersten Platz, bis jetzt läuft es doch bei den Eisbären. Gut, das ist Gewöhnungssache, so ohne Stimmung. Wenn wir mal zurückliegen, dann fehlen die Zuschauer. So muss man versuchen, sich selbst zu motivieren.

Sie machen von Spiel zu Spiel Fortschritte, ist es nicht ein wenig belastend, dass Ihre bislang beste Zeit ausgerechnet in dieser tristen Zeit stattfindet?
Es ist mir egal, ich will immer mein Bestes geben. Ich habe jetzt noch einen Schritt gemacht, würde ich sagen. Es war wichtig, dass ich bestätige, dass meine erste Saison keine glückliche Saison war.

Sie kommen mit den Eisbären viel herum in einer Phase, in der die Menschen angehalten werden, möglichst wenig zu reisen. Ist das nicht ein komisches Gefühl?
Wir machen viele Coronatests, wir halten uns strikt an die Regeln und sind immer unter uns. Die Mannschaft ist eine gefühlte Bubble. Jeder von uns passt zu Hause auf, keiner stürzt sich in eine Menschenmenge. Ich denke, das ist so ganz okay.

Die Reise nach München verlief weniger erfreulich, es gab ein 1:4. Nun wurden die Eisbären nach ihrem ersten Platz in der Nordgruppe vor der Verzahnungsrunde mit dem Süden als ein Favorit auf den Titel gehandelt, sieht das nun vor dem zweiten Spiel gegen München am Dienstag anders aus
Wir haben von den letzten zehn Spielen davor neun gewonnen. Wir sind immer noch im Flow. Wir haben doch nur ein Spiel verloren gegen München. Ich denke, es läuft wieder darauf hinaus, dass man München oder Mannheim oder vielleicht sogar beide schlagen muss, wenn man Meister werden will. Deshalb werden wir uns auf diese Spiele gegen sie gut vorbereiten.

Sie gehen ja gern dahin, wo es weh tut. Vor das gegnerische Tor zum Beispiel. Wie hart ist es, sich da gegen gestandene Männer durchzusetzen?
Ach, es läuft nicht anders als im letzten Jahr.

Gerne da, wo es wehtun kann. Lukas Reichel (rechts) beim ersten Spiel in München am Sonntag. Foto: Eibner Pressefoto / Heike Feiner Vergrößern
Gerne da, wo es wehtun kann. Lukas Reichel (rechts) beim ersten Spiel in München am Sonntag. © Eibner Pressefoto / Heike Feiner

Da waren Sie schon mit 17 Jahren Profi in der DEL…
Jetzt habe ich ein Visier und kein Gitter am Helm. Das ist mein Spiel, vors Tor zu gehen und da will ich mir Chancen erarbeiten. Das war beim Spiel in München nicht anders. Ich bin sehr kritisch mit mir und rege mich auf, wenn ich die Chancen vergebe. Es macht mich aus, dass ich Tore schießen will. Das ist mein Ehrgeiz.

Mit Ihren Sturmpartnern Marcel Noebels und Leo Pföderl spielen Sie in der effektivsten und für Ihren Trainer Serge Aubin wichtigsten Reihe der Eisbären. Wie fühlt es sich an, wenn man schon mit 18 Jahren so viel Verantwortung hat?
Es bringt mich weiter, dass ich mit Noebi und Leo spiele. Wir verstehen uns gut. Es macht mich als Spieler aus, dass ich Powerplay spielen will und kann. Bislang läuft es für mich und die Mannschaft, ich bin sehr zufrieden bis jetzt.

Mit 18 Jahren spielen Sie schon Ihre zweite Saison als Profi und womöglich ist es schon die vorerst letzte in Deutschland. Die Chicago Blackhawks aus der National Hockey League (NHL) werden Sie wohl kommende Saison in die beste Eishockeyliga der Welt holen. Wie gut gerüstet sind Sie für das große Abenteuer Übersee?
Ich habe viele Gespräche und Meetings mit denen. Alle zwei, drei Wochen reden wir. Die Blackhawks schauen jedes Spiel von mir und geben mir Feedback, sagen, was ich gut gemacht habe und was ich nicht so gut gemacht habe. Das nehme ich dann auf und versuche, es besser zu machen. Aber was nächstes Jahr passiert, weiß ich nicht. Erst einmal will ich hier in Berlin eine gute Saison abliefern und wir können ja viel erreichen mit den Eisbären.

Aufgrund Ihrer Covid-19-Infektion konnten Sie im Dezember nicht an der U-20-WM teilnehmen. War das für Sie ein Rückschlag?
Natürlich war ich nicht begeistert, ich hätte gern mit Tim Stützle und John Jason Peterka gespielt in Kanada. Wir hätten eine richtig gute Mannschaft geha"bt.

„Mein Papa hat mir sehr viel geholfen, der war auch früher mein Trainer"

Es hat ohne Sie immerhin zur Viertelfinalteilnahme gereicht
Sie haben recht, also anders gesagt: Die hatten eine richtig gute Mannschaft und ich wäre gerne Teil dieser Mannschaft gewesen. Die haben einen guten Job gemacht.

Als Reichel bliebt einem ja wohl nichts anderes übrig, als Eishockeyprofi zu werden. Ihr Onkel Robert war tschechischer Nationalspieler und in der NHL ein Star, Ihr Vater Martin deutscher Nationalspieler und Ihr älterer Bruder Thomas spielt in der Zweiten Liga bei Weißwasser. Wer hat denn Ihre Karriere am meisten beeinflusst?
Natürlich mein Dad. Mein Papa hat mir sehr viel geholfen, der war auch früher mein Trainer. Wir haben immer über Eishockey geredet, wir sind eine Eishockeyfamilie, was ich auch richtig gut finde. Es war immer schön.

Ist es ein Vorteil, in so einer Eishockeywelt aufzuwachsen? Können Sie mit dem Druck viel besser umgehen als Ihre jungen Kollegen, die nicht so einen Hintergrund haben?
Das ist wohl so. Mein Vater hat alles durchgemacht, der war jahrelang in der DEL Profi. Ist doch klar, dass er mir da alles weitergibt. Das hat mir sehr geholfen.

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Ihr Nationalmannschaftskollege Lean Bergmann hat mal gesagt, dass er in seiner Juniorenzeit in Schweden von den Trainern so lange im Training getriezt wurden, bis er sich übergeben musste. Wie waren Ihre Erfahrungen im Nachwuchs?
Ich denke, das gehört dazu. In Schweden oder in Finnland ist das Training im Nachwuchs etwas härter als in Deutschland. Es kommt eben drauf an, dass man richtig trainiert. Mein Vater hat das immer gut gemacht. Ich kann mich da nicht beklagen.

Haben Sie Vorbilder, Leon Draisaitl oder Tim Stützle etwa? Beide sind ja prägende Spieler in der NHL?
Klar, was Leon in der NHL macht, das ist Wahnsinn. Das ist brutal, da schaue ich natürlich hoch und ich will auch so sein wie er. Ich gucke was ab von den beiden und mit Tim rede ich viel. Aber jeder Spieler ist halt anders. Ich will jetzt nicht der nächste Draisaitl oder der nächste Stützle sein. Ich will der nächste Reichel sein!

„Je früher ich in Chicago bin, um so besser"

Was wünschen Sie sich für diese Saison mit den Eisbä ren, der Nationalmannschaft und für Ihre Zukunft?
Wir haben eine gute Chance, Meister zu werden und werden alles dafür tun. Was die Nationalmannschaft und die Weltmeisterschaft betrifft, liegt es natürlich am Toni…

...Söderholm, dem Bundestrainer. Er könnte Ihre Reihe von den Eisbären komplett mit zur WM nach Lettland nehmen.
Ja, ich denke auch, dass er da schon so den Gedanken hat.

Und der Wunsch für die Zukunft?
Ich will natürlich in Chicago spielen. Das ist mein Ziel. Je früher ich da bin, um so besser.

Was machen die für die USA nötigen Sprachkenntnisse, Sie kommen ja aus einer mehrsprachigen Familie?
Da muss ich Sie enttäuschen. Selbst mit meinem Onkel Robert spreche ich Deutsch, das kann der perfekt. Ich kann natürlich auch perfekt Deutsch, aber kein Tschechisch. Und Englisch? Sagen wir mal: Ich kann mich unterhalten.

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