Volleys-Trainer Cedric Enard muss derzeit mit vielen Strategien jonglieren. Foto: dpa
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Die BR Volleys vor dem dritten Finalspiel Ein Schlagabtausch der geistigen Art

In der Finalserie zwischen den Volleys und Friedrichshafen kommt es besonders auf taktisches Geschick an. Die Trainer sind gefragt.

Eines hat Cedric Enard während dieser Saison sicher gelernt. Mit meiner Mannschaft kann alles passieren, sagt der Trainer der BR Volleys und lächelt. Der Franzose weiß, dass sein Team wirklich zu allem fähig ist allerdings in jede Richtung: zu grandiosen spielerischen Auftritten wie etwa im Play-off-Halbfinale gegen die Alpenvolleys und großen Energieleistungen wie zuletzt beim Heimsieg gegen den VfB Friedrichshafen, aber eben auch zu schwachen Spielen wie vor einer Woche am Bodensee oder wie bei einigen Partien in der ersten Saisonhälfte.

Deshalb ist es Enard umso wichtiger, seine Mannschaft nun mit klarem Plan durch diese Play-off-Finalserie zu dirigieren, deren drittes Spiel an diesem Sonntag (14.30 Uhr/live auf swr.de und rbb24.de) in Friedrichshafen ausgetragen wird. Ich muss immer neue Lösungen finden. Ich muss einfach alles durchspielen und alles versuchen, betont er.

Volleyball-Trainer können auf das Spielgeschehen deutlich mehr Einfluss nehmen als etwa Fußball-Trainer. Sie sagen bestimmte Aufschlags- und Angriffsvarianten an, sie können mit Auszeiten dazu beitragen, einen Lauf des Gegners zu stoppen. Und sie können zwischen all den Ballwechseln ständig zahlreiche Informationen an ihre Spieler weitergeben. Ein Volleyballspiel ist also auch immer ein offenes Duell zwischen den Trainern.

In den Play-offs, und besonders in einer Finalserie, wird dieser geistige Schlagabtausch noch einmal auf die Spitze getrieben. Natürlich auch zwischen Enard und Friedrichshafens Vital Heynen. Schließlich treffen beide Mannschaften in kurzen Abständen immer wieder aufeinander. Da geht es darum, sich zu überlegen, was der Gegner tun wird, um dann etwas zu tun, was der Gegner nicht erwartet. Es geht darum, den Gegner genau zu analysieren und anhand dessen einen Plan zu erstellen, den der Gegner nicht aufhalten kann.

All diese Taktiken haben viel mit Überraschungsmomenten zu tun. Und damit, auch schnell reagieren zu können. Ich gehe natürlich immer mit einigen Strategien in ein Spiel, sagt Enard. Wenn Plan A nicht funktioniert, wechsle ich zu Plan B und so weiter. Da gibt es unzählige Varianten, die ich immer wieder anpasse.

Ein ständiges Hin und Her

Beim Stand von 1:1 in dieser Best-of-five-Serie haben all diese Gedankenspiele nun einen besonderen Status erreicht. Beide Mannschaften lernen sich jetzt natürlich immer besser kennen, sagt Volleys-Kapitän Sebastian Kühner. Taktische Veränderungen werden da schwieriger, aber umso entscheidender. Wir können nun beispielsweise genau sagen, wie deren Zuspiel-Taktiken sind, und uns umso besser darauf einstellen, betont Kühner. Aber Friedrichshafen kennt nun natürlich auch unsere. Jetzt komme es eben darauf an, was die Berliner verändern und was die Friedrichshafener und wie die jeweils anderen darauf antworten, sagt Zuspieler Kühner. Es ist ein ständiges Hin und Her. Wer sich besser auf den Gegner einstellt, gewinnt.

Alles zu 100 Prozent durchplanen können jedoch auch die besten Trainer nicht. Deshalb verlässt sich Enard auch immer wieder auf seine Intuition. Manchmal fühle ich etwas bei einem Spieler, sagt der 43-Jährige. Ich spüre, wer bereit ist. Und demjenigen weist er dann eine besondere Aufgabe zu. So wechselte Enard etwa am vergangenen Donnerstag im zweiten Satz für den Aufschlag den zuvor lange verletzten Egor Bogachev ein. Und der deutsche Nationalspieler bescherte seinem Team sofort einen fulminanten Punktgewinn.

Doch auch Heynen konnte die Berliner mit einem Aufschlagwechsel überraschen: Der Belgier brachte Jakob Günthör, der mit seinen Flatterbällen den Volleys zusetzte. Das ist es also, das ständige Hin und Her der Strategien. Es beschäftigt die Trainer in der Finalserie nahezu pausenlos.

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