„Mit Corona ist nicht nur der Fußball, sondern die ganze Welt in den Stillstand gelaufen“, sagt Karl-Heinz Rummenigge. Foto: Matthias Balk/dpa
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Einschränkungen durch die Krise Der Fußball muss auch nach Corona über seine Finanzen sprechen

Der deutsche Fußball leidet - und beim FC Bayern wird diskutiert. Das ist gut. Aber über Modelle wie den Salary Cap muss auch nach der Krise gesprochen werden.

Karl-Heinz Rummenigge hat die Situation vollkommen richtig erkannt. „Mit Corona ist nicht nur der Fußball, sondern die ganze Welt in den Stillstand gelaufen“, sagte der Vorstandschef des FC Bayern in einem Interview. Und tatsächlich hat das Coronavirus viele Missstände und Extrementwicklungen an die Oberfläche katapultiert – und zwar in den unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft. Das himmelschreiend ungerechte Gehalt von Pflegepersonal. Den schlechten Zustand von Schulen und Kitas.

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Aber auch der Profi-Fußball setzt sich in diesen Zeiten mit neuen Realitäten auseinander. Seit Wochen spielen die Vereine nach langer Pause vor leeren Rängen, viele sind in ernsthaften finanziellen Nöten. Und gleichzeitig stellt sich die Frage: Wie lange kann sich der Fußball noch Finanzstrukturen leisten, in der astronomische Gehälter und Ablösesummen bezahlt werden? Es ist Zeit für ein Umdenken.

Erstaunlich ist, dass diese Fragen in den vergangenen Wochen offen im Lager des frisch gebackenen Deutschen Meisters debattiert wurde, der auf dem schon legendären Festgeldkonto seine Reichtümer anhäuft. Vor anderthalb Wochen diskutierte der FC Bayern über die Aussagen von Stürmer Thomas Müller, der es absurd fand, dass man in diesen Zeiten „über Neuzugänge spricht und gleichzeitig Gehälter eingespart werden“. Er war auf einen Transfer von Bayer Leverkusens Kai Havertz zu den Bayern angesprochen worden – der wohl nicht für unter 100 Millionen Euro verkauft werden soll.

„Viele europäische Klubs haben angekündigt ihre Payroll herunterzufahren“

Nun kommen auch Gedanken zum Thema vom Vorstandschef. Karl-Heinz Rummenigge sagte im Interview mit dem „Handelsblatt“, dass sich der Transfermarkt nun verändern werde. „Es ist nicht viel Liquidität vorhanden, es fehlt also an Nachfrage“, sagte Rummenigge. Angesprochen auf Ablösesummen von bis zu 100 Millionen Euro sagte er: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass in dieser Saison in Deutschland oder auch sogar Europa so viel Geld für einen Spieler gezahlt wird.“ Auch Gehälter würden kaum zu steigern sein. „Viele europäische Klubs haben angekündigt ihre Payroll herunterzufahren“, sagte Rummenigge. Aber auch der FC Bayern werde künftig vorsichtiger damit umgehen.

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Also ran an die Gehälter. Dabei soll es aber nicht darum gehen, gute Gehälter drastisch zu kürzen, die dürfen die Spieler gerne weiterbekommen, das ist sogar richtig. Fußball ist in vielen Ländern Sportart Nummer eins. Aber es ist eine Frage der Dimension. Die Diskussion um einen „Salary Cap“ im Fußball, also eine Gehaltsobergrenze, kommt nicht von ungefähr. Bei den Spitzenverdienern würde die ein oder andere Million weniger im Jahr nicht auffallen, der Salary Cap wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Er würde Wettbewerbsgleichheit herstellen und somit den Fußball bereichern (mal ganz abgesehen davon, dass sich die Vereine mit dem gesparten Geld für künftige Krisen wappnen könnten). Die Fragen sind nur: Kriegt man den Fußball dazu, nachhaltige Finanzstrukturen zu entwickeln – auch nach der Coronakrise? Oder macht man nach der Krise einfach so weiter wie vorher? Das Virus zwingt den Fußball dazu, sich diesen Fragen zu stellen.

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