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Immer wieder gelang es Cody Kessel in dieser Saison, den Ball auf spektakulärer Höhe ins gegnerische Feld zu schmettern. Foto: dpa/ Andreas Gora
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Cody Kessel will Deutscher Meister werden „Wir haben diese Saison als Team so viel durchgemacht“

Der Volleyballer errichtete eigens ein Fitnessstudio in den Wäldern von Colorado. Nun will er Deutscher Meister werden und freut sich besonders auf die Reise.

Es ist eine Art unausgesprochene Regel. So wie der FC Bayern München am Ende der Saison den Titel holt, müssen die BR Volleys und Friedrichshafen den Meistertitel unter sich ausmachen. Auch in diesem Jahr hat sich an dieser inzwischen achtjährigen Tradition nichts geändert. Für Außenangreifer Cody Kessel ist es das erste Mal, dass er im Finale der Deutschen Volleyball-Bundesliga steht. Der US-Amerikaner, der zuvor bei Lüneburg spielte, steht erst seit 2019 bei den Volleys unter Vertrag. Am Donnerstag soll nun das erste Auswärtsspiel der „Best-of-five“- Serie starten.

Besonders freuen Kessel und seine Kollegen sich auf die Reise nach Friedrichshafen – trotz achtstündiger Fahrt. Denn auf sie wartet ein neues Beförderungsmittel. „Wir haben keinen normalen Bus, sondern einen speziellen Doppeldeckerbus“, erzählt Kessel am Telefon und lacht, „wir sind alle ziemlich aufgeregt.“ Durch den größeren Bus hätten die Spieler mehr Platz, sich auszuruhen und zu schlafen. „Schließlich müssen wir mindestens zweimal dorthin reisen“, sagt Kessel, und ergänzt: „Das sind über 32 Stunden Hin- und Rückfahrten.“

Gerade für die neuen Spieler könnten die langen Busfahrten ungewohnt sein. Kessel hingegen kennt es nicht anders. Von Lüneburg war die Fahrt an den Bodensee sogar noch länger. „Die Stimmung ist aber immer gut“, betont Kessel, „auf den Busfahrten herrscht eine tolle Atmosphäre.“

Überhaupt ist Kessel froh, trotz der Umstände die Saison bis zum Ende spielen zu dürfen. Sein Team hätte – abgesehen von den fehlenden Fans – ziemlich Glück gehabt, sagt Cody. „Wir konnten jeden Tag arbeiten, mit dem Team zusammen sein und Kontakte pflegen. Ich kann nicht behaupten, dass wir speziell mit der Situation zu kämpfen hatten.“

„In dieser Hinsicht bin ich sehr verwöhnt"

Den ersten Lockdown verbrachte der 29-jährige Volleyballer in Colorado bei seiner Familie. Seine Familie hatte zuvor eine Art Campingplatz inmitten der Wildnis Colorados aufgebaut. Normalerweise würden die Gäste dort in Tipis oder Hütten übernachten. „Aber während Corona mussten wir schließen und nur unsere Familie hat dort gelebt.“ Die freie Zeit wusste Kessel bestens zu nutzen: Er baute sich ein eigenes Fitnessstudio im Wald und verbrachte so viel Zeit wie möglich in der Natur und mit seiner Schwester.

„Ich habe großes Glück, so einen Ort zu haben. In dieser Hinsicht bin ich sehr verwöhnt", weiß Kessel, „mir ist bewusst, dass viele Menschen, die in ihren Wohnungen ohne Fenster feststecken, so viel schwierigere Situationen haben.“

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Zurück in Berlin verbrachte er neben dem Training viel Zeit damit, Bücher zu lesen und sich mit seinen Kollegen auszutauschen. Vor allem mit Denys Kaliberda diskutiere er regelmäßig über aktuelle Themen. „Eigentlich können wir über alles Mögliche reden, was uns gerade so interessiert.“ Aktuell liest Kessel ein Buch über Sportpsychologie, aber eigentlich gefallen ihm ganz unterschiedliche Genres – von Fiktion bis hin zu philosophischen Werken. Eines findet Kessel aber besonders wichtig: „Ich nehme mir das Buch, worauf ich gerade Lust habe. Ich glaube, viele denken, sie müssen ein Buch konsequent bis zum Ende durchlesen. Der Auffassung bin ich aber ganz und gar nicht.“

Cody Kessel will seinem Team auch beim Finale gegen Friedrichshafen helfen. Foto: imago images/Matthias Koch Vergrößern
Cody Kessel will seinem Team auch beim Finale gegen Friedrichshafen helfen. © imago images/Matthias Koch

Der Vertrag soll verlängert werden

Während des Telefonats wechselt Kessel immer wieder geübt zwischen Deutsch und Englisch. Zu Beginn der Saison hatten er und seine Teamkollegen noch gemeinsam Deutschunterricht. Doch seit einiger Zeit finden keine Sitzungen mehr statt. „In diesem Jahr haben wir einige Spieler, die noch daran arbeiten, auf ein gutes Englischlevel zu kommen“, sagt Kessel. Da sei Deutsch nicht unbedingt die Priorität. Er bedauert es, keinen Unterricht mehr zu haben. Denn als er noch in Lüneburg lebte, gab es einen Deutsch-Englisch-Lehrer, den er jeden Mittwoch besuchte. Gemeinsam tranken sie Kaffee, aßen Kuchen und übten Deutsch. „Momentan ist es ein bisschen schwierig“, erzählt Kessel, „aber ich kann mittlerweile fast alles verstehen und es reicht, um Interviews zu geben und ein bisschen zu sprechen.“

In der Hauptstadt fühlt Kessel sich besonders wohl. Für ihn sei Berlin die „beste Stadt der Welt“. Auf die Frage danach, ob er vorhabe, hier zu bleiben, antwortet er: „Ja. Ich kann darüber aber offiziell noch nicht sprechen.“ Auch Volleys-Manager Kaweh Niroomand kennt die Qualitäten des Außenangreifers. Ihm zufolge soll der Vertrag mit Kessel verlängert werden.

Erst im Halbfinalspiel gegen Düren, als Kessel aufdrehte und den Matchball verwandelte, wurde deutlich, wie sehr das Team von seinen Leistungen profitiert. „Ich liebe es, einfach zu spielen und ich liebe es, für Berlin zu spielen“, erklärt Kessel. „Ich glaube sehr an dieses Team und es war eine coole Chance für mich, der Mannschaft in diesem Moment zu helfen.“

Auch bei den anstehenden Spielen gegen Dauerrivale Friedrichshafen könnte Kessel noch wichtig für sein Team werden. Fast zwei Wochen lang hatten die Volleys Zeit, um sich auf das Match vorzubereiten. Am Donnerstagabend (18.00 Uhr) ist es endlich so weit. Voraussagungen über den Ausgang des Finales will Kessel zwar noch nicht machen, aber er kündigt an, „wirklich hart und fokussiert“ zu spielen. „Ich denke, wir haben diese Saison als Team so viel durchgemacht und freuen uns darauf, die Show fortzusetzen.“

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