Auf der Bühne in Nyon. Auch Bundestrainer Joachim Löw wird heute in der Uefa-Zentrale für Deutschland werben. Foto: Thomas Frey/dpa
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Deutschland oder Türkei So hat sich der DFB auf die Vergabe der EM 2024 vorbereitet

Seit Wochen hat der Deutsche Fußball-Bund auf diesen Tag hingearbeitet. Am Donnerstag entscheidet sich, ob Deutschland die EM 2024 ausrichten darf.

Das große Finale beginnt an diesem Donnerstag um 13 Uhr. Und etwas mehr als 90 Minuten später wird dann auch der Sieger feststehen. Fußball gespielt wird während dieser Zeit in der Zentrale des europäischen Kontinentalverbands (Uefa) im Schweizer Städtchen Nyon allerdings nicht. Dafür wird eine Entscheidung gefällt, die folgenschwerer ist als ein Spielresultat – und auf die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in den vergangenen Wochen und Monaten so sehr hingearbeitet hat: Darf der DFB die EM 2024 ausrichten oder der einzige Rivale Türkei?

In der Uefa-Zentrale am Genfer See werden also die deutsche und die türkische Delegation zur finalen Präsentation vor die Mitglieder des Uefa-Exekutivkomitees treten. Zunächst zeigt dann der erste Bewerber einen maximal achtminütigen Film, an dem beim DFB bis zuletzt gearbeitet wurde, und danach steht eine 15 Minuten lange Frage- und Antwortrunde an. Dafür dürfen fünf Personen auf die Bühne. Für den DFB sind dies Bundestrainer Joachim Löw, EM-Botschafter Philipp Lahm, die Ex-Nationalspielerin Celia Sasic, DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius sowie Markus Stenger, der Leiter des deutschen Bewerbungskomitees. DFB-Präsident Reinhard Grindel sitzt im Uefa-Exekutivkomitee, darf jedoch nicht mitwählen und auch nicht an der Präsentation mitwirken.

DFB mit Völler, Hrubesch und Rummenigge

Um sich auf diese bestmöglich vorzubereiten, hat die deutsche Delegation seit Dienstag in einem Hotel bei Nyon ihr Quartier bezogen und dort intensiv geprobt. Als kleines Trainingslager wird es in DFB-Kreisen gar bezeichnet. So kurz vor der Entscheidung soll nichts dem Zufall überlassen werden. Und so setzt der DFB auch bei anderen Mitgliedern der Delegation auf geballte Prominenz. Rudi Völler, Horst Hrubesch und Karl-Heinz Rummenigge gehören dem deutschen Tross an. Die prominente Besetzung steht in schöner Tradition zur heute nicht mehr ganz unumstrittenen Akquise der WM 2006. Der damals noch als Weltmann geschätzte Franz Beckenbauer bezirzte die Fifa-Granden bei der finalen Präsentation, hinter ihm drückten Gerhard Schröder, Otto Schily, Boris Becker und Claudia Schiffer demonstrativ die Daumen. Eine ähnliche Konstellation mit Angela Merkel, Horst Seehofer und Sebastian Vettel hätte aus allerlei Gründen Charme, ist aber schon deshalb nicht möglich, weil die Uefa nur Persönlichkeiten mit direktem Bezug zum Fußball zulässt.

Dass der DFB zuletzt auch immer wieder genauestens die türkische Kampagne bewertet hat, wurde am Mittwoch erneut in einem Bericht des niederländischen Fernsehsenders NOS belegt. Demnach hatte der DFB-Präsident Grindel wegen des Verhaltens von Michael van Praag vor längerer Zeit dem Uefa-Präsidenten Aleksander Ceferin einen Beschwerdebrief geschrieben. Der Niederländer van Praag, der dem Uefa-Exekutivkomitee angehört, hatte im vergangenen November den Vizepräsidenten des türkischen Verbands, Servet Yardimci, und Präsident Recep Tayyip Erdogan getroffen und sich dabei positiv über deren Bewerbung geäußert.

Uefa hat strenge Teilnehmer-Regeln

Einladungen dieser Art sind laut den Uefa-Vorgaben für die Bewerber aber nicht erlaubt. Dass sich Grindel jedoch so sehr als Aufpasser aufspielt und van Praag in den Fokus rückt, dürfte dem Präsidenten des niederländischen Verbands gar nicht gefallen. Zumal die Wahl geheim ist. Der DFB bemühte sich flugs um Entspannung. „Es gibt keine Uneinigkeit zwischen Michael van Praag und Reinhard Grindel“, teilte der Verband mit. Van Praag habe erklärt, dass er seine Entscheidung auf Basis der Uefa-Prinzipien und der Präsentationen treffen werde. Und der niederländische Verband betont, es habe falsche Übersetzungen von Aussagen des Präsidenten und kein Gespräch zwischen van Praag und Erdogan gegeben.

Diese Episode wird am Ende wohl die Vergabe nicht entscheidend beeinflussen, doch sie zeigt: Die DFB-Verantwortlichen sind nervös. Nur ein Sieg im Bewerbungsfinale dürfte sie beruhigen – vorerst.

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