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Immer da, wenn es sein muss. Die Eisbären gaben sich bisher gegen Mannheim kaum eine Blöße. Foto: Uwe Anspach/dpa
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Die Partycrasher aus Berlin Die Eisbären spielen mit Adlern

Exakt zehn Jahre nach dem legendären 6:5 fügen die Eisbären den Adler Mannheim eine schmerzhafte Niederlage zu und sind kaum zu stoppen auf dem Weg ins Finale.

Es war Kirmesstimmung in der Arena von Mannheim. Die Fans der Adler unter den 13.600 Zuschauenden schunkelten sich am frühen Abend des 22. April ein auf die feuchtfröhliche Party, die später in den Straßen der badischen Metropole bis in die Nacht gehen sollte. Mannheims Trainer Harold Kreis hatte schon vor dem Spiel auf dem Videowürfel der Arena verkündet, dass er mit „viel Vorfreude auf den großen Tag aufgestanden“ sei. Man wird ja nicht jeden Tag Meister, auch nicht als Trainer der Adler Mannheim. Und Kreis lag wohl auch richtig, nach 46 Spielminuten führte sein Team im vierten Finalspiel um die deutsche Eishockeymeisterschaft 5:2 gegen die Eisbären aus Berlin.

Da konnte nichts mehr schiefgehen. Oder nur ganz gewaltig etwas schiefgehen – und das ging es aus Mannheimer Sicht. Vier Tore nach dem fünften Mannheimer Treffer mutierte die Party zur Trauerfeier, T.J. Mulock traf in der Verlängerung zum 6:5 für die Berliner, die eines der größten Comebacks in der Geschichte der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hingelegt und in der Play-off-Serie zum 2:2 ausgeglichen hatten. Zwei Tage später wurden die Eisbären in Berlin nach einem Sieg in Spiel fünf Meister, Mannheim war bedient.
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Das war im Jahr 2012, exakt zehn Jahre später, auch an einem 22. April, gab es am Freitag ein kleines Deja-vu für die Anhänger der Adler. Wieder führten die Mannheimer bis ins letzte Drittel hinein, wieder ballerten sich die Eisbären trotzdem den Weg zum Sieg frei. 2:1 lag Mannheim vorn nach 48 Minuten, am Ende siegte Berlin 6:3. Nur, dass es diesmal kein Spiel einer Finalserie war, sondern ein Halbfinalspiel. In dieser nach dem Modus „Best of five“ ausgetragenen Serie führen die Eisbären nun 2:0 und können nach einem Sieg in Spiel drei am Sonntag in Berlin (17 Uhr, Mercedes-Benz-Arena) ins Finale einziehen. Alles andere wäre eine Überraschung, auch wenn Mannheims Angreifer Jordan Szwarz die für solche Momente übliche Rhetorik eines zurückfliegenden Teams anschlägt: „Wir können mit den Eisbären mithalten, wir sind vielleicht nach dieser bitteren Niederlage in einem Loch, aber noch sind wir nicht geschlagen.“

Noch nicht, aber wohl bald. Wobei es schwer zu sagen ist, wie sehr das 5:6 von 2012 noch nachwirkt. Bei Mannheim waren damals schon Felix Brückmann, Matthias Plachta und Denis Reul im Aufgebot, vom aktuellen Eisbären-Team nur der unverwüstliche Frank Hördler. Aber das heißt nix. Solche unglaublichen Spiele wirken nach und wenn nur, ein oder zwei Mannheimer Spieler in der Kabine an den April 2012 denken, dann kann es schon zum Nachteil gereichen – so ähnlich hat es Christoph Ullmann, damals bei Mannheim auf dem Eis, heute Fernsehkommentator, in einem ähnlichen Zusammenhang kürzlich formuliert.

Sicher, seit 2012 ist viel passiert, aber die Adler wirken nach ihren großen Zeiten danach und dem Titel unter dem inzwischen geschassten Trainer Pavel Gross irgendwie outdated. Zumal mit Bill Stewart nun ein Mann der alten Schule hinter der Bande steht. Er war schon 2000 Trainer der Adler und steht für Erfolg (2001 Meister mit Mannheim), aber auch für etliche zum Teil unappetitliche Kapriolen. Das geht von einer Keilerei mit einem gegnerischen Trainer (Gross im Jahr 2001, damals bei den Berlin Capitals), einem vorgetäuschten Schwächeanfall im Finale gegen München (2001) und dem Vorwurf rassistischer Äußerungen gegen einen Mentaltrainer (2007). Stewart hat zugegeben, früher manchmal „übers Ziel hinausgeschossen zu haben“. Bei seinem dritten Engagement in Mannheim wirkt der Kanadier mit der schnarrenden Stimme allerdings nach außen hin so wie immer, als sei die Zeit stehen geblieben.

Serge Aubin floskelt vor Spiel 3 - aber das kann Gutes heißen

In Berlin steht dagegen nüscht still. Die Eisbären spielen moderner denn je, Trainer Serge Aubin nutzt den breiten Kader aus und überrascht mit seinen Aufstellungen immer wieder – etwa mit der Nominierung von Johan Södergran und Mark Zengerle im Spiel am Freitag. Da ist Musike drin bei den Eisbären, schlagen lassen sie sich nicht so schnell. Das war auch am Freitagabend in Mannheim nicht anders. „Wir kümmern uns nur um eines und das ist; Gewinnen“, sagt Trainer Serge Aubin. Und während sich mit den Taten und Worten Stewarts Romane füllen ließen, reicht bei Aubin wohl ein Zettelchen, um ein „Best of“ seiner Aussagen zusammenzutragen. Rhetorisch mauert der Mann, dessen Karriere als Spieler in der NHL und DEL und als Trainer (Meister mit Wien und den Eisbären) doch so erfolgreich war und ist. Vor Spiel drei in Berlin sagt Aubin etwa: „Der letzte Sieg ist immer der Schwerste. Es ist an uns, das jetzt zuzumachen.“ Ach so.

Serge Aubin sei zugutegehalten, dass sich Erfolg auch schwerer beschreiben lässt als Misserfolg. Klar, die Eisbären können sich am Sonntag nur selbst schlagen, aber das machen sie an sich nicht so gern. Im April 2012 war das übrigens die größte Angst von Sven Felski nach dem 6:5-Erfolg von Mannheim. „Manche haben in der Kabine danach schon gefeiert, als ob sie schon Meister waren“, erinnert sich der damalige Angreifer. „Das war echt heftig. Die musste ich ganz schnell auf den Teppich holen.“

Das klappte dann ja bekanntermaßen und ist diesmal wohl auch nicht nötig. Dafür wirken die Eisbären viel zu fokussiert.
Gut möglich hingegen ist, dass nach dem Spiel der Eisbären schon die Finalpaarung feststeht: RB München führt ebenfalls 2:0 in seiner Serie (gegen Wolfsburg). Ein Finale gegen das Team ihres ehemaligen Trainers Don Jackson, 2012 beim 6:5 von Mannheim hinter der Berliner Bande, wäre für die Eisbären eine große Nummer.

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