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Luke Sikma und seine Mitspieler feiern nach dem Pokalsieg auch die Meisterschaft. Foto: Oryk Haist/dpa
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Dritte Meisterschaft in Folge Alba Berlin feiert mal wieder in München

Durch ein souveränes 96:81 bei Bayern München sichern sich die Berliner ihren dritten BBL-Titel in Serie und jubeln mit ihren Fans in der Halle des Rivalen.

Fünf Minuten vor Schluss nahm Bayern Münchens Trainer Andrea Trinchieri noch mal eine Auszeit. Es war ein letzter verzweifelter Versuch, dieses vierte Finale um die deutsche Meisterschaft noch umzubiegen, doch ganz unbewusst spielte die Hallenregie bereits den passenden Song für die Gäste. „One more time“ von Daft Punkt dröhnte aus den Lautsprechern. „Ein weiteres Mal werden wir feiern“, das passte zu Alba an diesem schwülen Münchner Sonntagnachmittag. Durch ein beeindruckendes 96:81 (26:17, 26:19, 24:18, 20:27) gewannen die Berliner ihre dritte Meisterschaft in Folge.

Und „one more time“ feierten sie diese in der Halle des großen Rivalen. „Das wird langsam ein sehr schöner Ort für uns“, sagte Kapitän Luke Sikma. „Das war ein Jahr mit vielen Höhen und Tiefen. Ich bin so stolz.“ Nach dem Pokalsieg sicherte sich Alba wie schon vor zwei Jahren das Double. Für den Klub ist es der elfte Meistertitel in der 31-jährigen Klubgeschichte.

Johannes Thiemann wurde nach einer überragenden Leistung mit 15 Punkten zum besten Spieler der Finalserie gewählt. „Ich freue mich unheimlich, so was habe ich noch nicht mal in der Jugend gewonnen“, sagte der 28 Jahre alte deutsche Nationalspieler. „Das war eine unglaubliche Saison von uns.“

Bei den Bayern kehrten am Samstag zwar Darrun Hilliard und Corey Walden ins Training zurück, für einen Einsatz reichte es nach langer Verletzung aber nicht. Zudem fehlten weiter Anführer Vladimir Lucic und Center Leon Radosevic. So gingen beide Mannschaften unverändert ins Spiel.

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Das galt aber allenfalls personell, denn in den ersten Minuten war das genaue Gegenteil dessen zu sehen, was sich am Freitag in Berlin abgespielt hatte. Alba ging extrem fokussiert zu Werke und es dauerte ganze 93 Sekunden, da hatten die Gäste durch zwei Treffer von Jaleen Smith bereits ihre Dreierausbeute aus Spiel drei egalisierst. Anderthalb Minuten später stand es 11:0 für die Berliner und Bayerns Trainer Andrea Trinchieri starrte an der Seitenlinie mit verschränkten Armen ins Nichts. „Das war vor allem eine Ehrensache, weil wir keine 30-Punkte-Heimniederlage vor 15 000 Fans auf uns sitzen lassen wollten“, sagte Oscar da Silva zur dominanten Anfangsphase.

Besonders Johannes Thiemann, der für Luke Sikma in die Startformation beordert worden war, brannte in der Anfangsphase ein echtes Feuerwerk ab. Der deutsche Nationalspieler verteilte die Bälle aus dem Post, zog Fouls und suchte selbst den Abschluss. Als er nach knapp fünf Minuten erstmals auf die Bank musste, war er mit sieben Punkten und drei Assists an allen 16 Berliner Punkten direkt beteiligt. „Das letzte Spiel war eine Katastrophe, da waren wir mit dem Kopf schon beim Feiern, daher waren wir heute umso konzentrierter“, sagte Thiemann.

Alba obenauf. Christ Koumadje beim Dunking. Foto: camera4+/Imago Vergrößern
Alba obenauf. Christ Koumadje beim Dunking. © camera4+/Imago

Ganz so einseitig ging es dann zwar nicht weiter, Alba hatte das Geschehen allerdings trotz der frühen Verletzung von Jonas Mattisseck jederzeit unter Kontrolle. Die Berliner waren spritziger, schnappten sich die Rebounds und behielten trotz der tropischen Klimaverhältnissen in der Halle kühlen Kopf. Es war Alba-Basketball par excellence, den die Mannschaft von Israel Gonzalez streckenweise auf das Parkett zauberte. Als Christ Koumadje einen schönen Angriff über Tamir Blatt und Sikma mit einem krachenden Dunk abschloss, sprang die Berliner Bank begeistert auf.

Da die Mischung zwischen Fastbreaks, Dreiern und physischer Überlegenheit unter dem Korb durch Thiemann sowie Koumadje stimmte, suchten die Bayern vergeblich nach einem Gegenmittel. Dabei litten sie auch unter Foulproblemen. Relativ früh kassierten mit Deshaun Thomas, Ognjen Jaramaz und Othello Hunter drei wichtige Spieler ihr zweites Foul.

Erst in den letzten Minuten der ersten Hälfte gelang es ihnen durch einige Aktionen von Augustine Rubit, so etwas wie einen kleinen Lauf hinzulegen. Da führte Alba allerdings bereits mit bis zu 21 Punkten Vorsprung. Als Sikma die erste Hälfte mit einem schwierigen Sprungwurf aus der Ecke beendete, lagen die Berliner immer noch mit 52:36 vorne.

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Unmittelbar nach der Pause war den Münchnern anzusehen, dass sie sich nicht ohne einen Kampf geschlagen geben wollten. Rubit und Nick Weiler-Babb gelangen schnelle Punkte und die Berliner leisteten sich einen Schrittfehler. Die Heimfans witterten bei nur noch zwölf Punkten Rückstand wieder eine Chance, doch Alba hatte die perfekte Antwort. Thiemann, Smith und da Silva legten einen staubtrockenen 12:0-Lauf hin und schon sah die Sache deutlicher aus als je zuvor an diesem Nachmittag. Nun waren nur noch die rund 100 Berliner unter den 5469 Zuschauern in der Rudi-Sedlmayer-Halle zu hören, in der trotz des großen Anlasses 1000 Plätze frei blieben.

Im dritten Viertel wuchs der Vorsprung durch einen Dreier von Louis Olinde auf 25 Punkte, doch zu Beginn des Schlussviertels begann Alba nach unglaublich souveränen 30 Minuten doch noch etwas zu wackeln. Den Münchnern gelangen vier schnelle Korberfolge und die Berliner gaben den Ball deutlich zu einfach her. Trainer Israel Gonzalez reagierte mit einer seiner seltenen Auszeiten, doch sieben Minuten vor Spielende war die Halle bei 13 Punkten Abstand plötzlich wieder voll da. Es war allerdings nur ein Strohfeuer. Topscorer Jaleen Smith (23 Punkte) sorgte mit einem Korbleger und einem Dreier wieder für klare Verhältnisse – der Rest war grenzenloser Jubel.

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