Im DFB-Pokal lief es für die Leipziger schon einmal ganz gut. Foto: dpa
© dpa

Bundesliga-Saisonvorschau (16) Für RB Leipzig wird es anspruchsvoll

Ohne Timo Werner dürfte eine weitere Steigerung von RB Leipzig in dieser Saison schwierig werden. Oben mitmischen wird das Team aber auch diesmal wieder.

Am 18. September startet die Fußball-Bundesliga in die neue Saison. In unserer Serie testen wir die Vereine. Heute Teil 16: RB Leipzig.


Was hat sich verbessert?

In Leipzig sind sie vergangene Saison einem Titel ein Stück näher gekommen, aber genauer betrachtet war es nicht so. Nach der Hinrunde mit Herbstmeisterschaft (Trainer Julian Nagelsmann: „Die ist mir scheißegal“) stotterte die Mannschaft schließlich knapp auf Platz drei ins Corona-Bundesliga-Ziel, 16 Punkte hinter den Meisterbayern. Das internationale Ausrufezeichen in der Corona-Endrunde der Champions League war achtbar, die Halbfinal-Niederlage gegen den späteren Zweiten Paris Saint-Germain allerdings eindeutig. Aber: Nun kennen sie alle die Rasenballsportler in Europa. Leipzig, für die meisten Studenten längst die lebenswerteste Stadt des Landes, ist damit auf der Landkarte. Das ist eine echte Verbesserung.

Wer sind die Neuen?

Die Frage ist natürlich wie in der vergangenen Saison, was der Trainer aus den Neuen macht. Julian Nagelsmann hat vergangene Saison gesagt, dass er keinen 18 Jahre alten französischen Multimillionen-Einkauf braucht, dem er dann erst einmal ein Jahr lang seine Spielphilosophie beibringen muss. So betrachtet hat er diesmal weniger Arbeit vor sich: Hee-chan Hwang ist schon sechs Jahre älter als 18 und ist für satte 15 Millionen Euro, haha, von RB Salzburg gekommen. Allerdings ist er Koreaner und soll Patrik Schick (zurück zu Bayer Leverkusen) ersetzen. Der nach England abgewanderte Timo Werner wird hingegen kaum zu ersetzen sein. Die anderen semiprominenten Zugänge sind etwas jünger als Hee-chan Hwang, Torwart Josep Martinez (22, zuvor UD Las Palmas) und Defensivmann Benjamin Henrichs (23, zuletzt AS Monaco). Die Jungs dahinter sind allesamt Teenager und kommen bis auf Lazar Samardzic (Hertha BSC) von den eigenen A-Junioren und haben laut Nagelsmann natürlich großes Potenzial. Muss mal was rauskommen, bei den Investitionen in den Nachwuchs.

Wer hat das Sagen?

Der Hauptgesellschafter hat seinen Sitz bekanntermaßen zwar in Fuschl am See, dauert mit dem Privatjet von Salzburg nach Leipzig aber kaum länger als von Stuttgart nach Basel. Trotz knapper Mehrheit der Anteile von 99 Prozent dringt von Getränkemulti Dietrich Mateschitz so gut wie nichts zum Klub nach außen. Manchmal ist er da, aber immer – so wirkt es – lässt er die Männer vor Ort machen. Aber klar, wer so weit oben steht wie der Chef des Ganzen, der muss auch nichts sagen, wenn es läuft. Spannend wird es, wenn es mal nicht laufen sollte. Als es in der Hinrunde im Oktober nicht so lief, sagte Nagelsmann nach einem 1:2 in Freiburg salopp: „Der Druck, der eh schon ein bisschen da war, ist heute auf den Mann im schwarzen Hoodie nicht kleiner geworden.“ Nagelsmann wusste, wovon er redet und vielleicht auch, wer demnächst mit ihm reden könnte.

Was erwarten die Fans?

Um die ganz großen Spiele in der Champions League (Lyon und Paris) sind die Fans von der Pandemie betrogen worden. Die Erfolge in Europa mussten sie also im Stillen feiern. Erst einmal erwarten die Fans nun wohl, dass sie wieder ins Stadion können. Aber immerhin sollen ja zum Start jetzt rund ein Viertel der Sitze besetzt werden dürfen (siehe unten). Einen Titel erwartet in Leipzig niemand, ein kleiner Vorteil gegenüber dem BVB, egal hinsichtlich der Bayern, die kratzt ja nichts. Nagelsmann hatte allerdings bei Amtsantritt vor einem Jahr einen Titel versprochen – innerhalb von vier Jahren. Das haben alle Fans gehört. Jetzt hat der Trainer noch drei Jahre Zeit, die Uhr tickt.

Was ist in dieser Saison möglich?

National gibt es für Leipzig keine Titel zu gewinnen, auch kaum im Pokal, da sind sie 2019 an Bayern im Finale gescheitert. Der Kampf um Platz zwei in der Liga wird haarig, der Abstand zur forscheren jungen Borussia aus Dortmund ist mit dem Abgang von Timo Werner zum FC Chelsea gewachsen. Aber es gibt ja Nagelsmanns Ideen. Im ersten Jahr setzte der Trainer immer mehr auf langen Ballbesitz, Überfallfußball könnte weniger eine Rolle spielen ohne Verwerter Werner. Leipzig hat vergangene Saison 81 Bundesliga-Tore geschossen (acht davon in einem Spiel gegen Mainz – Rekord), 28 davon gehörten Werner.

Und sonst?

Falls der Trainer einen neuen Hoodie braucht, dann sollte er schleunigst in den offiziellen Fanshop schauen: Der „RBL Fan Vibe Zip Hoodie“ wurde dort just von 69,95 Euro auf schlappe 34,95 Euro heruntergesetzt. Der Kapuzenpullover aus Baumwolle und Polyester im „Color-Block-Design“ ist laut Anbieter ideal für den Ausflug ins Stadion. Denn: „In diesem gemütlichen Hoodie bleibst du am Spieltag warm und zeigst deinen Stolz auf deine Mannschaft.“ Ist für den Fan eher eine Investition in die Zukunft. Zum Heimauftakt gegen Mainz am Sonntag dürfen die Leipziger 8500 Zuschauer begrüßen, die werden wohl noch T-Shirt tragen und hoffen, dass der Hoodie im Herbst zum Einsatz kommt. Hoffentlich nicht im Geisterspieleinsatz auf dem heimischen Sofa, wenn das sächsische Hygienekonzept dann doch versagt hat.

Bisher erschienen:

Teil 1: VfB Stuttgart – sympathisch und unerfahren wie nie
Teil 2: Arminia Bielefeld ist immer für eine Überraschung gut
Teil 3: Werder Bremen will endlich wieder Spaß
Teil 4: Der FC Augsburg sucht eine neue Hierarchie
Teil 5: Glück allein wird dem 1. FC Köln nicht reichen
Teil 6: Mainz 05 will aus der Jugend eine Tugend machen
Teil 7: Auf Schalke glänzt nur noch die Knappenschmiede
Teil 8: Der 1. FC Union ist auf allen Ebenen aktiv
Teil 9: Hertha BSC und ein Sack voller Zweifel
Teil 10: Bei Eintracht Frankfurt tragen sogar die Stars Preisschilder
Teil 11: Der SC Freiburg und die Grenzen der eigenen Möglichkeiten
Teil 12: Der VfL Wolfsburg muss plötzlich auf jeden Euro achten
Teil 13: Die TSG Hoffenheim setzt alles auf Attacke - wie immer
Teil 14: Bei Bayer Leverkusen steht der nächste Havertz schon bereit
Teil 15: Marco Rose tut Borussia Mönchengladbach gut

Zur Startseite