Schlechter Kompromiss. Uefa-Präsident Aleksander Ceferin kommt mit einem Abseitsvorschlag um die Ecke. Foto: Fabrice Coffrini/AFP
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Ceferin fordert neue Regel Der Uefa-Präsident will das Abseitsproblem nur verschieben

Geht es nach Aleksander Ceferin, soll es in puncto Abseits zukünftig toleranter zugehen. Das ist ein schlechter Kompromiss. Ein Kommentar.

Es gibt Wochen, in denen jeder Fußballer froh darüber sein kann, dass ein Funktionär ein Funktionär ist. Diese Woche ist so eine. In der sagte Aleksander Ceferin, Präsident des europäischen Fußballverbandes Uefa, der britischen Zeitung „Daily Mirror“, dass die Abseitsregel diskussionswürdig sei. Sein Vorschlag: eine Toleranz von zehn bis 20 Zentimetern einzuführen. Nur würde das den Fußball in der Causa Abseits überhaupt nicht weiterführen. Die Frage muss bleiben: Abseits, Ja oder Nein?

„Wenn man eine lange Nase hat, ist man heutzutage im Abseits“, sagte Ceferin. Übrigens auch Spieler mit großen Füßen. Dass es auch Vorteile mit sich bringt, weil diese Spieler einfacher Tore erzielen können? Passt nicht in Ceferins Argumentation. Die Linien würden ja ohnehin von Videoassistenten gezeichnet und seien deshalb so gesehen eine subjektive Zeichnung von objektiven Kriterien. Was schließlich auch falsch ist, da sich die Videoassistenten ja nicht aussuchen können, wo der vorletzte Verteidiger bei der Bewertung einer Abseitssituation steht – sondern nur die Technik an die Gegebenheiten anpassen. Es kann ja nicht sein, dass ein Spieler demnächst 20 Zentimeter im Abseits stehen darf, aber nicht 20,5.

Zugegeben, die Abseitsentscheidungen werden wenig einheitlich gepfiffen – auch nicht, seitdem der Videobeweis in den europäischen Wettbewerben eingeführt wurde. Doch wird daran auch keine Schein-Lösung mit einer Toleranz etwas ändern. Dieser Kompromiss würde das Problem nun mal eben nur zehn bis 20 Zentimeter nach hinten verschieben. Es führt, wie immer bei neuen Regeln, nichts an einer intensiveren Schulung der Videoschiedsrichter vorbei.

Diese wird es aller Voraussicht nach erst im kommenden Sommer geben. Was allemal besser ist, als das Abseitsproblem einfach zu verschieben – statt zu versuchen, es zu lösen.

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