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Leipzigs Torhüter Péter Gulásci jubelt, nachdem Freiburgs Ermedin Demirovic seinen Elfmeter verschossen hatte. Foto: Stache/dpa
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Dramatik bis zum Schluss RB Leipzig gewinnt DFB-Pokalfinale nach Elfmeterschießen

Nach 120 Minuten fand das DFB-Pokalfinale zwischen RB Leipzig und dem SC Freiburg keinen Gewinner. Die Entscheidung sollte erst im Elfmeterschießen fallen.

So viele traurige Menschen aus Freiburg auf so kleinem Platz, das gab es bis zum Sonnabend in Berlin wohl maximal nur mal im Bezirk Prenzlauer Berg. Und wahrscheinlich nicht mal da, außerdem müssen da ja eher Menschen aus Schwaben für derlei Späßchen herhalten.

Jedenfalls hatten die Freiburger Fußballfans am Ende eines langen Pokalabends im Berliner Olympiastadion nach dem Elfmeterschießen keinen Grund zur Freude, Trainer Christian Streich saß bedröppelt auf der Bank: Rasenballsport Leipzig hat nach dem 4:2 im Elfmeterschießen, nach 90 und 120 Spielminuten hatte es 1:1 gestanden, den DFB-Pokal gewonnen – und damit erstmals überhaupt einen großen Titel geholt. Christian Günter und Ermedin Demirovic waren die tragischen Figuren aus Freiburger Sicht im Elfmeterschießen, denn beide scheiterten. Bei Leipzig trafen hingegen alle vier Schützen.

Das ganze Ambiente wirkte recht munter im mit 74.322 Zuschauenden ausverkauften Olympiastadion, es war das erste DFB-Pokalfinale seit elf Jahren ohne Beteiligung von Borussia Dortmund oder Bayern München. Perry Bräutigam hatte mit Joachim Löw die Trophäe in den Innenraum des Olympiastadions getragen.

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Ein doch eher unerwartbares Duo. Klar, die Verbundenheit des ehemalige Bundestrainers Löw mit den Freiburgern ist hinlänglich bekannt, die Verbindung von Bräutigam zu RB Leipzig hat dagegen eine viel jüngere Geschichte. Der ehemalige Auswahltorwart der DDR hat natürlich nie für RB spielen können, war aber mal ein Jahr bei Lok Leipzig im Tor und tatsächlich auch mal Torwartrainer nach der Neugründung von Rasenballsport, inzwischen fungiert er offiziell als „Klubrepräsentant“. Und sicher hat Bräutigam auch das bestätigt, was der einstige Bundestrainer vor dem Spiel orakelte. „Ich erwarte ein Super-Spiel“, hatte Joachim Löw gesagt. „Es wird ein dramatisches Finale.“

Maxi Eggestein bringt die Freiburger in Führung

Das Spiel ging eher undramatisch los, aber mit sehr engagierten Freiburgern, angetrieben von viel Mut und den vielen Anhängern aus dem Süden. Das Freiburger Übergewicht auf den Rängen war nicht zu überhören und übersehen, die Fans des Sportclub standen in der Ostkurve, in der sich die Fans von Hertha BSC am Donnerstag von Bundesligaspielen in Berlin erst einmal verabschiedet haben.

Zum ersten Mal richtig laut wurde es dann in der 19. Spielminute beim Freiburger Anhang. Maximilian Eggestein hatte mit einem satten Distanzschuss den Ball links unten ins Freiburger Tor gedroschen. Die Leipziger protestierten heftig, weil Roland Sallai zuvor der Ball im Strafraum vom Fuß an die Hand geprallt war – aber der Treffer von Eggestein zählte nach Videobeweis.

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Und unverdient war die Führung der Freiburger nicht, weil Leipzig einfach zu wenig Zwingendes in der ersten Halbzeit veranstaltete und in den Zweikämpfen zu halbherzig war. Die Leipziger wirkten seltsam gehemmt. Oft stimmte die Zuordnung vor dem eigenen Strafraum nicht, die Freiburger fackelten nach Ballgewinnen nicht lange und spielten munter nach vorn in die Tiefe, so eine richtig zweite gute Chance hatten sie allerdings trotzdem nicht in der ersten Halbzeit.

Es war zwar ein recht munteres Spiel, aber es standen sich eben nicht der FC Bayern München und Borussia Dortmund auf dem Rasen gegenüber, sondern zwei Teams aus dem Bundesligasegment hinter den Spitzen aus Bayern und dem Westen.

Die Leipziger hatten ihre Möglichkeiten. Christopher Nkunku vergab die beste Chance für die Sachsen in der ersten Halbzeit, aber er bekam vor Torwart Mark Flekken keinen Druck auf dem Ball – trotzdem war der Niederländer im Freiburger Tor schon geschlagen, aber Nico Schlotterbeck klärte noch vor der Linie.

Leipzig rettete sich ins Elfmeterschießen

In der zweiten Halbzeit sah es dann zunächst düster aus für die Sachsen. Marcel Halstenberg sah nach einer Notbremse – der Freiburger Lucas Höler wäre durchgewesen – die Rote Karte. An sich schienen die Freiburger dann das Spiel im Griff zu haben, aber bei einem Angriff waren die Sachsen doch hellwach und eine Viertelstunde vor Ablauf der 90 Spielminuten stand es plötzlich 1:1. Am langen Pfosten drückte Nkunku den Ball über die Line, nachdem Laimer zuvor ein Kopfballduell im Freiburger Strafraum gewonnen hatte.

Es war danach kaum zu merken, dass Leipzig in Unterzahl agierte, die Sachsen machten Druck und erreichten verdient die Verlängerung, in der dann die Freiburger näher am Tor waren als die Leipziger, der für Eggestein eingewechselte Janik Haberer traf den Pfosten und dann nochmal die Latte.

Kurz vor Ablauf der Verlängerung hatte Freiburgs Höfler dann Dani Olmo abgegrätscht, es gab Leipziger Proteste von der Bank – der bereits ausgewechselte Kampl sah sogar Gelb-Rot, aber Schiedsrichter Sascha Stegemann gab keinen Elfmeter.

Freiburgs Trainer Christian Streich hatte in der Pause der Verlängerung den Anhang in der Ostkurve noch mal mit rudernden Armen motiviert – es bewahrte die Freiburger nicht vorm Elfmeterschießen und vor einer großen Enttäuschung. Denn nun hatten die Leipziger das bessere Ende für sich: Die Party konnte mit Verspätung - es gab einen medizinischen Notfall am Spielfeldrand - und mit der Überreichung des Pokals an Mannschaftskapitän Peter Gulacsi beginnen.

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