Antonio Conte kann an der Seitenlinie schon mal explodieren. Foto: Josep LAGO / AFP
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Dortmunds Gegner Inter Mailand Antonio Conte droht die nächste europäische Enttäuschung

Inter Mailand spielt eine starke Serie-A-Saison. In der Champions League steht der Klub von Antonio Conte gegen Borussia Dortmund aber bereits unter Druck.

Antonio Conte war ein mittelmäßig begabter Fußballer. Der 50 Jahre alte Italiener brachte es dennoch auf 20 Länderspiele, war fünf Jahre Kapitän von Juventus Turin und gewann mit dem Rekordmeister drei große internationale Titel. Zu verdanken hatte Conte diese Erfolge vor allem seiner an Besessenheit grenzenden Arbeitseinstellung und seiner Laufstärke. Er habe zwei Lungen, hieß es damals halb scherzhaft, halb bewundernd. Die scheint der Mann aus dem süditalienischen Lecce auch heute noch zu haben. An der Seitenlinie brüllt der Trainer von Inter Mailand meist so unablässig Anweisungen auf das Spielfeld, dass seine Stimme bei den Interviews nach Abpfiff nur noch zu erahnen ist.

Vor ein paar Tagen war er bei einer Pressekonferenz seines Klubs jedoch deutlich zu hören. "Nur in Italien seid ihr so besessen von den taktischen Formationen. In England juckt es niemanden, ob du mit Dreier- oder Viererkette spielst. Es kommt darauf an, wie du spielst, wie du presst, mit wie vielen Spielern du angreifst. Der Rest ist Schwachsinn", redete sich Conte in Rage. Mit Kritik konnte der impulsive Trainer noch nie gut umgehen und trotz des guten Saisonstarts in der Liga herrscht bei Inter bereits eine gewisse Nervosität.

Während der Klub in der Serie A sieben von acht Spielen gewonnen hat und mit einem Punkt Rückstand auf Serienmeister Juve absolut im Soll ist, sieht es international deutlich schlechter aus. In der Champions League steht Inter vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund an diesem Mittwoch (21 Uhr, live bei Sky) bereits mit dem Rücken zur Wand. Durch den Ausrutscher gegen Außenseiter Slavia Prag haben die Italiener bereits drei Punkte Rückstand auf den BVB und den FC Barcelona. Bei einer Niederlage am Mittwoch wären die Italiener praktisch ausgeschieden – und das zehn Jahre nach dem Triple unter Contes Erzrivalen Jose Mourinho.

Inters Trainer muss sich zu Beginn dieser Saison ein wenig fühlen wie Bill Murray im Filmklassiker "Und täglich grüßt das Murmeltier". Schon bei seinen vorherigen Stationen in Turin und bei Chelsea war ein enormer Unterschied zwischen nationalen und internationalen Ergebnissen zu erkennen. Juve führte er zwar nach Jahren der Krise zu drei Meisterschaften in Folge, in der Champions League war aber spätestens im Viertelfinale Schluss. Mit den Londonern schied er 2018 im Achtelfinale gegen Barcelona sang- und klanglos aus. Seine Gesamtbilanz in internationalen Wettbewerben mit Juve, Chelsea und Inter zeigt einen Punkteschnitt von 1,63 – und damit einen deutlichen Abfall zu den starken 2,3 Punkten pro Ligaspiel.

Einige Experten sehen den Grund für diese Diskrepanz in Contes Taktik – und teilweise auch in der Dreierkette. Der 50-Jährige hat in seiner Trainerkarriere bewiesen, dass er aus individuell unterlegenen Mannschaften alles herausholen kann. Der Sprung vom Außenseiterfußball zu einem aktiveren, international erfolgreichen Stil ist ihm jedoch noch nicht gelungen.

Inter zahlte 65 Millionen Euro für Lukaku

Bei Inter sind die Voraussetzungen für Conte eigentlich ideal. Mit dem Geld des milliardenschweren chinesischen Eigners Suning hat Inter dem Trainer die gewünschten Verstärkungen zur Verfügung gestellt. Von Manchester United kamen mit Romelu Lukaku (65 Millionen Euro) und Alexis Sanchez (ausgeliehen) zwei große Namen, die sich im Angriff mit dem argentinischen Nationalspieler Lautaro Martinez um die Stammplätze streiten. Für Herthas Valentino Lazaro bezahlte Inter 22 Millionen und mit Diego Godin (ablösefrei von Atletico Madrid) hat Conte nun einen erfahrenen Abwehrchef. Den großen Druck, sofort Titel zu holen, hat der Trainer dennoch nicht. In Italien bleibt Juventus der große Favorit und in der Champions League ist das erste Erreichen des Achtelfinales seit der Saison 2011/12 das vorrangige Ziel.

Damit dieses nicht schon früh in weite Ferne rückt, hat Conte sein Team vor dem Spiel gegen den BVB in die Pflicht genommen. Auf Twitter hat der Klub ein Video verbreitet, in dem der Trainer seine Spieler bei strömendem Regen und heftigem Wind über den Rasen scheucht. Nach dem 4:3-Zittersieg gegen Sassuolo am Wochenende soll Conte die Mannschaft in der Kabine aufgrund der laschen Schlussphase so laut zusammengefaltet haben, dass es bis auf die Gänge zu hören war. Zur Pressekonferenz schickte er dann seinen Assistenten. Grund soll allerdings nicht die charakteristische Heiserkeit gewesen sein. Conte hatte Fieber.

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