Schwaben obenhauf. Jakob Mayenschein (links) gewann mit Augsburg beide CHL-Spiele gegen Belfast und Patrick Mullen. Foto: Imago images/Jan Huebner
© Imago images/Jan Huebner

Champions League im Eishockey Nicht nur Don Jackson nimmt es ernst

Vom Pausenfüller zum ernsthaften Wettbewerb: Die Champions League im Eishockey hat sich bei Fans und Klubs etabliert – sportlich und wirtschaftlich.

Der Ausraster von Don Jackson war sicherlich nichts für zarte Gemüter. Zehn Mal "Fuck you" und vier Mal "Fucking Bullshit" brüllte der Trainer von RB München während einer Auszeit Richtung Schiedsrichter. Das war unbestritten unsportlich, allerdings belegte es auch, dass die Bayern am Sonnabend ihr Spiel im Rahmen der Champions Hockey League (CHL) beim HC Ambrì-Piotta sehr ernst nahmen. Vom Pausenfüller zum ernsthaften Wettbewerb: Die CHL hat sich etabliert

So war das nicht immer im Eishockey, Europapokal-Wettbewerbe kamen und gingen und hatten es wegen ihrer Instabilität schwer bei Spielern und Fans. Niemand nahm das so richtig ernst. Die aktuelle CHL gibt es nun im sechsten Jahr, der Vorgänger schaffte es zwischen 2007 und 2009 gerade mal auf zwei Spielzeiten. Es fehlten die Sponsoren.

In der aktuellen Champions League ist das anders: Dort steigen die Preisgelder und Einnahmen, der Sieger verdient inzwischen eine siebenstellige Summe. Und: Immer mehr Zuschauer kommen zu den Spielen, in Augsburg war das jüngste Spiel gegen Belfast fast ausverkauft – in ein paar Wochen in der Liga dürfte es etwa gegen Wolfsburg anders aussehen. Der Wettbewerb in der CHL wird attraktiver. Es werden eben nicht nur Schimpfwörter von den Trainern durch die Gegend geschleudert, sondern es wird auch sehr gutes Eishockey gespielt. Früher hatten die – im August ausgetragenen – Vorrundenspiele eher freundschaftlichen Charakter. Nun geht es ordentlich zur Sache.

Die Konkurrenz der drei Teilnehmer aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) – Adler Mannheim, RB München und Augsburger Panther – dürfte es in dieser Woche mit Saisonbeginn zu spüren bekommen: Das internationale Trio ist schon erstaunlich in Fahrt zu diesem frühen Zeitpunkt. Von insgesamt zwölf Spielen haben die drei deutschen Vertreter zehn gewonnen. RB München hat trotz (oder wegen) Jacksons Gezeter am Samstag in Ambri wieder gewonnen, Mannheim ist nach vier Siegen bereits vorzeitig für die K.o.-Runde der CHL qualifiziert und steht im Achtelfinale.

Dass sich die deutschen Klubs so gut schlagen, ist erfreulich für die Außendarstellung der DEL. Dass der erfolgreichste DEL-Trainer aller Zeiten in der Schweiz so ausrastet, dürfte dagegen dort weniger gut ankommen. Aber die CHL ist eben eine Veranstaltung mit vielen Nebeneffekten, da lernt sich Eishockey-Europa besser kennen.

Nicht nur durch Gebrüll, auch bei freundschaftlichen Begegnungen: So wurden etwa die Augsburger Panther bei ihrem Gastspiel bei den Belfast Giants von über 1000 Fans begleitet. Das Tourismusbüro in der nordirischen Metropole gab den Eishockey-Fans aus Schwaben gleich per Twitter einige Reistipps: Flussfahrt durch die Stadt machen und unbedingt ein Guinness trinken.

Zur Startseite