Unersetzlich. Ohne Kapitän Marco Reus ist der BVB nur halb so viel wert. Foto: Bernd Thissen/dpa
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Borussia Dortmund Zu große Abhängigkeit von Marco Reus

Das BVB-Aus in der Champions League verdeutlicht das große Problem: Spielt Reus nicht, gerät das Gleichgewicht im Team aus den Fugen. Ein Kommentar.

In der 74. Spielminute erhob sich das Publikum im Dortmunder Stadion von den Plätzen und applaudierte. Nicht, weil der BVB ein Tor geschossen hatte. Zu diesem Zeitpunkt war das Ausscheiden aus der Champions League schon besiegelt. In Addition des Hin- und Rückspielergebnisses stand es 0:4 aus Sicht von Borussia Dortmund. Doch letztlich standen die Zuschauer genau deshalb auf: weil es keine Hoffnung mehr gab. In dieser 74. Minute applaudierte Kapitän Marco Reus in die Gegenrichtung und ging vom Platz. Es war ein Sinnbild des Abends, der so hoffnungsvoll begonnen hatte. So wie der ganze Abend ein einziges Sinnbild der vergangenen Wochen war.

Reus war nach dem 0:1 kurz nach der Pause anzumerken, dass er nicht ganz fit war. Erst am Freitag in Augsburg hatte er nach gut vierwöchiger Pause sein Comeback gegeben. In der ersten Hälfte gegen Tottenham hatte er zusammen mit seinen Teamkollegen ein Offensivfeuerwerk abgefackelt. Ein Tor wollte aber einfach nicht fallen, trotz elf Torschüssen. Auf der Gegenseite saß dann gleich der erste Torschuss von Harry Kane.

Ohne Reus gerät das Gleichgewicht aus den Fugen

Und dass die Dortmunder nach dem Rückschlag und der Fünf-Tore-Hypothek nicht mehr zurückkamen, hängt letztlich vor allem mit dem Namen Marco Reus zusammen. Seit er sich im Pokalspiel gegen Werder Bremen verletzte, geht es bei der Borussia bergab. Sie schied im Pokal aus, nun auch in der Champions League und gewann in der Liga nur noch ein Spiel. Spielt Reus nicht, gerät das Gleichgewicht in der Mannschaft aus den Fugen.

Reus ist jemand, an dem sich die jungen Spieler aufrichten. Und von diesen gibt es viele im Team. In Torwart Roman Bürki, den defensiven Mittelspielern Thomas Delaney und Axel Witsel sowie Mario Götze gibt es lediglich vier Stammspieler neben Reus, die älter als 25 sind. Die Verantwortlichen haben es vor der Saison zwar geschafft, die Achse mit Delaney und Witsel zu stärken, waren sich aber nicht bewusst, wie wichtig Reus für dieses junge Gebilde ist. Sie sind ein Risiko gegangen. Gerade weil er immer wieder von Verletzungen geplagt war. Das rächt sich nun.

Und wenn sich Trainer Lucien Favre entscheidet, den mit Abstand wichtigsten Mann aus freien Stücken vom Platz zu nehmen, dann weiß jeder Dortmunder, wie es um die Mannschaft bestellt ist. Wie in jener 74. Minute am späten Dienstagabend.

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