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Ein Satz mit x. Albas Yovel Zoosman (links) und Luke Sikma bedanken sich nach der Niederlage enttäuscht bei den Zuschauern. Foto: Andreas Gora/dpa
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Dann halt wieder in München Alba Berlin bleibt trotz Heimklatsche zuversichtlich

Nach der verpassten Chance in eigener Halle will Alba am Sonntag eine Reaktion zeigen. Schon in den vergangenen Jahren holten die Berliner den Titel in München.

Vor der Arena saßen sie in ihren verschwitzten gelben Shirts, sichtlich erschöpft, viele mit einem Bier in der Hand. Die heftige Niederlage im dritten Finale gegen den FC Bayern war erst anderthalb Stunden alt, aber es muss ja weitergehen, auch für die treusten Fans von Alba Berlin. Also auf nach München, Spiel vier am Sonntag (15 Uhr, Magentasport und Sport1), die nächste Chance. In den vergangenen beiden Spielzeiten haben die Berliner eben dort in der Rudi-Sedlmayer-Halle die Meisterschaft gewonnen.

Wenn es zu Hause einfach nicht klappen will mit dem Titel – zuletzt war das 2003 der Fall – dann gibt es halt eine große Party auf der Rückfahrt aus Bayern. So ist zumindest die Hoffnung der Berliner Anhänger und Spieler. „Die Fans stehen hinter uns, egal ob wir zu Hause oder auswärts gewinnen“, sagte Oscar da Silva, gebürtiger Münchner und bei der 60:90-Klatsche am Freitag noch der beste Berliner in einer überforderten Mannschaft.

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Kurz nach dem Spiel herrschte bei Alba schon wieder ein trotziger Zweckoptimismus. „Sie haben uns in den Hintern getreten und wir werden heute Nacht sicher ein bisschen darüber nachdenken“, sagte Kapitän Luke Sikma. Es stehe in der Finalserie aber weiter 2:1 für Berlin. „Das Gute ist, wir spielen Sonntag schon wieder und haben in München eine weitere Chance.“

Marco Baldi ordnete die Lage sogar noch nüchterner ein. „Selbst wenn es in München schwierig wird, gibt es immer noch eine Möglichkeit“, sagte der Berliner Manager. Ein entscheidendes fünftes Spiel würde am kommenden Mittwoch wieder in der Arena am Ostbahnhof stattfinden. Doch so weit will es Alba trotz des beeindruckenden Rahmens nicht kommen lassen. „Wir werden nicht noch einmal so spielen“, war sich Trainer Israel Gonzalez sicher.

Am Freitag zeigte seine Mannschaft eine der schlechtesten Leistungen der vergangenen fünf Jahre – und das an einem Abend, an dem alles perfekt vorbereitet war. Alba hatte zuvor 19 Spiele in Folge gewonnen, darunter die ersten beiden Finals gegen die Bayern. Der Gegner musste auf vier Stammspieler verzichten, während auf Berliner Seite der gesamte Kader fit war. München wirkte müde und ausgelaugt, Alba beflügelt.

Albas Fans wollten zum ersten Mal seit 2003 eine Meisterschaft in eigener Halle feiern, doch daraus wurde am Freitag nichts. Foto: Andreas Gora/dpa Vergrößern
Albas Fans wollten zum ersten Mal seit 2003 eine Meisterschaft in eigener Halle feiern, doch daraus wurde am Freitag nichts. © Andreas Gora/dpa

Erstmals seit fast zweieinhalb Jahren war die Halle mit 14.500 Zuschauern restlos ausverkauft und bereit für die große Party. Vor dem Spiel leuchtete der Pokal auf seinem Podest schon im Scheinwerferlicht, die elfte Meisterschaft der Vereinsgesichte war zum Greifen nah.

Doch auf die ihnen angedachte Statistenrolle hatten die Münchner überhaupt keine Lust. Sie waren von der ersten Sekunde in allen Belangen überlegen und schafften mit einer beeindruckenden Leistung den höchsten Auswärtssieg in den Finals seit mehr als 20 Jahren. „Dieser Auftritt definiert die Kultur unseres Teams. Das war heute die beste Antwort, die du geben kannst“, sagte Münchens Trainer Andrea Trinchieri.

Die Berliner wirkten von dieser Willensleistung der Bayern völlig überrascht. „Wir waren nicht ready“, sagte Louis Olinde. In den vergangenen Tagen waren sich Fans, Medien und Experten weitgehend einig gewesen: In dieser Serie ist Alba den Münchnern einfach zu überlegen und die Meisterschaft entscheidet sich schon im dritten Spiel am Freitag. Vielleicht hatten die Spieler des Titelverteidigers dieses Narrativ zu oft gehört und doch schon die Party im Hinterkopf. „Wir waren teilweise wie gelähmt“, sagte Gonzalez. „Sie haben alles besser gemacht als wir und wir haben uns freie Rebounds nicht gegriffen.“ Zudem war die Wurfquote aus der Distanz mit zwei Treffern aus 21 Versuchen gruselig.

Alba verliert erstmals seit Ende März

Während die Spieler sich schwertaten mit der Ursachenfindung für ihren kollektiven Blackout, war die Erklärung für Baldi recht einfach. „Die tollen Voraussetzungen haben uns steif werden lassen“, sagte der Manager. Für viele Spieler sei es das erste Finale vor einer solchen Kulisse und mit einer vermeintlich perfekten Ausgangslage gewesen. „Dann gehst du in so ein Spiel und willst zu viel, bist ein bisschen krampfig.“

Dass es am Ende einseitiger 40 Minuten eine formidable Klatsche für die Berliner gab, wollte Baldi nicht überbewerten. „Das Ergebnis ist egal. Nicht egal ist, in welchem mentalen Zustand wir da jetzt rausgehen“, sagte der Manager. Nur 42 Stunden liegen zwischen dem Ende von Spiel drei und dem Beginn von Spiel vier. Am Samstag reiste die Mannschaft nach München, Zeit für spielerische Anpassungen gibt es praktisch nicht.

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Die Aufgabe von Gonzalez und seinem Trainerteam besteht vor allem darin, die Niederlage vom Freitag aus den Köpfen zu bekommen und das Vertrauen in die eigenen Stärken zurückzubringen. Alba darf keine Angst haben, die schon sicher geglaubte Meisterschaft noch zu verlieren, sondern muss entschlossen nach München fahren, um sie dort zu gewinnen. Oder wie es Gonzalez formulierte: „Wir müssen unsere Identität wiederfinden.“

Es ist eine ungewohnte Situation für die erfolgsverwöhnten Berliner. Ihre letzte Niederlage auf nationalem Terrain hatten sie am 27. März kassiert, danach rauschten sie nur so durch den Rest der Hauptrunde und die Play-offs. Große Sorgen waren bei Spielern und Verantwortlichen aber nicht zu erkennen. In dieser Saison hat Alba schon oft die richtige Antwort auf schwierige Situationen gefunden. „Wir führen immer noch 2:1 und haben zwei Matchbälle“, sagte Trainer Gonzalez – und sein Team weiß aus eigener Erfahrung, dass eine Rückfahrt aus München mit Pokal im Schlepptau auch seinen Reiz hat.

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