Herr Petkovic, wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Der Trainer der Füchse Berlin im Interview Velimir Petkovic: "Training, Training, Training – das nervt"

Als Sie vor knapp zwei Jahren nach Berlin kamen, haben Sie recht offen das Ziel kommuniziert, irgendwann mit den Füchsen um die Meisterschaft mitspielen zu wollen. Ist die Mannschaft in diesem Jahr so weit?

Moment! Wenn ich mich recht erinnere, haben wir schon in der vergangenen Saison bis kurz vor Schluss um die Meisterschaft mitgespielt. Nur hat sich das für viele leider nicht so angefühlt, weil wir am Ende so dezimiert waren, dass wir keine realistische Chance hatten. Mit einem kompletten Kader wäre das vielleicht anders ausgegangen.

Mit Petr Stochl, Steffen Fäth und Drago Vukovic haben Sie im Sommer drei Ihrer erfahrensten Spieler verloren. Ein Problem?

Ich würde das eher eine Herausforderung nennen. Steffen war unser bester Torschütze, Drago hat bereits in jungen Jahren Olympia-Gold mit Kroatien gewonnen und danach eine große Karriere hingelegt. Und über Petr muss ich gar nichts weiter sagen: er war unser Kapitän, eine absolute Legende im Verein. Natürlich werden uns die drei fehlen. Aber jetzt müssen eben andere einspringen und versuchen, dieses Niveau zu erreichen. Das war im letzten Jahr unsere große Stärke und hat sich am Ende bezahlt gemacht. Wir haben perspektivisch gute Leute verpflichtet und verfügen über eine spannende, entwicklungsfähige Mannschaft. Die Frage wird nur sein: Funktioniert das in der neuen Besetzung gleich von Anfang an?

Die Mehrzahl der Bundesliga-Trainer sieht den THW Kiel im Meisterschaftsrennen vorn. Ihre Prognose?

Auf dem Papier hatte Kiel für mich auch in den letzten drei Jahren die beste Mannschaft, trotzdem sind sie nicht Meister geworden. Im Handball ist eben alles möglich. In dieser Saison erwarte ich aber einen sehr stabilen THW, die Kieler sind auch für mich der Topfavorit. Es wird spannend zu sehen sein, wie das bei denen funktioniert, zumal Erfolgstrainer Alfred Gislason in seine letzte Saison geht.

Für Sie ist im Moment gewissermaßen Halbzeit bei den Füchsen Berlin: Sie kamen vor zwei Jahren und besitzen noch einen Vertrag bis Sommer 2020. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Ich bin richtig zufrieden, wenn ich sehe, dass die Fans, der Manager, die Mannschaft und die Journalisten zufrieden sind. Das macht mich stolz. Ich hatte bisher eine super Zeit in Berlin, wir haben vieles angeschoben und bewegt. Wenn das so weitergeht, kann ich mir gut vorstellen, länger hier zu bleiben. Aber das entscheide ich nicht allein und auch nicht Manager Bob Hanning, das entscheiden wir alle zusammen – durch die Art und Weise, wie wir uns präsentieren und sportlich verkaufen.

Mit dem Sieg im EHF-Cup Anfang Mai dürften Ihre Chancen auf eine Weiterbeschäftigung nicht gerade gesunken sein.

Das war eine Genugtuung für mich, nachdem wir das Finale im Vorjahr noch verloren hatten. Wenn uns das wieder passiert wäre, hätte ich mir Gedanken darüber machen müssen, warum wir nicht in der Lage sind, den letzten Schritt zu machen. Das kann ich mir jetzt sparen. Aber ich sehe es wie Sie: Ich habe in meiner Zeit bei den Füchsen gute Argumente gesammelt. Allerdings weiß ich auch, dass Leistungssport ein Geschäft ist, in dem es schnell vorbei sein kann. Das Gesamtbild muss stimmen. Daran werde ich auch in Zukunft mit allem arbeiten, was ich habe.

Das Gespräch führte Christoph Dach.

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