Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Colton Underwood ist ein ehemaliger NFL-Spieler. Foto: imago
© imago

Doku-Serie „Coming-Out Colton“ Ehemaliger NFL-Spieler Colton Underwood spricht über sein Schwulsein

Vor wenigen Jahren suchte Colton Underwood als Bachelor die Traumfrau. Nun outete er sich als schwul und spricht über Hürden beim Coming Out.

Zwei Jahre ist es her, dass Colton Underwood sich im Fernsehen auf die Suche nach der großen Liebe begab. Als US-amerikanischer Bachelor lernte er 30 Frauen kennen, ging mit ihnen auf Dates und kam ihnen näher, bis am Ende nur noch eine übrig war, die seine finale Rose erhielt.

Lange hielt die Beziehung des ehemaligen NFL-Spieler allerdings nicht. Im vergangenen April outete Underwood sich nun öffentlich als schwul. „Ich bin lange vor mir selbst weggelaufen. Und ich habe mich selbst lange dafür gehasst. Ich bin schwul“, sagte der 29-Jährige in einem Fernsehinterview.

Vor allem seine sportliche Karriere habe ihn daran gehindert, offen mit seiner Sexualität umzugehen. Als Football-Spieler hörte er regelmäßig homofeindliche Äußerungen, außerdem mangelte es an Vorbildern. Das führte dazu, dass er zunehmend mit psychischen Problemen und zum Teil sogar Suizidgedanken zu kämpfen hatte.

Seinen langen Weg zum Coming-Out thematisiert die neue Netflix-Doku-Serie „Coming-Out Colton“. In sechs Folgen wird Underwood dabei begleitet, wie er sich vor seiner Familie und seinen Freund*innen outet und schließlich im Fernsehen darüber spricht, schwul zu sein.

Umkleideräume zwischen "Homoerotik und Homofeindlichkeit"

Im Mittelpunkt stehen dabei seine sportliche Karriere und die Angst, diese durch ein Coming-Out zu riskieren. Gemeinsam mit einer Freundin besucht Underwood seine ehemalige High-School und erinnert sich an Umkleideräume zwischen „Homoerotik und Homofeindlichkeit“.

Er blickt zurück auf diskriminierende Sprüche, die zu seinem sportlichen Alltag gehörten und spricht mit seinem damaligen Trainer über die Stimmung im Team. Unterstützung erhält er von dem Gus Kenworthy, der bei Olympia 2014 im Slopestyle die Silbermedaille holte und sich als erster aktiver Extremsportler als schwul outete. Mit ihm kann Underwood über die Angst vor der Reaktion seines Vaters sprechen, aber auch über seine Vorliebe für „Daddys“ und Dating-Apps.

[Mehr Neuigkeiten aus der queeren Welt gibt es im monatlichen Queerspiegel-Newsletter des Tagesspiegel - hier geht es zur Anmeldung.]

In der Dokumentation kommen auch ehemalige NFL-Stars wie Esera Tuaolo und David Kopay zu Wort. Kopay, der bis 1972 aktiv war und sich während seiner Karriere als schwul outete, gibt Einblicke in eine Zeit, in der queere Sportler sich nur heimlich vernetzen und in Discos treffen konnten.

Im vergangenen April outete Underwood sich öffentlich als schwul. Foto: CALEB ALVARADO/NETFLIX Vergrößern
Im vergangenen April outete Underwood sich öffentlich als schwul. © CALEB ALVARADO/NETFLIX

Es fehlen kritische Gesprächspartner*innen

Mit Michael Sam, spricht Underwood über seine Schuldgefühle, ihn während seines Coming Outs im Jahr 2014 nicht in Schutz genommen zu haben und über die Angst, „selbst als schwul abgestempelt zu werden“.
Die Dokumentation zeigt treffend, vor welchen Herausforderungen queere männliche Footballer immer noch stehen, wenn sie sich während ihrer Karriere outen wollen.

Zugleich mangelt es an einigen Stellen an kritischen Gesprächspartner*innen, die Underwood das eigene - zum Teil problematische - Verhalten vor Augen führen. Etwa wenn er über seine Ex-Freundin spricht, die er gestalkt haben soll. Wenn er versucht, das mit den „eigenen Unsicherheiten“ bezüglich seiner Sexualität zu rechtfertigen, macht er es sich etwas zu leicht.

Dennoch macht Underwood mit „Coming-Out Colton“ einen mutigen Schritt – und vielleicht wird er damit ja für andere Profi-Sportler zu dem Vorbild, das ihm selbst einst gefehlt hat.

Zur Startseite