Zum Heulen. Murray bei einer Pressekonferenz in Australien. Foto: REUTERS
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Ehemaliger Weltranglistenerster Tennisstar Andy Murray verkündet unter Tränen Karriereende

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Tennis-Olympiasieger Andy Murray plagen ständige Schmerzen an der Hüfte. Nun wird der Schotte seine Karriere vielleicht schon in wenigen Tagen beenden.

Andy Murrays Humor war schon immer tiefschwarz und trocken, seine Selbstironie dabei herrlich entwaffnend. In den Tagen vor dem Beginn der Australian Open posierte der 31 Jahre alte Schotte mit breitem Grinsen neben dem Norman Brookes Challenge Cup. Dem Siegerpokal von Melbourne, den er sich in seiner Karriere so sehr gewünscht hatte, den er aber trotz fünf Finalteilnahmen nie gewinnen konnte. „Näher werde ich der Australian- Open-Trophäe nie kommen“, schrieb Murray süffisant unter das Foto. Das ist sein Humor. Doch am Freitag wurde dieser kesse Spruch plötzlich schmerzliche Realität. Andy Murray wird wohl nie mehr die Australian Open gewinnen. Vielleicht wird er nicht einmal mehr ein einziges Match zu Ende spielen können. Jener Mann, der fast 15 Jahre lang mit so bissiger, bedingungsloser Leidenschaft auf dem Tennisplatz gekämpft, gemotzt und gelitten hatte, muss dieser Hingabe nun Tribut zollen. Sein Körper, seine Hüfte im Besonderen, ist am Ende. Und nun auch seine Tenniskarriere.

Als Murray den Pressekonferenzraum betrat, waren seine Augen gerötet. Schon die erste Frage, wie es seiner Hüfte gehe, brachte ihn aus der Fassung. „Nicht gut“, sagte er und seine Stimme brach. Er senkte den Kopf und schluchzte. Dann verließ er für ein paar Minuten wieder den Raum, doch auch danach kämpfte Murray gegen die Tränen. Er hatte sich ihrer nie geschämt. In Melbourne hatte er oft geweint, nach seinen ersten Finalniederlagen. „Ich wollte so gerne für euch gewinnen“, schluchzte er damals so rührend.

Aktuell steht Murray nur noch auf Platz 230 der Weltrangliste

Die Briten warteten schon eine Ewigkeit auf ihren nächsten Tennis-Champion und Murray drohte diese Bürde manchmal fast zu erdrücken. Doch gerade durch diese verletzlichen Momente, wie 2012, als er nach dem verlorenen Wimbledon-Endspiel von Tränen geschüttelt wurde, schlossen ihn die Briten erst in ihr Herz. Murray holte vier Wochen später in Wimbledon olympisches Gold, ein Jahr später wurde er 77 Jahre nach Fred Perry der erste Champion. Er hatte es geschafft. Mit den Erwartungen einer ganzen Nation auf den Schultern und in der goldenen Ära von Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic. Er wurde einer der großen Vier und blieb immer auf Augenhöhe mit ihnen, obwohl er mit drei Grand-Slam-Titeln weit weniger als sie gewann.

Murray wurde auch die Nummer eins und war sie noch bis zum August 2017. Doch da konnte er schon nicht mehr spielen. Die Hüfte. „Ich habe seit Jahren mit Schmerzen gespielt“, gestand Murray nun ein, „aber seit 20 Monaten hatte ich sehr starke Schmerzen. Und ich kann so nicht mehr weitermachen.“ Ein halbes Jahr Pause ab Juli 2017 reichte nicht aus, auch die Operation, der er sich vor genau einem Jahr in Melbourne unterzog, brachte keine Linderung. „Ich will bis Wimbledon weitermachen“, sagte Murray mit zittriger Stimme: „Aber ich weiß nicht, ob ich es schaffen werde.“

Am Montag will er aber antreten, gegen den Spanier Roberto Bautista Agut, Der ist die Nummer 22 der Setzliste und ein zäher Hund. Es sei auch möglich, sagte Murray und schluckte, dass dieses sein letztes Turnier sein wird. Der würdige Abschied auf seinem Rasen in Wimbledon, den ihm alle gönnen würden, ist Murray vielleicht nicht vergönnt. Er erwägt eine weitere Operation, für seine Frau und seine beiden Kinder, aber vor allem für seine eigene Lebensqualität. „Es wäre schön, wenn ich mir ohne Schmerzen wieder die Schuhe und Socken anziehen könnte.“ Die ganze Tennisgemeinde sprach ihm Mut zu und ihr Mitgefühl aus. Darunter auch Boris Becker, dem selbst als Folge seiner strapaziösen Profikarriere ein künstlichen Hüftgelenk eingesetzt wurde.

Murrays energische Kraft auf dem Platz wird fehlen, genau wie seine Stimme, die sich immer für Gleichberechtigung und die Interessen der nachfolgenden Generationen stark gemacht hat.

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