Das gefällt den Bossen nicht. Uli Hoeneß (l.) und Karl-Heinz Rummenigge bei der 0:3-Niederlage gegen Gladbach. Foto: dpa
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Die Krise des FC Bayern München Bei Bayern hat sich's ausgewurschtelt

Vier Spiele ohne Sieg, der träge Auftritt gegen Gladbach - Bayern München könnte eine unbefriedigende Saison bevorstehen. Das war absehbar. Ein Kommentar.

Als der FC Bayern München zum vorerst letzten Mal ein Pflichtspiel mit 0:3 verloren hat, dauerte es nicht allzu lange, bis die Entscheidungsträger des Vereins die Konsequenzen zogen. Schon am Tag danach wurde der Trainer gefeuert. Ziemlich genau ein Jahr ist das her. Die Bayern, müde und uninspiriert, waren von Paris St. Germain in ihre Einzelteile zerlegt worden; Carlo Ancelotti, der italienische Spielerversteher auf der Trainerbank, verlor daraufhin seinen Job.

Am Samstag haben die Bayern nicht in der Champions League gespielt und auch nicht gegen eine Milliardentruppe wie PSG. Sie haben in der Bundesliga 0:3 gegen Borussia Mönchengladbach verloren, im eigenen Stadion, und sie wirkten müde und uninspiriert. Damit aber erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten. Niko Kovac, erst im Sommer verpflichtet, ist Stand jetzt noch im Amt. Und das dürfte erst einmal so bleiben – auch wenn am Samstag auffallend viele Witze über Schäferhund Cando und sein Herrchen Jupp Heynckes gemacht wurden, der vor einem Jahr für Ancelotti einsprang und die Saison zu einem halbwegs versöhnlichen Ende brachte.

Der Kader hat erkennbare Defizite

Mit der Kenntnis von heute aber sieht es so aus, als ob Heynckes dem Klub damit einen Bärendienst erwiesen hätte. Die Bayern haben sich dank der souverän gewonnenen Meisterschaft für besser gehalten, als sie es schon in der vorigen Saison waren. Bereits da hatte die Mannschaft Dellen und Kratzer, aber Heynckes hat es mit seiner Autorität geschafft, dass sich alle noch einmal für das gemeinsame Ziel zusammengerissen haben. Nach nun vier Spielen ohne Sieg und vor allem nach dem planlosen Auftritt gegen die Gladbacher aber verfestigt sich der Eindruck: Zusammenreißen alleine wird den Bayern in diesem Jahr nicht mehr reichen.

Der Kader weist erkennbare Defizite auf, und für die ist im Moment am wenigsten der Trainer verantwortlich. Kein echtes Topteam leistet sich eine derart alte Flügelzange. Dazu besteht fast die gesamte zentrale Achse vom Torhüter Manuel Neuer über die beiden Innenverteidiger Hummels und Boateng bis hin zu Stürmer Robert Lewandowski aus Spielern, die ihren 30. Geburtstag schon hinter sich haben. Die Mannschaft ist die älteste der Bundesliga – und so spielt sie inzwischen auch: in guten Momenten abgeklärt und souverän, in den immer häufiger auftretenden schlechten satt und bequem.

Die Bayern haben gedacht, dieses Jahr könnten sie sich noch durchwurschteln, ehe sie im nächsten Sommer die große Offensive auf dem Transfermarkt starten. Die Idee atmet den Geist von Uli Hoeneß, der es nicht übers Herz gebracht hat, den altverdienten Recken klar zu machen, dass ihre Zeit vorbei ist. Das ist das Problem, wenn strategische Entscheidungen vornehmlich aus dem Bauch heraus getroffen werden.

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