Münchens Jonathan Matsumoto (l) läuft um das Berliner Tor herum, verfolgt von Eisbär Micki DuPont (r). Foto: dpa
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DEL-Finale Eisbären Berlin: Der Schlussspurt kommt zu spät

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Die Eisbären liegen in Spiel zwei der Finalserie lange hoch zurück. Am Ende kommen sie zurück - nur reichen tut es nicht gegen München.

Der bei den Eisbären als Feiertag geplante Sonntag begann sehr stimmig. Mit einem kräftigen Hauch Ostalgie. Erst sangen die Berliner Eishockeyfans beglückt die Klub-Hymne der Puhdys, dann schrammelte Karat-Gitarrist Bernd Römer die deutsche Nationalhymne herunter und schließlich gab es eine hübsche Choreographie der Fans in der Stehkurve in der Arena am Ostbahnhof. „Möge die Acht mit uns sein“, war da auf Bannern zu lesen, eine Anspielung auf die Weltraum-Saga „Star Wars“ und darauf, dass die Eisbären ja womöglich auf dem Weg zur achten deutschen Eishockeymeisterschaft sind. Aber diese Aussicht bekam dann doch einen deftigen Dämpfer im Spiel gegen den Meister aus München. Puhdys, Karat – und dann Red Bull. Die Bayern gewannen das zweite Spiel der Finalserie betont humorlos, die Eisbären unterlagen vor 14 200 Zuschauern 4:5 (1:2, 1:3, 2:0).

Das erste Spiel hatten die Berliner am Freitag noch 4:3 gewonnen und dabei eine sehr konzentrierte Leistung gezeigt, weil sie ihren Spielplan durchzogen, wie der ehemalige Nationalspieler Rick Goldmann und heutige TV-Experte feststellte. „Es wird nämlich gefährlich, wenn man München ins Rollen kommen lässt.“ Genau das aber machten die Eisbären am Sonntag, sie hatten keinen Zugriff auf das Spiel – wissen nun aber immerhin, wie sie nicht gegen die Mannschaft von Don Jackson spielen dürfen.

Dieses Wissen könnte für den weiteren Verlauf der Serie noch wertvoll werden für die Berliner. Wobei München, Hauptrundenerster in der Deutschen-Eishockey-Liga, am Sonntag schon zeigte, wie anspruchsvolles Eishockey funktioniert. Wie an einem Faden gezogen lief der Puck beim Powerplay der Bayern. Dagegen wirkten die Berliner Versuche in Überzahl doch erstaunlich hilflos.

Nationalspieler Brooks Macek hatte München in Führung gebracht, Sean Backman ausgeglichen, bevor dann Steven Pinizzotto zum 2:1 für die Bayern traf; wie Macek im Powerplay. Pinizzotto war nach fünf Spielen Sperre wieder in den Play-offs im Einsatz und stiftete mit seinen Ruppigkeiten auch Verwirrung bei den Eisbären. Die Berliner mühten sich aber durchweg redlich, der Wille war da. Auch nachdem Florian Kettemer und Jonathan Matsumoto im zweiten Drittel weitere Tore für München geschossen hatten. Nick Petersen traf zum 2:4, bevor Maximilian Kastner zwölf Sekunden vor der Pause für den Meister traf.

Vehanen war schuldlos an den fünf Gegentreffern

Uwe Krupp setzte danach noch ein Signal, indem er Marvin Cüpper anstelle von Petri Vehanen ins Tor beorderte. Der Finne war schuldlos an den fünf Gegentreffern, aber irgendetwas musste der Berliner Trainer ja veranstalten, um den Lauf des Spiels noch zu beeinflussen. Tatsächlich gelang Backman im sechsten Berliner Powerplay der erste Überzahltreffer für die Eisbären im Spiel, Münchens ansonsten starker Nationaltorwart Danny aus den Birken sah dabei nicht gut aus.

Die Eisbären mühten sich danach weiter und tatsächlich landete der Puck noch einmal im Tor von aus den Birken – nachdem Cüpper zugunsten eines sechsten Feldspielers das Eis verlassen hatte. Aber nach Petersens Treffer waren nur noch 40 Sekunden zu spielen, die cleveren Profis aus Bayern ließen sich den Sieg nicht mehr nehmen, aber immerhin hatten die Eisbären noch ein Lebenszeichen von sich gegeben.
„Jetzt müssen wir wieder versuchen, unser Spiel in München durchzusetzen und ihnen da das Leben schwer zu machen“, sagte der zweimalige Berliner Torschütze Sean Backman. „Aber es war gut, dass wir nach dem 2:5 noch einmal zurückgekommen sind.“

Das Positive an der Niederlage im zweiten Spiel ist für die Eisbären in jedem Fall, dass es erst 1:1 in der Serie steht, die nun am Mittwoch in München mit Spiel drei weitergeht. Da wird dann der Faktor Ostalgie weniger eine Rolle spielen als eine gute Taktik. Aber dass sie da intelligenter agieren können als am Sonntag, haben die Berliner beim ersten Spiel in München bewiesen.

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