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Neues Gefühl. Beim 6:3 gegen den HC Lugano sah Eisbären-Trainer Serge Aubin zum ersten Mal in dieser Saison einen zufriedenstellenden Endstand auf dem Videowürfel der Arena am Ostbahnhof. Foto: Matthias Koch/Imago
© Matthias Koch/Imago

Eisbären Berlin und Champions Hockey League Eine schwierige Beziehung

Benedikt Paetzholdt

Trotz des Spektakels gegen den HC Lugano: Warum sich die Eisbären Berlin mit der Champions Hockey League schwer tun.

Die Champions Hockey League hat für die Eisbären in dieser Saison am Dienstagabend zum ersten Mal so richtig Spaß gemacht. Das 6:3 gegen den HC Lugano in heimischer Halle war schön anzusehen und erfreute hinterher entsprechend auch Trainer Serge Aubin. „Mir hat sehr gut gefallen, wie wir gespielt haben“, sagte der Kanadier, „es hat Spaß gemacht, den Jungs zuzuschauen.“

Dass der Wettbewerb nach vier Niederlagen im Turnier bereits vor dem ersten Bully gegen die Schweizer eigentlich gelaufen war und auch der letzte europäische Auftritt in dieser Saison am kommenden Dienstag eher Ausflugscharakter hat, offenbart aber, dass es eine schwierige Beziehung bleibt zwischen den Berlinern und diesem Wettbewerb.

Gewiss, Aubins Mannschaft hat eine anspruchsvolle Gruppe erwischt, die ersten Auftritte in der Champions Hockey League lagen mitten in der Saisonvorbereitung und im beginnenden Prozess des Teambuildings. Allerdings sind die Eisbären damit nicht alleine.

Die anderen drei deutschen CHL-Vertreter aus Bremerhaven, Mannheim und München haben noch beste Aussichten, ins Achtelfinale einzuziehen, in ebenfalls anspruchsvollen Gruppenkonstellationen. Zumal die Eisbären zum ersten Mal als Deutscher Meister in diesen Wettbewerb gestartet sind, der 2014 Premiere feierte.

Sportdirektor Richer ist weiterhin total überzeugt von der CHL

Sportdirektor Stéphane Richer sieht insbesondere einen ungewöhnlichen Sommer als wesentlichen Grund für die gerade zu Beginn sehr durchwachsenen Auftritte der Eisbären. „Weil wir Meister geworden sind, endete die Liga in der letzten Saison für uns erst im Mai“, sagt Richer.

Mit Mathias Niederberger, Leo Pföderl, Marcel Noebels und Jonas Müller reisten vier Eisbären von den Meisterfeierlichkeiten zur Weltmeisterschaft nach Lettland, wo Deutschland nur knapp eine Medaille verpasste. Nicholas Jensen spielte zudem für Dänemark „Auch dort waren unsere Jungs lange gefordert“, sagt der Kanadier. „Allgemein war die Vorbereitung nicht optimal.“ Zumal in den Ligen Nordeuropas früher die Vorbereitung auf die kommende Saison beginnt.

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Den Eindruck, dass die Champions Hockey League für die Eisbären nicht ganz die Bedeutung einnimmt, den man bei einem Vergleich der besten europäischen Mannschaften mit Ausnahme der KHL erwarten könnte, möchte Richer nicht stehen lassen. „Es ist eine tolle Gelegenheit, auch mal ein anderes Eishockey zu sehen, und wir sind total überzeugt von der Champions Hockey League.“ Negativ sei eben nur, dass seine Mannschaft zunächst nicht so aufgetreten ist, wie es nötig gewesen wäre, um sich für die K.-o.-Runde zu qualifizieren.

Wichtig war zudem die Erfahrung für die Eisbären, zu Hause endlich mal wieder gewonnen zu haben. „Wir konnten dieses Spiel nutzen, um junge Spieler einzusetzen und Selbstvertrauen zu gewinnen“, freut sich Richer. Nach dem Auswärtsspiel bei den Nürnberg Ice Tigers am Donnerstag (19.30 Uhr, Magentasport) sollen insbesondere die Zuschauer beim kommenden Heimspiel gegen die Kölner Haie am Sonntag (14 Uhr) verwöhnt werden, jetzt, wo die Blockade im Kopf endlich gelöst scheint.

Gegen Lugano kamen nur 1400 Fans in die Arena

Am Dienstagabend kamen nur 1400 Fans in den Genuss eines spektakulären Auftritts, „in dem wir über 60 Minuten richtig gutes Eishockey gespielt haben“, wie Bennet Roßmy sagte, der den ersten Punkt seiner Profikarriere beisteuerte. Die fehlenden Perspektiven aufs Weiterkommen mögen ein Grund dafür sein, dass sich so wenige Fans zur Arena am Ostbahnhof aufmachten.

Doch bereits in der Vergangenheit zeigte sich, dass selbst unter der Woche ein Ligaspiel gegen die Straubing Tigers oder die Schwenninger Wild Wings mehr Fans anlockt als der Vergleich mit einem europäischen Spitzen-Eishockeyteam. Was bei den anderen Mannschaftssportarten in der Stadt überhaupt nicht der Fall ist. Dort gelten die Partien gegen internationale Schwergewichte als abwechslungsreiche Höhepunkte in der Saison.

Eine Lösung hat Richer dafür auch nicht parat. „Wir müssen daran arbeiten, dass die Fans dieses Format noch mehr akzeptieren“, sagt er. „Und ich bin mir auch sicher, dass es ganz anders wäre, wenn wir mal in einem Halbfinale stehen würden.“ Dann würde es doch noch eine Liebesbeziehung zwischen den Eisbären und der Champions Hockey League. Bis dahin ist es aber noch ein sehr weiter Weg.

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