Symbolbild zu Kokainkonsum: Es ist unwahrscheinlich, dass die Spieler aus der Premier League Euro-Scheine nutzten. Foto: David Ebener/dpa
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Drogenmissbrauch im Fußball Die Premier League hat ihren Kokain-Skandal

Laurenz Schreiner
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Zwei Spieler aus Englands höchster Liga sollen mit Kokain erwischt worden sein. Sie wären nicht die ersten. "Die Kontrollen sind zu lasch", sagt ein Experte.

Es soll auf der Toilette passiert sein. Nach einem Auswärtsspiel im Dezember feierte eine Fußballmannschaft aus der Premier League eine Weihnachtsfeier im Nachtclub. Als ein Spieler aufs WC gehen wollte, erwischte er dort einen Teamkameraden, wie er eine Line Kokain durch die Nase zog. Eine halbe Stunde später sei der betreffende Spieler vom Trainer ins Taxi gesetzt worden – in der Annahme, sein Schützling sei betrunken gewesen.

Das berichtet die britische Boulevardzeitung „The Sun“ und beruft sich dabei auf Zeugenaussagen. Mittlerweile bestätigt auch der Sender „BBC“ die Gerüchte. Der englische Fußball steht also vor einem neuen Drogen-Skandal. Denn „The Sun“ zufolge war dies nicht der einzige Fall von Drogenkonsum englischer Fußballer in der Vorweihnachtszeit. Bei einer weiteren Feier hätten Premier-League-Spieler große Mengen an Kokain rumgereicht, zitiert die Zeitung einen Partygast. Die Namen und Vereine wurden bislang noch nicht veröffentlicht.

Adrian Mutu flog einst bei Chelsea raus

Dass Kokain im englischen Fußball verbreitet ist, zeigen mehrere Beispiele aus den vergangenen Jahren. Ein besonders prominenter Fall ist Adrian Mutu. Der rumänische Nationalspieler galt als eines der größten Stürmertalente und wechselte 2003 für 22 Millionen Euro vom AC Parma zum FC Chelsea. Dort wurde er positiv auf Kokain getestet. Chelsea löste den Vertrag auf und verklagte Mutu, der den Verein nun mit 17,2 Millionen Euro entschädigen muss. Das ist die höchste Strafe, die der Weltverband Fifa jemals verhängt hat. 2016 beendete Mutu seine Karriere.

Feines Näschen: Adrian Mutu wurde als Spieler des FC Chelsea 2004 mit Kokain erwischt. Der Verein verklagte den rumänischen Stürmer. Foto: Sean Dempsey/dpa
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Für Ivan Waddington sind die neusten Vorfälle keine Überraschung. Der Professor der Universität Chester forscht seit mehreren Jahren zu Drogenmissbrauch im englischen Profifußball. Waddington nennt die aktuellen Vorfälle „normale Praxis“ in der Premier League und beruft sich dabei auf eine eigene wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2005. Fast die Hälfte der Fußballer aus den drei höchsten Ligen gab an, andere Spieler zu kennen, die Drogen wie Kokain, MDMA oder Cannabis konsumierten.

"Die Kontrollen sind viel zu lasch"

Doch warum riskieren so viele Spieler leichtfertig ihre Karrieren? „Aufgrund ihres Alters, ihrer Freizeit, des verfügbaren Einkommens etc. sind die Spieler den Risiken sozialer Drogen außerhalb des Wettkampfs ausgesetzt“, meint der englische Fußballverband FA in seinem Regelwerk.

Waddington sieht noch ein viel größeres Problem. „Die Kontrollen sind viel zu lasch“, kritisiert er im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Viele Spieler würden das geringe Risiko, positiv getestet zu werden, in Kauf nehmen. So ist es wohl auch bei den aktuellen Skandalen gewesen: Einer der Spieler sei einen Tag zuvor kontrolliert worden, berichtet „The Sun“. Da häufig nur einmal pro Saison getestet werde, habe er im Anschluss ohne große Sorge koksen können. Kokain ist im Blut und im Urin nur wenige Tage nachweisbar.

Wer A positiv testet, muss auch B testen: Urin einer Doping-Probe in zwei Glasflaschen. Foto: Peter Kneffel/dpa
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Vor den Spielen seien die meisten Fußballer wegen einer möglichen Urinprobe nach Abpfiff vorsichtig, erklärt Waddington. Bei einer Siegesfeier im Club würden dann aber alle Bedenken weggeschnupft. Zwar führte die britische Anti-Doping-Agentur Ukad in der vergangenen Premier-League-Saison nach eigenen Angaben 1923 Tests durch. Sechs Mal gab es einen positiven Befund. Doch Genaueres ist nicht bekannt.

Waddington bemängelt die fehlende Transparenz des englischen Verbands: „Die FA will nicht darüber reden und ist sehr unkooperativ.“ Der Wissenschaftler fordert, dass der Verband stärker über die Abläufe und Ergebnisse von Drogentests informiert. Auch in den aktuellen Fällen hält sich die FA bedeckt. Auf eine Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur zum Stand der Ermittlungen äußerte sich der Verband allgemein: „Wir ermutigen jeden mit Informationen über jegliche Anti-Doping-Vergehen, die FA zu informieren.“

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