Hohe Kunst. Zuspieler Sergej Grankin hebt die BR Volleys auf ein neues Niveau. Foto: Imago/Bernd König
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BR Volleys vor dem Pokal-Halbfinale Die hohe Kunst des Sergej Grankin

Vor allem dank Sergej Grankin spielen die BR Volleys bisher eine überragende Saison. Nun soll er die Berliner am Sonntag ins Pokalfinale führen.

Er sei niemand, der sich immerzu auf die Schulter klopfe, wenn ihm etwas gelinge, sagt Kaweh Niroomand. Doch bei einer Personalie würde es dem Manager der BR Volleys sicher niemand im Vereinsumfeld verübeln. Einer Personalie, die eng mit dem Höhenflug der Volleys in diesem Jahr verbunden ist: Sergej Grankin.

Seit Januar, seit Grankin nach Berlin gewechselt ist, haben die Volleys nur ein Heimspiel verloren – gleich das erste, als der russische Zuspieler gerade einmal wenige Tage da war. In seinem zweiten Volleys-Spiel wurde er gleich zum „Spieler des Spiels“ auserkoren – auswärts in Herrsching. Also bei jenem Gegner, auf den die Berliner an diesem Sonntag (15 Uhr/Sport 1) im Pokal-Halbfinale in der Max-Schmeling-Halle treffen.

„Was Sergej Grankin macht, ist hohe Kunst“

Wenn derzeit von der unheimlichen Selbstverständlichkeit der Berliner Erfolge und einem starken Kollektiv die Rede ist, wird jedoch keiner der Verantwortlichen und Mitspieler müde zu betonen, dass all das ohne Grankin nicht möglich wäre. Stellvertretend für die Mannschaft brachte es Kapitän Moritz Reichert am vergangenen Dienstagabend nach einer weiteren Weltklasse-Leistung Grankins in der Champions League gegen Ljubljana auf den Punkt: „Er hat so eine besondere Übersicht im Spiel und macht es uns im Angriff deshalb leicht zu punkten.“

In den vergangenen Wochen hatten immer entweder Benjamin Patch oder Samuel Tuia die Spiele für die Volleys entschieden. Doch ohne Grankins Zuspiele wären ihre wuchtigen Schläge nicht unretournierbar in der gegnerischen Hälfte gelandet. Patch sei „einer, der am höchsten springenden Spieler der Welt, aber Sergej weiß eben auch, wie man dies nutzt. Bei seinen Pässen stimmen Timing und Höhe“, betonte Trainer Cedric Enard nach dem 3:0 gegen Ljubljana.

Niroomand setzte sogar noch einen drauf, indem er sagte: „Das, was Sergej Grankin macht, ist hohe Kunst. Er hat Spaß dabei und schaltet auch am schnellsten.“ Was Niroomand meinte: Grankin war nahezu überall zu finden, zwischenzeitlich sogar im für ihn ungewohnten Mittelblock – und auch dort machte er seine Sache wenig überraschend gut.

Viel Grund zum Jubeln. Sergey Grankin ragt aus dem Kollektiv heraus. Foto: Imago/Bernd König Vergrößern
Viel Grund zum Jubeln. Sergey Grankin ragt aus dem Kollektiv heraus. © Imago/Bernd König

Es war dem 34-Jährigen in jeder Sekunde, bei jedem Zuspiel anzumerken, dass er die große europäische Bühne vermisst hatte. Zwar waren die Berliner auch in der vergangenen Saison in der Champions League dabei. Nur durfte Grankin nicht mitwirken, weil er Ende 2018 schon mit seinem früheren Klub Dynamo Moskau im wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb gespielt hatte.

Für Grankin – Zuspieler der russischen Nationalmannschaft und erster Olympiasieger, der in Berlin Volleyball spielt –, ist der Deutsche Meister die erste Auslandsstation seiner Karriere. Zuvor spielte er zwölf seiner 13 Profijahre in seiner russischen Heimat in Moskau. Berlin sei für ihn „ein Abenteuer“, sagt Grankin, der zunächst bis zum Sommer dieses Jahres unterschrieben hatte – den Vertrag aber um ein Jahr verlängerte.

BR Volleys dürfen Herrsching nicht unterschätzen

Grankin ist einer der Berliner Vielspieler, die im Sommer fast gar keine Pause hatten. Denn mit Russland war er beim World Cup in Japan aktiv. Doch eine eventuelle körperliche Müdigkeit ist von außen in seinem Spiel nicht sichtbar. Und doch wird er sicherlich jede Möglichkeit, im Spiel mal kurz verschnaufen zu dürfen, gerne wahrnehmen.

Auch am Sonntag gegen Herrsching wird Grankin wohl nicht durchspielen müssen. Trainer Enard kann das auch ruhigen Gewissens tun, da die Volleys mit Pierre Pujol einen Ersatz im Kader haben, der bei jedem anderen deutschen Klub Stammspieler wäre.
Dennoch werden die Volleys die Herrschinger nicht unterschätzen. Zwar hatten sie in der Bundesliga vor vier Wochen beim 3:0 keine Probleme mit den Bayern, aber das Team vom Ammersee fügte am vergangenen Wochenende dem amtierenden Pokalsieger VfB Friedrichshafen in der Bundesliga die erste Niederlage zu.

Die erste Niederlage der Saison hatte Friedrichshafen ja bereits im Pokal-Viertelfinale gegen die Berliner vor wenigen Wochen hinnehmen müssen. Spieler des Spiels war: Sergej Grankin.

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