Frischluftliebhaber. Karl-Heinz Rummenigge am 4. Oktober beim Heimspiel der Bayern gegen Hertha. Foto: Images/ActionPictures
© Images/ActionPictures

Der Sport vor dem nächsten Lockdown Spielt, so lange ihr noch könnt!

Dem deutschen Profisport droht die nächste Vollbremsung. Daher sollten sich die Klubs schon jetzt auf die nächste Krise einstellen. Ein Kommentar

Es ist eine Binse, im Profisport wird sie oft bemüht. Da äußern Protagonistinnen und Protagonisten gerne, dass sie „von Spiel zu Spiel“ denken. Zur Zeit ist das tatsächlich angebracht, denn wer weiß im verseuchten Lande schon, was am nächsten Tag, ja in den nächsten Stunden los ist. Fußball, Volleyball, Tischtennis, Basketball – überall wird für dieses Wochenende abgesagt. Das Virus kennt keinen Spaß. Der Profisport spielt am Abgrund, der nächste Lockdown droht ihm.

Doch wie gehen die Branchen mit der Bedrohung um? Die Deutsche Eishockey-Liga etwa hat gar nicht angefangen mit der Saison und kommt in der jetzigen sich dramatisierenden Situation auf die glorreiche Idee, eine Petition an die Politik zu stellen, ihnen doch bitte zu helfen. Sie wollen ja nur spielen.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Aus der Fußball-Bundesliga gibt es derweil den Erfolg versprechenden Vorstoß, nicht mehr Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen im Lande auf 100.000 Menschen gerechnet, als Gradmesser für erlaubten Zuschauer im Stadion heranzuziehen – sondern die Hygienemaßnahmen der Klubs. Also rein mit den Fans in die Arenen! Sonst wird Bayern-Boss Karl–Heinz Rummenigge, wie am Donnerstag im Pokalspiel zu sehen, noch für längere Zeit einsam auf der Ehrentribüne der Allianz Arena von München seinen Mundschutz unter die Nase ziehen können.
Aber die Mehrheit im Lande hat momentan andere Sorgen als den professionellen Sport – er ist noch ein relativ gesunder Teil der Unterhaltungsbranche, die ansonsten in weiten Teilen seit Monaten brach liegt. Zudem ist für viele Menschen der Unterhaltungsfaktor in den Stadien ja auch eher gering, zwei Stunden lang wird der Zuschauer in der Bundesliga auf den Tribünen angesichts der Vorschriften daran erinnert, dass es eine Coronakrise gibt und singen kann sie oder er inzwischen nicht mehr im Stadion, sondern daheim im stillen Kämmerlein. Braucht irgendwie nicht jeder Mensch diese gespielten Durchhalteparolen im Stadion.

Also hört doch besser auf mit, mottet ein was später vielleicht noch zu retten ist und geht, wenn noch machbar, in Kurzarbeit? Nein, der Profisport hat seine Existenzberechtigung. Auch für den Nachwuchs, er sich auch an den Stars orientiert. Also, spielt ruhig noch eine Weile weiter, von Spiel zu Spiel. So hart es auch werden kann und auch, wenn es bald wieder vorbei sein sollte. Aber dann sollten alle die Ruhe nutzen, um sich konzeptionell auf die nächste Krise einzustellen. Denn das hat der Sport in Deutschland, abgesehen vom Fußball, nicht so richtig geschafft.

Zur Startseite