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Die beiden Stürmer dürften auch am Dienstag in Mainz gemeinsam auf dem Platz stehen. Foto: imago images/Matthias Koch
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Das neue Sturm-Duo bei Hertha BSC Trainer Korkut setzt auf Belfodil und Jovetic

Neuer Trainer, neuer System, neues Sturmduo: Tayfun Korkut setzt bei Hertha BSC im Angriff auf Stevan Jovetic und Ishak Belfodil.

Die Sprache im Sportjournalismus hat einen historisch bedingten Hang zum Martialischen. Gerd Müller war der „Bomber der Nation“, in früheren Jahrzehnten wurden Abwehrfestungen noch mit Granaten befeuert, und in Berlin hat der Boulevard in diesen Tagen „das neue Baller-Duo“ von Hertha BSC gefeiert. Die Wirklichkeit sieht oft ganz anders aus. Gerd Müller zum Beispiel war ein durch und durch friedlicher Mensch, und Herthas neues Baller-Duo gab sich am vergangenen Samstag: ganz zärtlich.

Stevan Jovetic, der eine Teil dieses Duos, fiel Ishak Belfodil, dem anderen Teil, in die Arme, und dann gab er ihm noch einen Kuss auf die rechte Wange. „Ishak und ich harmonieren auf dem Platz super, wir haben eine gute Chemie“, sagte Jovetic, nachdem er beim 2:0 gegen Arminia Bielefeld im zweiten Spiel unter dem neuen Trainer Tayfun Korkut sein drittes Tor erzielt hatte – und Belfodil ihm dazu zum zweiten Mal den Ball aufgelegt hatte.

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Hertha ist in dieser mal wieder recht komplizierten Saison immer noch eine große Baustelle, aber jetzt, kurz vor Ende der Hinrunde und unter Anleitung des neuen Trainers Tayfun Korkut, sortieren sich die Dinge langsam. Jedenfalls spricht einiges dafür, dass Korkut auch im Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 an diesem Dienstag (20.30, live bei Sky) am 4-4-2-System festhalten und Jovetic und Belfodil erneut als Baller-Duo im Sturm aufbieten wird.

„Sie passen zusammen, sind beide sehr beweglich und weichen in verschiedene Räume aus“, sagt Korkut über ihr Zusammenspiel. „Aber das Allerwichtigste ist, dass sie sich immer im Blick haben, dass der eine sozusagen auf den anderen aufpasst.“

Beide Stürmer sind im Sommer nach Berlin gekommen, um die prominenten Abgänge in der Offensive – Matheus Cunha, Jhon Cordoba, Dodi Lukebakio – zu kompensieren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten scheint das immer besser aufzugehen.

Ishak Belfodil (rechts) und Stevan Jovetic machten gegen Bielefeld ein gutes Spiel. Foto: Matthias Koch/Imago Vergrößern
Ishak Belfodil (rechts) und Stevan Jovetic machten gegen Bielefeld ein gutes Spiel. © Matthias Koch/Imago

Jovetic, 32, ist mit sechs Pflichtspieltreffern (fünf in der Liga, einer im Pokal) Herthas bester Torschütze. Und auch Belfodil, 29, der gegen viele Vorbehalte anzukämpfen hatte, findet sich immer besser zurecht. „Er musste erst ein gewisses Fitnesslevel erreichen", sagt Herthas Sportdirektor Arne Friedrich, „das hat er jetzt.“

In zwei Spielen unter Korkut stand der Algerier genauso oft in der Startelf wie in dreizehn Spielen unter Pal Dardai. Seine Assists zu zwei der drei Treffer von Jovetic waren die ersten beiden Torbeteiligungen in dieser Saison überhaupt, dazu wurde ihm ein Tor gegen Stuttgart wegen einer Abseitsstellung von Vladimir Darida aberkannt. „Ishak macht es wirklich hervorragend“, sagt Friedrich. „In den letzten beiden Spielen hat er gezeigt, was seine Qualitäten sind.“

Es ist nicht zu übersehen, dass Belfodil von der Umstellung auf ein System mit zwei Stürmern profitiert. Denn genau das, was Pal Dardai als dessen große Schwäche kritisiert hatte, stellt sich unter den veränderten Bedingungen als eine seiner Stärken heraus. „Wir haben ihm schon hundert Mal gesagt: Wenn er Mittelstürmer ist, muss er die Position im Zentrum halten“, hat Dardai nach dem Heimspiel gegen Augsburg, nur wenige Stunden vor seiner Entlassung, geklagt. „Er kann nicht zu sich selber flanken.“

Jetzt geht es gegen Mainz 05

Jetzt aber hat Belfodil einen Sturmpartner, den er anspielen kann, der die Position im Zentrum besetzt, wenn er selbst sich von dort entfernt. „Was mir neben seiner Beweglichkeit besonders gefällt, ist, wie er den Ball abschirmt“, sagt Friedrich. „Das ist ein Element, das uns sehr guttut.“

So wie Belfodil und Jovetic von dem veränderten Ansatz unter dem neuen Trainer profitieren, so machen sie mit ihren Stärken diesen neuen Ansatz überhaupt erst möglich. „Wir wussten, dass er ein Faible hat für das Spiel mit dem Ball“, sagt Korkut über Jovetic. Herthas neuer Trainer ist kein Dogmatiker; er orientiert sich an den Möglichkeiten, die er vorfindet. Und die sind nicht so schlecht, wie es die Tabellensituation bei seinem Amtsantritt vor zwei Wochen hätten vermuten lassen.

Für Korkut ist Jovetic „ein Extraklasse-Spieler“. So ein Tor erzielen, wie es der Montenegriner zum zwischenzeitlichen 1:2 in Stuttgart getan hat, „das können nicht viele Spieler in der Bundesliga“, findet Herthas Trainer. Hinzu kommt, dass Jovetic sich – ähnlich wie Belfodil – geschickt zwischen den Linien bewegt, dass beide die gefährlichen Räume aufspüren und dadurch für die gegnerische Verteidigung nur schwer zu packen sind.

„Wir haben Möglichkeiten“, sagt Korkut über die Situation im Angriff. Am Wochenende konnte er mit Krzysztof Piatek und Davie Selke von der Bank noch einmal nachlegen. Selke war es, der schließlich mit dem 2:0 in der Nachspielzeit die letzten Restzweifel am Sieg beseitigte. Für ihn war es das erste Tor in der Bundesliga seit Ende Januar. Ishak Belfodil kann davon nur träumen. Er hat am 18.Mai 2019 zuletzt getroffen.

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