Die Drohne. Kyle Ensing startet bei den BR Volleys durch. Foto: dpa
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Diagonalangreifer der BR Volleys Wie sich Kyle Ensing unverzichtbar macht

Bei den BR Volleys war Kyle Ensing als zweiter Diagonalangreifer eingeplant. Vor dem Spitzenspiel am Donnerstag ist seine Rolle längst eine andere.

So erfolgreich seine erste große Reise bisher auch verlaufen ist, auf eine Sache wartet Kyle Ensing in Berlin noch immer: darauf, dass ihm seine Mitspieler bei den BR Volleys einen Spitznamen geben. „Das wäre cool“, sagt der 22-jährige US-Amerikaner, der an seiner Universität in Long Beach bis zum Sommer „Drohne“ genannt wurde.

Warum, ist auch in Berlin gut zu erkennen. Ensing verfügt über eine enorme Sprungkraft und feiert seine Punkte lieber innerlich. „Ich bin also geflogen und war ruhig – deshalb hieß ich die Drohne“, erklärt Ensing. Und zum Fliegen und Feiern hat er bislang allen Grund, da er schon seit einigen Wochen der wichtigste Angreifer des ungeschlagenen Bundesliga-Tabellenführers ist. So auch im Spitzenspiel am Donnerstag gegen den Tabellendritten, die Alpenvolleys aus Unterhaching (19 Uhr, live auf Sport1).

Kyle Ensing ist Ersatzmann von Benjamin Patch

Der knapp zwei Meter große Diagonalangreifer kam als Ersatz für seinen Landsmann Benjamin Patch zu den Volleys. In den ersten Wochen musste er sich erwartungsgemäß hinter dem besten Angreifer der Berliner anstellen – auch, weil er sich mit mysteriösen Knieproblemen herumplagte.

Er habe auch in den USA immer schon Probleme mit dem rechten Knie gehabt, doch in Berlin habe gleich zu Beginn plötzlich sein linkes Knie wehgetan. „Das endete dann damit, dass eine Kapsel im Knie gerissen ist – wahrscheinlich durch ein paar unglückliche Landungen“, sagt Ensing. Und gerade, als er wieder fit wurde, riss bei Patch im Dezember die Achillessehne. Das verschafft ihm nun direkt eine unverhoffte, große Chance.

„Es tat schon weh, dass Ben verletzt war – ich mag ihn als Spieler und Mensch sehr“, sagt Ensing. „Aber natürlich hat es mich auch gefreut, mehr Spielzeit mit dem Team zu haben. So konnte ich den Trainern und Zuschauern zeigen, was ich dem Team geben kann.“ Und wie er das tat. Zwar schwanken seine Leistungen, was in seinem jungen Alter allerdings völlig normal ist. Doch entschied er auch schon Spiele für die Volleys fast im Alleingang – wie am Sonntag beim 3:0 in Giesen, wo er mit 17 Punkten überzeugte.

Blockstark. Kyle Ensing (r.) stemmt sich mit Landsmann Jeffrey Jendryk dagegen. Foto: dpa Vergrößern
Blockstark. Kyle Ensing (r.) stemmt sich mit Landsmann Jeffrey Jendryk dagegen. © dpa

Eine wichtige Rolle spielt dabei, dass er sich in Berlin schnell zurechtgefunden hat. Er ist erst seit wenigen Monaten in Europa – und erstmals längere Zeit von zu Hause weg. „Natürlich ist es manchmal hart, seine Freunde und die Familie nicht zu sehen“, gibt der Kalifornier zu. Besonders der mehrwöchige Besuch seiner Freundin habe ihm aber sehr geholfen.

Viel Zeit, darüber nachzudenken, blieb ihm ohnehin nicht. „Die Anzahl der Spiele hat mir ebenfalls geholfen“, sagt er. „Ich dachte erst, dass es anstrengend würde, doch es kam mir entgegen, um nicht zu viel nachzudenken. Es hält dich beschäftigt.“

Ensing ist einer von fünf US-Amerikanern bei den Volleys

Ensing hat auch schon Pläne. „Ich möchte ein bisschen Deutsch lernen, weil ich vermutlich ein weiteres Jahr bleibe“, sagt er. Neben ihm ist auch JT Hatch neu in Deutschland. Sie beide profitieren davon, dass ihre Teamkollegen bei den Volleys, Jeffrey Jendryk, Cody Kessel und Patch, die USA schon früher gen Deutschland verlassen haben.

„Es ist überragend, dass wir zu fünft sind. Es hat mir auf jeden Fall geholfen, mich schnell zu integrieren“, sagt Ensing. Gegen Hatch spielte er schon im College, mit Jendryk, Patch und Kessel in unterschiedlichen Nationalteams. Und auch Julian Zenger und Moritz Reichert kannte er aufgrund von Duellen gegen die deutsche Mannschaft bereits vorher.

Wer von den diesen Spielern am Donnerstag zur Verfügung steht, ist noch fraglich. Neben Trainer Cedric Enard hat auch Jendryk und Kessel die Grippe erwischt, Patch wird nach seiner Verletzung ebenso wie Samuel Tuia langsam aufgebaut. Patch trainiere und springe zwar schon wieder, berichtet Ensing, doch „es hängt davon ab, wie er sich fühlt“. Kyle Ensing wird also aller Voraussicht nach erneut beginnen – und weiter daran arbeiten, dass neben der Drohne schon bald ein neuer Spitzname hinzukommt.

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