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So wird das dann aussehen. Die Bayern vergangenes Jahr nach dem Gewinn der Meisterschaft. Foto: Imago
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Update Der FC Bayern wird vorzeitig Deutscher Meister Zum neunten Mal in Folge geht der Titel nach München

Schon vor dem 6:0 gegen Mönchengladbach am Samstagabend stand fest, dass die Bayern wieder den Titel holen. Eine Würdigung des Rekordchampions.

Und jährlich grüßt der Murmelmeister. Dieses Mal mussten die Bayern nicht einmal gewinnen. Borussia Dortmund hatte mit dem Sieg gegen den Tabellenzweiten Leipzig die 31. deutsche Meisterschaft der Münchner perfekt gemacht. Der neue Meister gewann dann aber trotzdem und fertigte nach  der frohen Kunde   Borussia Mönchgladbach 6:0 (4:0) ab, Robert Lewandowski traf dabei gleich drei Mal. Widerstand, das weiß mittlerweile auch der Allerletzte, ist zwecklos. Neun Mal in Folge ging der Titel an die Bayern.

Die neueste Meisterschaft des FC Bayern wird im Laufe des Wochenendes wohl auch die üblichen Reaktionen auslösen. Man wird sich mal wieder über halbherzige Bierduschen und dröge gewordene Feierlichkeiten lustig machen. Man wird sich Sorgen um die Zukunft der Bundesliga machen. Und ja, man wird Schlagzeilen und Text-Einstiege über Murmeltiere schreiben – in Anlehnung an die US-amerikanische Filmkomödie aus den Neunzigern.

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Doch wer „Und täglich grüßt das Murmeltier“ gesehen hat, wird auch um die Moral der Geschichte wissen. Im Film befreit sich Bill Murray aus seinem sich endlos wiederholenden Albtraum nur dann, wenn er das Lieben lernt. Vielleicht muss man also nur lernen, den FC Bayern zu lieben.

Denn Emotionen haben sie tatsächlich noch, diese Bayern. Auch beim neunten Titel werden etwa die Tränen kullern, weil es für drei Ikonen der letzte sein wird. Der schlaksig unhassbare Javi Martinez, der fürstlich elegante David Alaba und der trotzig brillante Jerome Boateng verabschieden sich alle im Sommer. Danach bleiben nur noch Thomas Müller und Manuel Neuer von den Triple-Siegern 2013 übrig. Von der Generation also, die den heutigen FC Bayern eigentlich erfunden hat.

Dominant waren die Münchner schon seit einem halben Jahrhundert. Aber mit dieser Generation wurden sie ähnlich berauschend wie in den 1970er Jahren mit Beckenbauer und Müller. Der aktuelle FC Bayern siegte manchmal mit einer atemberaubenden Wucht. Der FC Barcelona spielte mit seinen Opfern wie eine sadistische Katze. Real Madrid legte sie mit präzisen Schlägen lahm. Die Bayern zerlegten ihre Gegner gleichermaßen brachial wie kunstvoll. Manchmal machte es Spaß, das anzusehen. Oft allerdings nicht.

Die Münchner profitieren von der wachsenden Kluft zwischen Reichen und Armen

Für den neutralen Zuschauer war der dominante Fußball der Bayern zuletzt nur dann spannend, wenn er schiefging. Deshalb schauten viele Fans mit Freude auf die wenigen Klatschen der Bayern im letzten Jahrzehnt: das Elfmeterschießen in Kiel, den 70-Meter-Lauf von Frankfurts Mijat Gacinovic im Olympiastadion, die Europapokal-Demütigungen gegen Real und Barça unter Trainer Pep Guardiola.

Doch gerade im internationalen Vergleich sollte man nie vergessen, dass viele mit Neid auf Deutschlands Buhmann schauen. Denn er ist immerhin ein traditioneller Buhmann, der sich von den anderen zeitgenössischen Fußballdespoten Europas in vielen Belangen unterscheidet. Die Münchner haben keinen Oligarchen, und trotz ihrer oft aggressiven innerdeutschen Transferpolitik folgt die bayerische Kaderplanung selten einer Galactico-Logik. Spieler wie Joshua Kimmich, Kingsley Coman und Alphonso Davies kamen als junge, noch sehr ungeschliffene Diamanten nach München und wurden erst dort zu Superstars.

Natürlich profitieren auch die Münchner von der überall wachsenden Kluft zwischen Reichen und Armen. Die Bayern-Dominanz lässt sich aber nicht nur durch die inhärente Ungerechtigkeit des modernen Fußballs erklären. Ein strukturell bevorteilter, moralisch komprimierter Superklub mag er sein. Aber er ist im Großen und Ganzen auch der liebenswerteste der strukturell bevorteilten, moralisch komprimierten Superklubs auf diesem Kontinent.

Solcher Relativismus wird vielerorts natürlich nur auf Schulterzucken treffen. Dass die Bayern im Vergleich zu Real Madrid oder Paris Saint-Germain das leicht kleinere Übel sind, ist für die meisten kein Grund, sie zu mögen. Sie haben den modernen Fußball trotzdem wie kaum ein anderer Verein gemeistert, und sind nicht umsonst zum neunten Mal Deutscher Meister. Das mag langweilig sein, aber Widerstand ist anscheinend zwecklos. Vielleicht muss man sie nur lieben lernen.

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