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Felix Fischer wechselte 2003 zum SSC Berlin und blieb – abgesehen von einem Jahr Paris – dem Verein bis zu seinem Karriereende 2017 treu. Foto: imago/Camera 4
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Die BR Volleys feiern ihren zehnten Geburtstag Felix Fischer erklärt, warum „Berlin unstoppable“ ist

Der ehemalige Volleys-Profi Felix Fischer über das zehnjährige Jubiläum des Klubs, die größten Erfolge und die Kontakte zu alten Fans.

Herr Fischer, die BR Volleys feiern am Samstag beim Spiel gegen Friedrichshafen (20 Uhr, Max-Schmeling-Halle und live auf Spontent) ihr zehnjähriges Jubiläum. Welche Bedeutung hat das Ereignis für Sie?

Zehn Jahre ist eine lange Zeit, und wenn man davon fast sieben Jahre mitgemacht hat, ist das eine coole Sache. Mich bewegt es, wie viel Einfluss wir in Berlin mit den Volleys genommen haben. Dass ich ein Teil von dieser Geschichte sein durfte, macht mich stolz.

Sie haben im Jahr 2003 Ihre erste Saison beim SC Charlottenburg gespielt. Wie hat sich der Verein mit der Umbenennung zu den BR Volleys verändert?

Als ich davon erfahren habe, war ich gerade in Spanien als Jugendreiseleiter unterwegs und habe nur auf Facebook gelesen, dass der SCC sich in Recycling Volleys umbenennt. Das konnte ich erstmal nicht fassen. Aber man hat sich mit der Zeit dran gewöhnt und letztlich war es ein Resultat der vorherigen Jahre, in denen Berlin Recycling als Sponsor akribisch mitgearbeitet hat. Ich gebe zu, dass es anfangs gewöhnungsbedürftig war, aber mittlerweile sind die BR Volleys ein Markenzeichen.

Ein großer Schritt war auch der Wechsel aus der Sömmeringhalle in die Max-Schmeling-Halle …

Genau. Ich weiß noch, dass das erste Spiel in der Max-Schmeling-Halle gegen Düren komplett in die Hose ging. Alle waren nervös und aufgeregt und dann haben wir auch noch verloren. Wenig besser liefen die Spiele gegen Friedrichshafen und Haching, die damals noch deutlich besser waren. Wir mussten uns erst entwickeln, damit wir dort stehen, wo der Verein heute ist: Als Leader der Liga.

War die Halle am Anfang sehr leer?

Es ging. In der ersten Saison hatten wir nur fünf oder sechs Spiele in der Halle gegen große Gegner wie Friedrichshafen oder Düren. Über 2000 Zuschauer waren es auf jeden Fall.

An welche sportlichen Erfolge denken Sie besonders gern zurück?

Ach, es gibt so viele (lacht). Aber ich glaube, einer der schönsten Augenblicke war 2015 das Final Four in der Champions League, als wir Dritter wurden. Und natürlich die einzige Meisterschaft, die wir zu meiner Zeit in Berlin und nicht in Friedrichshafen gefeiert haben. Das war 2016 etwas Riesengroßes, wenn man in der eigenen Halle Meister wird und die Meisterschale hochreißen kann. Das macht einen tierisch stolz.

Erinnern Sie sich noch an das Gefühl, als Sie 2012 zum ersten Mal mit den Volleys Meister wurden?

Das war eine extrem krasse Saison. Wir sind nur als Dritter in die Play-offs gestartet, mussten im Halbfinale gegen Friedrichshafen ran, haben die dann so was von weggebügelt und sind im Finale gegen Haching angetreten. Dort lagen wir erst 12:14 zurück, aber haben den fünften Satz letztlich 16:14 gewonnen und sind in der kleinen Halle von Haching Meister geworden. So was vergisst man nie. Das sind Szenen, die ich immer noch auf meinem Rechner habe und mir gern von Zeit zu Zeit anschaue.

Sie haben in Berlin viele Trainer miterlebt. Wer ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Jeder Trainer hatte so seine Eigenarten. Mit Mirko Culic, den ich 2003 kennengelernt habe, habe ich damals meine ersten Schritte in der Liga gemacht. Ich war zu dem Zeitpunkt kein großes Zuspiel-Talent und musste deshalb nach jedem Training weitere 20 Minuten bleiben. Michael Warm wiederum war damals noch recht neu in der ersten Liga und es war total spannend, mit einem jüngeren Trainer zusammenzuarbeiten. Mark Lebedew war eher ein ruhiger Typ, der sich weniger eingemischt hat und uns machen lassen hat. Insgesamt würde ich aber sagen, dass ich mir in von allen das Beste genommen habe und damit versucht habe, meinen Stil zu verbessern.

Sie galten in Berlin als Publikumsliebling. Haben Sie noch Kontakt zu Fans?

Nicht mehr so aktiv wie früher, aber erst vor zwei Wochen war ich mit meiner Frau beim Spiel und habe vorher Bernd Paul geschrieben, einem langjährigen Fan. Wir haben uns dann eine Stunde vorm Spiel vor der Halle getroffen und ein bisschen gequatscht. Der Kontakt beschränkt sich aber eher auf die Spiele, privat ist er deutlich weniger geworden. Volleyball ist nicht mehr der Mittelpunkt meines Lebens.

"Man braucht Niederlagen, um aus seinen Fehlern zu lernen"

Wie schätzen Sie den aktuellen Berliner Kader ein?

Wenn man auf die Tabelle guckt, kann man nichts sagen: zehn Spiele, zehn Siege. Berlin ist unstoppable. Aber man sieht, dass zum Beispiel Frankfurt ihnen auch einen Satz abnehmen konnte. Das Niveau über eine ganze Saison zu halten, ist extrem schwierig, denn die anderen Mannschaften kommen hinterher und man kann sich nicht auf dem ausruhen, was man geleistet hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Berlin die Saison ganz ohne Niederlage durchrasselt. Das ist aber auch wichtig, denn man braucht Niederlagen, um aus seinen Fehlern zu lernen.

Spielen Sie ab und an noch selbst ?

Leider gar nicht mehr. Ich habe bis vor zwei Jahren gespielt, aber hatte durch den ersten Lockdown einen so schlimmen Bandscheibenvorfall, dass ich operiert werden musste. Für den Alltag passt das, aber wenn ich wieder aktiv Volleyball spielen wollen würde, müsste ich mehrmals in den Kraftraum. Dafür fehlt mir aktuell die Zeit.

Wo steht der deutsche Volleyball aktuell?

Das ist schwer zu sagen, weil ich nicht mehr so drinstecke. Ich denke aber, dass die neue Plattform Twitch eine große Chance bietet und ich hoffe, dass gerade kleinere Vereine dadurch präsenter sind und leichter Sponsoren finden. Ich schaue montags 20 Uhr immer die Zusammenfassung vom Wochenende und weiß, dass viele andere Volleyballer das genauso machen. Aber man muss aufpassen, dass ältere Generationen nicht verloren gehen.

Sie selbst werden beim Spiel gegen Friedrichshafen am Samstag dabei sein. Werden Sie der alten Zeiten wegen wieder ihr Markenzeichen das Stirnband tragen?

(Lacht) Nein, auf gar keinen Fall. Aber ich werde ein Trikot mitbringen, vielleicht sogar eins aus SCC-Zeiten. Der Verein hat angekündigt, dass alle ihre Trikots aus den letzten zehn Jahren mitbringen sollen. Ich habe aus jeder Saison, die ich in Berlin gespielt habe, eins. Mal schauen welches es wird.

Das Gespräch führte Inga Hofmann.

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