Hoch die Fäuste. Dinah Eckerle feiert eine ihrer zahlreichen Paraden im WM-Spiel gegen die Niederlande. Foto: Charly Triballeau/AFP
© Charly Triballeau/AFP

Deutsche Handballerinnen schlagen Niederlande Torfrau Dinah Eckerle ragt heraus

Die DHB-Auswahl bejubelt den nächsten Erfolg bei der Weltmeisterschaft in Japan. Im ersten Hauptrundenspiel gelingt ein Sieg gegen die Niederlande.

Dieses eine Mal hatte Dinah Eckerle dann doch keine Chance. Als die deutschen Handballerinnen nach dem 25:23-Sieg gegen die Niederlande in der Hauptrunde der Weltmeisterschaft in Japan ihre Torhüterin in einem Pulk unter sich vergruben, ließ die 24-Jährige die Prozedur über sich ergehen.

Zuvor hatte sie die Niederländerinnen, gerade in der zweiten Hälfte, als schier unüberwindbare Wand im Tor zur Verzweiflung gebracht, fast die Hälfte aller Bälle gehalten – und sich völlig zurecht die Auszeichnung zur Spielerin des Spiels abgeholt. Dank ihr können die Deutschen schon im siebten WM-Spiel am Montag (7 Uhr/Sportdeutschland.tv) gegen Serbien, dem „vermeintlich leichtesten Gegner“ (Eckerle), ihr ausgerufenes Ziel erreichen.

Ihr großes Ziel ist nah

Gewinnen die Deutschen gegen die Serbinnen, ist ihnen schon vor dem letzten Hauptrundenspiel am Mittwoch gegen Norwegen Platz drei in der Gruppe – und damit ein WM-Rang unter den ersten sieben Teams – nicht mehr zu nehmen. Damit einhergehen würde auch die Teilnahme am Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele.

Längst können die Deutschen sogar von mehr träumen – und Eckerle sich noch in diesem Jahr zwei ihrer offenen Wünsche erfüllen: Sie will unbedingt zu Olympia und eine Medaille bei einem großen Turnier holen. Mit Silber und Bronze würde es das Olympia-Qualiturnier im März, mit Gold sogar das direkte Ticket für Tokio 2020. „Wir sind ganz gut auf Kurs“, sagt Eckerle, „Olympia ist natürlich der Traum von jedem Sportler.“

Ihre Körpergröße von 1,70 Meter ist für eine Torhüterin nicht herausragend – das waren aber zweifelsohne ihre Leistungen. „Ich habe mir natürlich viel Selbstvertrauen geholt im ersten Spiel gegen Brasilien“, sagt Eckerle, die auch da schon fast die Hälfte aller Würfe parierte und zum ersten Mal zur Spielerin des Spiels gekürt wurde.

Ihr Applaus. Eckerle wird zum "Player of the Match" gekürt. Foto: Foto: Marco Wolf/dpa Vergrößern
Ihr Applaus. Eckerle wird zum "Player of the Match" gekürt. © Foto: Marco Wolf/dpa

Dass sie sich längst internationale Ziele gesetzt hat, liegt daran, dass sie national schon alles erreicht hat. Von den vergangenen acht deutschen Meisterschaften hat Eckerle sieben gewonnen – mit beiden deutschen Top-Klubs der Frauen-Bundesliga.

Eckerle ist in Württemberg aufgewachsen, ganz in der Nähe von Bietigheim, wo einer der beiden Spitzenvereine ansässig ist. Dort spielt sie allerdings erst seit 2018 wieder. Als Handballerin groß geworden ist sie ausgerechnet beim Rivalen Thüringer HC; die beiden Teams machen seit 2010 die Meisterschaft unter sich aus.

Eckerle ging bereits 2009, mit 14 Jahren, nach Thüringen. „Ich bin aufgrund der leistungsorientierten Schiene nach Erfurt gegangen, als ich die Anfrage bekommen habe“, sagt Eckerle, die den Schritt eigentlich nur aufgrund der guten Jugendarbeit gewagt hat. „Es war nicht mein Plan, dort Bundesliga-Spielerin zu werden“, sagt Eckerle – und doch ist sie es geworden.

Bereits in der Saison 2011/12 rutschte sie in den Profikader des Thüringer HC, gab nur einen Monat nach ihrem 16. Geburtstag ihr Debüt. Eckerle war zu diesem Zeitpunkt die jüngste Spielerin, die jemals in der Handball-Bundesliga zum Einsatz gekommen war. Nach neun Jahren beim Thüringer HC wollte sie eine Luftveränderung. „Ich war im Alltagstrott gefangen und hab mich nicht mehr weiterentwickelt“, sagt sie zu ihrer Rückkehr ins Schwäbische 2018.

Clara Woltering prägte eine Ära

Zu dem Zeitpunkt war sie bereits ein halbes Jahr die Nummer eins im Tor der deutschen Nationalmannschaft, also seit dem großen Umbruch im deutschen Team nach der WM in Deutschland. Sie hat das schwere Erbe von Clara Woltering angetreten, die ein Jahrzehnt lang das deutsche Torwartspiel in der Nationalmannschaft geprägt hat.

„Es erfüllt mich mit Stolz, in ihre Fußstapfen zu treten. Sie ist eine unheimlich große Persönlichkeit, auch außerhalb des Feldes“, sagt Eckerle. Allerdings sei sie ein ganz anderer Spielertyp, „auch von der Emotionalität her“. Sie hat sogar noch zwei Jahre mit Woltering in der Nationalmannschaft spielen und lernen können – bei einem großen Turnier bildeten die beiden allerdings nie ein Gespann.

Dass diese Fußstapfen „natürlich auch verbunden sind mit einer großen Erwartungshaltung“, weiß Eckerle. Eine Erwartungshaltung, die sie bei dieser WM in Japan bislang mehr als erfüllt.

Zur Startseite