Fritz Keller ist seit September Präsident des DFB. Foto: dpa
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DFB-Präsident verharmlost Rassismus Fritz Keller hat sich enttarnt

DFB-Präsident Fritz Keller hat einen peinlichen Auftritt im ZDF-Sportstudio. Ein Wille zu Veränderungen im Verband ist nicht erkennbar. Ein Kommentar.

Da ist ein Mann, der anpackt. Einer, der den Laden aufräumt und die veralteten, verkrusteten Strukturen aufbricht. Einer, der endlich auch mal die unangenehmen Themen und längst überfällige Reformen angeht. Ein Frauenförderer noch dazu. Mit diesem Bild hatte sich Fritz Keller als neuer Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) auf den Weg gemacht.

Fünf Monate später zeigt sich nun langsam, wie viel davon zu halten ist. Um es vorweg zu nehmen: Nicht so viel. Spätestens mit seinem Auftritt im ZDF-Sportstudio am Samstagabend hat sich Keller enttarnt - wenn nicht sogar selbst disqualifiziert. Da fiel er mit bahnbrechenden Erkenntnissen auf wie der, dass sich Frauen am Fußball erfreuen. Mit weiteren Wischiwaschi-Aussagen, die seine überforderten Vorgänger auch nicht viel schlechter hätten formulieren können. Und, mit Verlaub, auch mit falschen und Rassismus verharmlosenden Worten.

„Rassismus gibt es in den Niederlanden und England länger als in Deutschland“

Auf die Frage, warum es eine Melde-App zu Rassismus-Vorfällen im Gegensatz zu anderen Ländern nicht in der Bundesliga gibt, antwortete er tatsächlich: „Rassismus gibt es in den Niederlanden und England schon länger als in Deutschland.“ Vermutlich war Keller in den 80er und 90er Jahren nie in einem deutschen Fußballstadion, wenn er die rassistischen Schmähungen dort nicht gehört hat.

Und wie möchte Herr Keller den DFB konkret weiblicher machen? „Treten Sie in Vereine ein, engagieren Sie sich und dann bin ich mir sicher, Ihnen stehen alle Türen offen.“ Ah ja. Nur als es um die Beleidigungen gegen Dietmar Hopp ging, fand Keller ganz deutliche Worte.

Sonst wirkte der DFB-Präsident im gesamten Gespräch unvorbereitet, fahrig und blieb viel zu unkonkret. Kurz: Er wirkte wie sein Verband. Ob er die geplante Revolution abgeblasen hat oder einfach schnell vom System vereinnahmt wurde, lässt sich im Moment nicht klären. Auf jeden Fall ist es unverständlich, nach all der Antrittseuphorie.

Die meisten, die sich länger mit Fritz Keller beschäftigt haben, beschreiben ihn als authentischen, sympathischen, zupackenden Menschen. Doch von seinen Management-Fähigkeiten war bislang in der Öffentlichkeit nicht viel zu sehen. Auf Twitter schrieb nach dem peinlichen Auftritt einer: „Schlimmer Verdacht: Der DFB wird immer noch geführt wie ein Kegelclub.“ Leider ist das offenbar eine Beleidigung - für alle gut geführten Kegelclubs. 

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