Seit ein paar Jahren deutscher Staatsbürger. Mark Zengerle im Trikot der Fischtown Pinguins. Foto: imago images/Eibner
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Eisbären-Profi schießt daneben Berliner Eishockey-Spieler dankt Donald Trump für Kampf gegen die Antifa

Die Eisbären Berlin sehen ihre ethischen Grundsätze gefährdet und schreiten ein: Mark Zengerle entschuldigt sich und sollte etwas gelernt haben. Ein Kommentar.

Am Anfang der Diskussion stand ein Satz des mächtigen Mannes der westlichen Welt. US-Präsident Donald Trump hatte inmitten der Unruhen in den USA nach dem Mord eines Polizisten an einem Bürger mit dunkler Hautfarbe per Twitter verlauten lassen, dass die Antifa künftig von den USA als eine terroristische Organisation eingestuft werden würde: „The United States of America will be designating ANTIFA as a Terrorist Organization.“ Gute Idee, muss sich Mark Zengerle gedacht haben und kommentierte auf dem sozialen Netzwerk. „Thank you Mr. President.“

Nun kam diese öffentliche Danksagung im Umkreis seines neuen Arbeitgebers weniger gut an. Zengerle ist Eishockeyprofi und hat für die kommende Saison bei den Eisbären Berlin unterschrieben. Das handelsübliche Twitterbeben auf Zengerles Danksagung an Trump folgte, zwar von eher geringer Stärke, aber mit sehr heftigen Vorwürfen.

Tenor aus der Berliner und deutschen Eishockeyszene: Was will so ein Mann bei den Eisbären, bei denen ja auch einige Fans der Antifaschistischen Initiative (kurz Antifa) nahestehen würden. Es wurde sarkastisch in die Welt gefragt, ob sich Zengerle, wenn dann mal wieder Eishockey gespielt wird, von Terroristen anfeuern lassen müsse. Die Eisbären sollten sich doch sofort von dem Spieler trennen.

Was immer sich Mark Zengerle dabei gedacht haben mag als er einen der sehr vielen in den Orkus geblasenen Twitter-Ergüsse des US-Präsidenten kommentierte – er bewegte sich damit durchaus auf demokratischem Boden. Er hatte eine Meinung geäußert zu seinem Präsidenten, Zengerle stammt aus dem US-Staat New York. Allerdings ist das inzwischen nur die halbe Geschichte: Der Angreifer, 31 Jahre alt, hat einen deutschen Pass.

Er ist deutscher Staatsbürger geworden in seiner Zeit bei den Fischtown Pinguins Bremerhaven. Vor allem, um dort nicht unter das Ausländerkontingent im Team zu fallen. Die Eisbären haben den Center als deutschen Spieler verpflichtet. Und: Wer als deutscher Profi Eishockey spielt, der macht auch als deutscher Staatsbürger politische Statements. Insofern ist die Aufregung um die Aussage zum Thema Trump tiefergehend.

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Offensichtlich wurde Zengerle seine Meinung dann auch zu bunt. Sein Twitter-Account ist nicht mehr frei einsehbar, den Tweet hat er aber gelöscht und auch die Eisbären wurden tätig. Sportdirektor Stéphane Richer sprach mit dem Spieler, und legte ihm „deutlich die ethischen Grundwerte der Eisbären Berlin und der gesamten Anschutz Entertainment Group“ dar. Zengerle entschuldigte sich daraufhin öffentlich, es tue ihm leid, was er da angerichtet habe. Er wolle doch nur, dass die Gewalt in seiner Heimat ein Ende habe und auch der Rassismus.

Ein Twittergewitter also am Ende. Was aber bleibt: Keiner kann in den Kopf des doch sehr gebildeten Zengerle – vier Jahre Studium der Medizin- und Wissenschaftskommunikation – schauen. Und: Es ist nicht verboten Trump und damit seine oft widersinnigen Aussagen zu mögen. Aber ein Profi hat auch eine soziale Verantwortung, das dürfte Mark Zengerle nun womöglich gelernt haben. Dazu gehört, dass sein Arbeitgeber ethische Grundsätze hat, die offensichtlich tiefer gehen als die des US-Präsidenten.

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