Abflug. Dortmunds Christian Pulisic (l.) spielt den Ball ab der neuen Saison für Chelsea. Foto: Marcel Kusch/dpa
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Borussia Dortmund Christian Pulisic wechselt im Sommer nach London

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Der BVB lässt den 20-Jährigen für 64 Millionen Euro zum FC Chelsea ziehen. Einen Nachfolger haben die Dortmunder auch schon im Visier.

Fußballfans betrachten Transfers meist eher aus einer emotionalen als einer wirtschaftlichen Perspektive, gerade wenn es um Spieler aus dem eigenen Nachwuchs geht, um Eigengewächse, Identifikationsfiguren. In diese Kategorie passt auch der 20 Jahre alte Christian Pulisic bei Borussia Dortmund, den Abgang des US-Amerikaners zum FC Chelsea nehmen die Fans des BVB aber überraschend gelassen.

Ganz im Gegenteil, viele würden Manager Michael Zorc für den Transfer am liebsten einen Orden verleihen – aus wirtschaftlicher Sicht nicht ganz zu Unrecht. Denn einen talentierten Spieler mit nur noch anderthalb Jahren Vertragslaufzeit, der kein Interesse an einer Verlängerung hat und in seiner sportlichen Entwicklung zuletzt bestenfalls stagniert, für 64 Millionen Euro zu verkaufen, ist vermutlich nicht das schlechteste Geschäft. Zumal der BVB Pulisic bis zum Saisonende ohne Gebühr ausleiht und seinen Kader im Kampf um die erste Meisterschaft seit 2012 nicht schwächt.

Der ab dem Alter von 16 Jahren beim BVB ausgebildete Pulisic ist damit nach dem ehemaligen Dortmunder Ousmane Dembélé (FC Barcelona/105 Millionen Euro), dem früheren Wolfsburger Kevin De Bruyne (Manchester City/75 Millionen Euro) und dem einstigen Leipziger Naby Keita (FC Liverpool/70 Millionen Euro) der viertteuerste Profi, der aus der Bundesliga ins Ausland wechselt.

BVB hat Thorgan Hazard im Blick

Nach vielen vergeblichen Versuchen, Pulisic zu einer Verlängerung seiner bis 2020 datierten Zusammenarbeit zu bewegen, stimmte die BVB-Führung dem ungewöhnlichen Deal zu. „Es war immer Christians großer Traum, in der Premier League zu spielen. Das hat sicher auch mit seiner amerikanischen Herkunft zu tun, und infolgedessen war es uns nicht möglich, seinen Vertrag zu verlängern", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc. „Vor diesem Hintergrund haben wir uns dafür entschieden, ein – angesichts der geringen Vertragsrestlaufzeit – außerordentlich lukratives Angebot des FC Chelsea nun anzunehmen.“

Der Bitte der Briten nach einem Wechsel bereits in der Winterpause kam der Bundesliga-Tabellenführer jedoch nicht nach. Schließlich soll die Chance auf die Meisterschaft nicht verspielt werden. Deshalb hatte Zorc bereits vor Wochen Transfers ausgeschlossen, die mit einer Schwächung des Teams in dieser Saison einhergehen.

Der Sportdirektor hegt keine Bedenken, dass es Pulisic in der Rückrunde an Motivation mangeln könnte. „Christian Pulisic ist ein charakterlich einwandfreier Spieler. Ich bin sicher, dass er in den kommenden Monaten alles dafür tun wird, um seine große Qualität ins Team einzubringen und unsere sportlichen Ziele zu erreichen“, sagte Zorc.

Mit dem Verkauf von Pulisic verliert der BVB erneut ein vielversprechendes Talent. Nach seinem Profidebüt im Januar 2016 absolvierte er mehr als 100 Pflichtspiele, erzielte 15 Tore und wurde zum jüngsten Kapitän der US-Nationalmannschaft. „Ich wäre nicht dort, wo ich heute bin ohne den BVB“, schrieb Pulisic in den sozialen Medien. „Viele, viele unvergessliche Momente stechen aus all der Zeit heraus. Sie alle schon vor meinem 20. Geburtstag erlebt zu haben, fühlt sich teilweise noch immer wie ein Traum an.“

Zuletzt lief es für Pulisic allerdings nicht mehr so gut. Seinen Stammplatz in Dortmund hatte er an den erst 18 Jahre alten Jadon Sancho verloren. Dem Vernehmen nach hat beim BVB die Suche nach einem Ersatz für Pulisic längst begonnen. Angeblich soll Thorgan Hazard die Lücke schließen. Der 25 Jahre alte Belgier steht bis 2020 beim Ligakonkurrenten Borussia Mönchengladbach unter Vertrag. Für BVB-Coach Lucien Favre ist Hazard kein Unbekannter: Beim Wechsel des Außenstürmers 2014 auf Leihbasis nach Mönchengladbach war der Schweizer sein Trainer. (Tsp/dpa)

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