Finale? Finale! Die Bayern haben Grund zu jubeln. Foto: Peter Schatz/Imago
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Der FC Bayern hat das Triple im Visier „Jungs, die für den Henkelpott nach München laufen würden“

Der Glaube an den Champions-League-Triumph ist bei den Bayern stark – trotz kleinerer Mängel gegen Lyon und eines großen Gegners im Finale.

Den Einpeitscher für das Endspiel der großen Namen gegen Paris Saint-Germain gab Oliver Kahn diesmal selbst. Wie in früheren Tagen als bissiger Keeper blickte der Bayern-Vorstand nach der mit 3:0 (2:0) letztlich souverän gelösten Kraftprobe gegen Olympique Lyon mit der typischen Münchner „Mia san mia“-Attitüde auf den kommenden Sonntag, wenn beim Champions-League-Finale im Estádio da Luz von Lissabon die beste Vereinsmannschaft Europas gekürt wird.

„Wir wissen natürlich, Paris ist eine absolute Hausnummer“, sagte Kahn am Donnerstag, als bei der Regeneration im Teamquartier ausnahmsweise einmal kein Pool-Wetter herrschte. „Aber wir kennen auch unsere eigenen Stärken.“

Der FC Bayern will „das beste Team in Europa“ sein

Die erste Ansage an das französische Starensemble mit den offensiven Ausnahmekönnern Neymar und Kylian Mbappé hatte am Mittwochabend Serge Gnabry gemacht. Nach seinen zwei Treffern verließ der Nationalstürmer das Estádio José Alvalade mit wilder Entschlossenheit. „Wir wollen das Triple unbedingt gewinnen und werden alles geben, um den Titel zu holen“, sagte der 25 Jahre alte Außenstürmer: „Das beste Team in Europa zu sein, ist ein riesiger Ansporn.“

Der 23. August 2020 soll wieder ein Abend sein, an dem die Bayern Geschichte schreiben – wie 2001 beim ersten Champions-League-Triumph mit dem Elfmeterhelden Kahn in Mailand, und wie 2013 beim 2:1 in London gegen Borussia Dortmund, dem Jahr des historischen Triples unter Jupp Heynckes.

Der nächste Triple-Trainer könnte jetzt Hansi Flick heißen, der als Assistent in diese lange und knifflige Saison ging und nun nur neun Monate nach der Übernahme des Cheftrainerpostens vor der Krönung steht. „Wir sind alle happy, wir sind im Finale“, sagte der 55-Jährige. „Wir werden gucken, dass wir zu Kräften kommen, hundert Prozent Energie sammeln, und dann gegen Paris mit einer Topleistung versuchen, den Titel zu gewinnen.“

Ähnlich wie sein Trainerkollege Thomas Tuchel in Paris hat es Flick geschafft, das Team hinter sich zu bringen. Alle folgen Flick, alle vertrauen Flicks Ideen. „Was ihn auszeichnet, ist auch die Ruhe gerade vor solchen Spielen, die Besonnenheit“, lobte etwa Kapitän Manuel Neuer. „Egal, gegen welchen Gegner wir gespielt haben, wir waren top vorbereitet und hatten immer einen Plan.“

Flick ist aber nicht entgangen, dass gegen Lyon Mängel auftraten, die gegen Paris fatal enden könnten. Er monierte zu viele Ballverluste. Auch Oliver Kahn war das nicht entgangen: „Klar, wenn wir gegen Paris den Ball verlieren, dann geht die Post ab über Mbappé, über Neymar. Wenn die eine Chance haben, dann knallt’s meistens.“

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Dennoch: Ob Flick, Kahn oder Neuer, alle haben Vertrauen in das eigene Können. Zehn Spiele, zehn Siege, 42 erzielte Tore, das ist die Königsklassenbilanz dieser Spielzeit. Im Jahr 2020 sind die Bayern noch ungeschlagen. „Es ist nicht so, dass nur Paris Mbappé und Neymar hat. Wir haben Lewandowski, wir haben Gnabry, wir haben Neuer“, zählte Kahn auf.

Gnabry führte die Bayern als Doppeltorschütze ins sechste Königsklassen-Finale, ehe Robert Lewandowski an einem ansonsten unglücklichen Arbeitstag am Ende noch zum 3:0 traf – sein 15. Tor im laufenden Wettbewerb. Und Neuer verhinderte mit einer Weltklasseparade gegen Toko Ebambi nach einer guten Stunde das Anschlusstor. „Da hätte es nochmal richtig gebrannt“, urteilte Kahn in seiner Funktion als Torhüter-Fachmann.

Von Anfang an war der künftige Vorstandschef in Portugal ganz nah am Team. Die Kombo aus erfahrenen Weltmeistern und Triple-Siegern wie Neuer, Thomas Müller und Jérôme Boateng sowie den jüngeren Akteuren, die noch nicht die Champions League gewonnen haben, brennt nun auf den nächsten Titel – oder wie es Kahn ausdrückt: „Jungs, die für den Henkelpott von hier zu Fuß nach München laufen würden.“ (dpa)

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