Da ist das Ding: Die Braunschweig Lions dürfen nach ihrem Sieg im German Bowl die Trophäe stemmen. Foto: Patrick Schreiber/Imago
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Braunschweig gewinnt den German Bowl Ein Finale neuer Dimensionen

Das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft im American Football zeigt, wo die Sportart in Deutschland hinwill. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Der Touchdown von Braunschweigs Christopher McClendon Mitte des dritten Viertels des German Bowls fühlte sich wie eine Erlösung an. Denn er brachte im Finale um die Deutsche Meisterschaft im American Football nicht nur ungewöhnlich spät die ersten Punkte auf die Anzeigetafel der Frankfurter Arena. Er war auch der Anfang vom Ende der historischen Siegesserie der Schwäbisch Hall Unicorns – gleichbedeutend damit, dass die Braunschweig Lions die goldene Trophäe zum zwölften Mal im 41. Anlauf mitnehmen durften.

„Die 50 Siege waren heute egal, heute zählte nur dieses eine Spiel“, sagte Jadrian Clark, der Quarterback der Unicorns, enttäuscht. Und in diesem einen Spiel verlor Schwäbisch Hall nun mal ausgerechnet gegen die Braunschweiger, deren Spielmacher Clark in der vergangenen Saison noch war. Doch gegen wen auch sonst?

Schließlich sind die Braunschweig Lions Rekordsieger des German Bowls, neben den Schwäbisch Hall Unicorns das beste deutsche Football-Team der letzten Jahre und fegten ebenso ohne jeglichen Punktverlust bis ins Finale. Ein Finale, in dem vor allem Liebhaber der Defensive auf ihre Kosten kamen. Ein 0:0 zur Halbzeit? Extrem ungewöhnlich, das kam in dieser Saison zuvor auch nicht vor. Ein 10:7 zum Schluss? Weniger Punkte gab es in einem German Bowl noch nie.

Und trotzdem war Patrick Finke, der wichtigste Braunschweiger Defensivspieler, nicht ganz zufrieden. „Schwäbisch Hall hat gescoret. Wir haben uns als Defense vorgenommen, zu null zu spielen“, sagte der 36-Jährige, für den es das letzte Spiel seiner Karriere war. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Offensivreihen beider Mannschaften keinen besonders guten Tag erwischten. „Wir haben nur zweimal gepunktet, obwohl wir sechs, sieben Mal die Möglichkeit dazu hatten“, erklärte Troy Tomlin, Coach der Lions.

Und immer, wenn es gefährlich wurde, war ein Mann beteiligt: Christopher McClendon. „Wir haben darüber das ganze Jahr gesprochen“, sagte er. „Nur zusammen konnten wir das schaffen – und dieses Team verdient es wirklich.“ Allerdings war er derjenige, der aus dem Team hervorstach und somit auch als wertvollster Spieler ausgezeichnet wurde. Und der 26-Jährige ist Superlative gewohnt, ist am College in Oklahoma noch immer der zweitbeste Runningback der Schulgeschichte – und war 2016 sowie 2017 schon der beste in der German Football League (GFL). Nach seinem Wechsel zu Braunschweig 2018 fiel er sofort mit einer Knieverletzung aus – wie wichtig er für das Team ist, zeigte sich spätestens am Samstag.

Nasser Rasen, halbleere Ränge

McClendon war der einzige, der mit dem rutschigen Rasen einigermaßen klarkam. Denn auch der war ein Faktor für die schlechte Punkteausbeute beider Teams. Sobald ein Offensivspieler im vollen Lauf die Richtung veränderte, verlor er den Stand. Als Ausrede wollte Unicorns-Coach Neuman das aber nicht gelten lassen. „Natürlich haben wir gemerkt, dass es nass ist. Aber letztlich waren die Bedingungen für beide Teams gleich“, sagte er.

Gleiches galt auch für die äußeren Umstände. Das Spiel fand trotz eines Zuschauerrekords für German Bowls ohne Beteiligung einer Heimmannschaft vor halbleeren Rängen statt. Trotz 20 382 Zuschauern kam die Arena, die rund 48 000 Leute fasst, ein wenig überdimensioniert daher für eine Sportart, die in Deutschland noch keinen sonderlich großen Stellenwert hat. Noch nicht. Denn das Stadion steht symbolisch dafür, wo die GFL hinwill.

Denn es geht um nichts anderes, als die Zuschauer mit der Aussicht auf eine tolle Stimmung in einem großen Stadion zu locken. Deshalb kehrte der German Bowl in diesem Jahr nach 2010 aus Berlin nach Frankfurt zurück – und bleibt dort bis mindestens 2024. Dass die Arena bis dahin auch nur einmal ausverkauft sein wird, ist unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist da schon eher, dass die Mannschaften auf dem Platz immer die gleichen sein werden.

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