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Hm. Leider abgestiegen sind die Krefeld Pinguine mit ihrem unterhaltsamen Geschäftsführer Sergejs Saveljevs. Foto: IMAGO/Eibner
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Die etwas anderen Höhepunkte in der Deutschen Eishockey-Liga Männer sind Schweine - oder: zu spät!

Krefeld war schon komisch, was macht Pavel Gross und prügeln, bis die Ärzte kommen: Ein Rückblick auf die Spielzeit in der Deutschen Eishockey-Liga.

Mit der Finalserie zwischen den Eisbären und RB München endete die Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Ein Rückblick auf Kuriositäten und Höhepunkte einere etwas anderen Saison, die immer noch von der Coronakrise geprägt war:

Schrei nach Liebe. Was wäre die DEL bloß ohne die Krefeld Pinguine und deren Geschäftsführer Sergejs Saveljevs? Der junge Mann, 25, gewann unbestritten den Meistertitel in Sachen unfreiwilliger Komik. Immer wieder schob er sich vor, buhlte um die Gunst der Fans, ein lauter Schrei nach Liebe. Bei seinem Amtsantritt im Jahr 2020 hatte der Mann mit der flotten Frisur und in den immer etwas zu knapp sitzenden Oberhemden versprochen, für „alle Probleme Lösungen finden“. Und von denen gab es am Niederrhein viel, die Kasse war klamm, Spieler kamen und gingen, der Misserfolg blieb den Krefelder treu. Am Ende setzten sie insgesamt 33 Profis ein (drei mehr als der Hauptrundenerste Eisbären) und – stiegen ab. Schuld war – Corona. Die Pinguine waren vom Virus zeitweilig schwer getroffen, der Klubchef witterte Wettbewerbsverzerrung. „Es geht darum: Wer hat bessere Connections zum Staat, zu den Gesundheitsämtern? Ich bin nicht die einzige Person, die das sieht“, sagte Saveljevs. Am Ende verzichtete Krefeld dann aber doch auf die angekündigte Klage gegen den Abstieg. Nun wollen sie ihrem Chef zufolge sofort wieder aufsteigen – unterhaltsamer wäre es für die DEL.

Zu spät. Pavel Gross und sein Co-Trainer Mike Pellegrims galten als das Erfolgsgespann bei den Adler Mannheim. Nach dem Titel in der letzten Vor-Corona-Saison im Jahr 2019 schien der Weg frei zu sein für eine neue Ära beim Klub mit ganz großen Ansprüchen. Doch dann ging alles in die Binsen, die Spieler kamen mit den strengen Methoden von Gross und Pellegrims nicht klar, der Cheftrainer kritisierte mehr direkt als indirekt die Geschäftsführung, im Dezember hatte er mit Unverständnis darauf reagiert, dass er Verteidiger Thomas Larkin nicht einsetzen durfte, in dessen Umfeld hatte es einen Coronafall gegeben. Daniel Hopp distanzierte sich von Gross, Ende März entließ der Adler-Geschäftsführer den Trainer: „Bedauerlicherweise ging der Trend in die falsche Richtung.“ Bill Stewart sollte die Saison retten – zu spät: Im Halbfinale war für Mannheim im Duell mit den Eisbären Schluss.

Flickwerk. In der Saison lief nicht alles rund - auch wegen Corona. Foto: Contrast/Imago Vergrößern
Flickwerk. In der Saison lief nicht alles rund - auch wegen Corona. © Contrast/Imago

Männer sind Schweine: In Finalspiel zwei in München lieferten sich der Berliner Manuel Wiederer und der RB-Profi Patrick Hager einen Faustkampf, an dessen Ende der Eisbären-Stürmer eine klaffende Stirnwunde davontrug. Stark war dazu der Auftritt von TV-Kommentator Sascha Bandermann, er sagte: „So was will ich einfach nicht sehen.“ Weniger stark das unsichere Gesäusel von Co-Kommentator Christoph Ullmann („gehört irgendwie dazu.“) Wirklich? Verschwitze Männer, die sich ohne Not die Gehirnzellen raushauen, das ist ein unschöner Atavismus im Eishockey. Funfacts: Es gab keine großen Strafen für die Boxer von München und Wiederer trug auch noch einen Aufkleber mit einer Friedenstaube auf dem Helm.

Lied vom Scheitern. Die Kölner Haie blieben als einziges Team von großen Corona-Ausbrüchen und Spielausfällen verschont, auch wenn es Uwe Krupp mal erwischte. Die gesunden Haie schwammen trotzdem – zwischendurch war sogar der Abstiegskampf ein Thema. Erst Ende Februar konnten die Haie mit einem Sieg gegen die Grizzlys Wolfsburg ihre 18. Niederlage in Folge verhindern – und somit auch die längste Pleitenserie der DEL-Geschichte. Danach wurde es besser: Es ging sogar bis ins Viertelfinale, in dem sie dann aber gegen die Eisbären untergingen – mit einem Torverhältnis von 2:11 in drei Spielen.

Zum Wegschauen. Kölns Trainer Uwe Krupp (im Anzug) hatte wenig Spaß an den Auftritten seines Teams, das zeitweilig sogar im Abstiegskampf war. Foto: Nordphoto/Imago Vergrößern
Zum Wegschauen. Kölns Trainer Uwe Krupp (im Anzug) hatte wenig Spaß an den Auftritten seines Teams, das zeitweilig sogar im Abstiegskampf war. © Nordphoto/Imago

Wir waren die Besten. Als Petri Vehanen Ende 2021 in die DEL zurückkam, war das ein Schock für viele Anhänger der Eisbären. Denn ihr einstiger Liebling im Tor – heuerte als Torwarttrainer bei den Adler Mannheim an. Ausgerechnet also – bei denen war auch schon mal Steve Walker, ultimativer Held in der ersten großen Meister-Ära der Berliner, inzwischen ist Walker in München Co-Trainer. Stefan Ustorf, einst Kapitän in Berlin, hat die Nürnberg Ice Tigers in dieser Saison nach vorn gebracht. Irgendwie schaffen es die Eisbären nicht, ihre einstigen Größen einzubinden. Oder vielleicht wollen sie es auch nicht.

Geisterhaus. Zwei Jahre Pandemie und Zuschauerausschluss haben der DEL geschadet. Immerhin waren es in dieser Saison weniger Spiele im Geisterhaus. Anfangs waren wenige Zuschauende erlaubt dann hier und da keine, gegen Ende durften alle kommen – aber es kamen nicht alle. Die größte Halle der Liga, die Kölnarena, war nicht einmal nur annähend voll in dieser Saison und auch beim früheren Zuschauerkrösus Eisbären blieben viele Sitze leer: Erst beim zweiten Finalheimspiel am vergangen Montag war die Arena ausverkauft – erstmals seit März 2020. Es wird wohl noch einige Anstrengungen der Klubs benötigen, um die Fans zurückzuholen.

Drei-Tage-Bart. Um – etwas abgewandelt – mit der Berliner Band „die Ärzte“ zu sprechen: „Wer rasiert, hat schon verloren.“ Doch diesmal hatten die sonst üblichen Play-off-Bärte kaum Zeit, zu sprießen. Die Play-offs wurden diesmal – bedingt durch eine coronabedingt verlängerte Hauptrunde – im Eiltempo durchgezogen. Für die Finalserie waren für maximal fünf Spiele gerade mal sieben Tage angesetzt.

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