Hoch damit. Schon beim Training zum Grand Prix in Sao Paulo musste Nico Hülkenbergs Renault abgeschleppt werden. Foto: Andre Penner/AP/dpa
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Crash von Nico Hülkenberg "Ich hänge hier wie eine Kuh"

Der spektakuläre Unfall von Nico Hülkenberg könnte neue Diskussionen um den Kopfschutz "Halo" befeuern. Falsch wäre das nicht. Ein Kommentar.

Ich hänge hier wie eine Kuh, holt mich hier raus! Was wie ein RTL-Unterhaltungsformat klingt, ist ein Zitat von Niko Hülkenberg. Der Formel-1-Fahrer äußerte seinen Kuh-Vergleich, als er kopfüber in seinem Renault feststeckte, ziemlich hilflos obendrein. Kurz zuvor war Hülkenbergs Renault mit Romain Grosjeans Haas kollidiert, hatte sich überschlagen und war wüst in die Streckenabsperrung von Abu Dhabi gekracht. Im letzten Rennen dieser Saison hielt die Motorsportwelt noch einmal den Atem an, bangte um einen ihrer angenehmsten, weil gutgelauntesten, Piloten. „Niko, bist du okay“, funkte der Renault-Kommandostand. Kurze Pause. Dann funkte Hülkenberg muhend zurück, Erleichterung machte sich breit.

Dass der Pilot nach diesem spektakulären Crash frotzelnd in seinem arg ramponierten Dienstwagen sitzen konnte, war die beste Nachricht aus Abu Dhabi. Sie verdeutlichte, dass in diesem Hochrisikosport die Sicherheit der Fahrer das höchste Gut ist. Der Weltverband Fia sieht das glücklicherweise auch so. Die Entscheidung, zu dieser Saison den „Halo“ – einen Bügel, der den Kopf des Fahrers schützt – einzuführen, war eine richtige. Allen Unkenrufern, denen die Optik nicht passte – dazu zählte unter anderem auch Hülkenberg – zum Trotz.

Max Verstappen könnte den Titelkampf bereichern

Nach Hülkenbergs Crash kam allerdings die Frage auf, ob der Halo den Ausstieg des Fahrers aus dem Feuer fangenden Wagen behindert habe. Rennleiter Charlie Whiting sagte: „Der Halo hat hier sogar noch geholfen. Dadurch, dass das Auto auf dem Bügel liegt, bekommt der Pilot im Cockpit bei einem Überschlag mehr Abstand zum Asphalt.“ Dennoch muss die Frage mit der gebotenen Sachlichkeit diskutiert werden, offen und frei von Vorurteilen.

Sportlich lieferte Abu Dhabi Fazit wie Ausblick in einem. Es gewann, na klar, Lewis Hamilton, der fünffache Weltmeister, der fehlerfrei zum elften Saisonsieg fuhr. Er wird 2019 nach seinem sechsten Titel in der Formel 1 greifen wollen. Zweiter wurde Sebastian Vettel, der Vizeweltmeister, dessen Ferrari-Crew nicht nur am Auto einige Schrauben neu einsetzen muss, um Hamilton gefährden zu können, aber genauso viel Potenzial besitzt wie Max Verstappen, der Drittplatzierte. Der agierte in diesem Jahr noch etwas ungestüm, zumal Red Bull die Konstanz fehlte. Der Niederländer dürfte den Kampf um die WM-Krone im nächsten Jahr aber bereichern. Einen hoffentlich fairen – und vor allem sicheren.

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