Ohne Kontakt und Spielformen. U-17-Nationalspielerin Mona Sarr (vorne) bei der Mustertrainingseinheit. Foto: BFV
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BFV demonstriert Konzept Wie in Berlin trotz Coronavirus Fußball trainiert werden soll

Ab Freitag darf in Berliner Fußballvereinen wieder trainiert werden. Wie das funktionieren wird, demonstrierte der BFV nun mit einer Mustertrainingseinheit.

Ein Flipchart auf dem Fußballfeld – allein schon daran war am Mittwoch zu erkennen, dass die Trainingseinheit im Sportforum Hohenschönhausen nicht beliebig werden würde. Im Halbkreis darum, zwischen Tor und Eckfahne, hatten sich drei Schülerinnen und sieben Schüler des Schul- und Leistungssportzentrums Berlin (SLZB) versammelt.

Jeder hatte ein kleines Hütchen vor sich, das jeweils eineinhalb Meter Abstand zum nächsten nach vorne und zur Seite hatte. Die Verbandssportlehrer Ailien Poese und Henry Rehnisch trugen den Schülern vor, was sie beim Training zu beachten haben. Dann spielten sie Fußball – erstmals seit knapp zwei Monaten.

Flipchart und Hütchen. Ungewohnte Umstände für die Schülerinnen und Schüler. Foto: BFV Vergrößern
Flipchart und Hütchen. Ungewohnte Umstände für die Schülerinnen und Schüler. © BFV

Seit vier Wochen beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe des Berliner Fußballverbandes (BFV), des Landessportbundes (LSB), des SLZB und Sportmediziner Bernd Wolfarth von der Charité mit dem Fall, der in der vergangenen Woche eintrat. Den Fall, dass es ein konkretes Datum gibt, ab dem wieder Sport in Gruppen im Freien erlaubt ist.

Ab Freitag dürfen Kleingruppen von bis zu acht Personen wieder Sport treiben, demnach auch Fußball spielen – so sie denn die Abstands- und Hygieneregelungen einhalten. Das ist eine der neuen Lockerungen in der Coronavirus-Krise. Konzept und Trainingsformen stellte der BFV am Mittwoch vor – und erhielt dafür von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport eine Sondergenehmigung.

Was trainiert werden soll und darf, steht groß und breit auf einer Seite des Flipcharts: Ballgefühl, Dribbling, Fintieren, Passen, Torschuss, Athletik, Freilaufen und Timing sowie Torwarttraining. „Es ist der perfekte Zeitpunkt, um an technischen Problemen zu arbeiten“, sagt Verbandssportlehrerin Ailien Poese.

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Zum Beispiel durch Wiederholungen. Beim Torschuss haben die Schüler das auch dringend nötig – denn den konnten sie lange nicht trainieren. Links, rechts und oben fliegen die Bälle vorbei. „Torschuss ist eben mehr als Vorlegen und Draufdonnern“, sagt Rehnisch. Das ist nicht zu übersehen.

„Das war mein erstes Training seit zweieinhalb Monaten. Ich merke, dass ich aus der Übung gekommen bin“, sagt Mona Sarr vom SV Empor Berlin. Sie ist U17-Nationalspielerin und eine der drei Schülerinnen, die die Mustertrainingseinheit vormachen. „Wir wussten nicht, wofür wir uns fit halten, deshalb war es schwierig“, sagt Mona Sarr. „Es ist anders als sonst, so ganz ohne Zweikämpfe und Spielformen.“

Das Konzept, das die Arbeitsgruppe erarbeitet hat, steht den Berliner Vereinen bereits zur Verfügung. Wann sie mit dem Training beginnen, ist ihnen überlassen – insofern nicht das Bezirksamt eigene Vorgaben macht. In Spandau ist Training beispielsweise erst ab Montag möglich.

Vorbildlich: Abstand als oberste Priorität. Foto: BFV Vergrößern
Vorbildlich: Abstand als oberste Priorität. © BFV

Bedient hat sich die Arbeitsgruppe beim DFB, der in der vergangenen Woche einen Leitfaden für die Landesverbände veröffentlicht hat. Der Leitfaden des BFV soll nun mehr regionalen Bezug haben.

Was das konkret heißt? „Die Platzsituation in Berlin ist eine ganz andere als in anderen Landesverbänden“, nennt BFV-Geschäftsführer Kevin Langner ein Beispiel. In anderen Landesverbänden gebe es nun mal weniger große Vereine und häufig nicht mehrere Nutzer von Sportplätzen.

Im Leitfaden steht beispielsweise, dass Personen zu Hause bleiben sollen, wenn sie sich krank fühlen oder ein Mitglied des eigenen Hausstandes sich krank fühlt. Gibt es einen Coronavirus-Fall im Hausstand, so darf die Person mindestens 14 Tage lang nicht am Training teilnehmen. Angehörige von Risikogruppen sollten nur individuell trainieren.

Jeder Verein braucht einen Coronavirus-Beauftragten

Um die Infektionsketten nachvollziehbar zu halten, sollen die Kleingruppen beim Training immer in gleicher Zusammensetzung zusammenkommen. Im BFV dürfen demnach jede Woche immer nur dieselben Spieler, maximal sieben, plus Trainer als Gruppe trainieren. In jedem Verein soll es zudem einen Coronavirus-Beauftragten geben.

Für das Training sieht das Konzept vor, dass die Personen frühestens zehn Minuten vorher vor Ort sein dürfen, bereits umgezogen oder mit der Absicht, sich am Platz umzuziehen. Nach dem Training sollen sich die Sportler, nach dem Händewaschen, auf direktem Wege zurück nach Hause begeben, wo sie auch duschen. Trinken dürfen sie zudem nur aus eigenen Flaschen, die zu Hause gefüllt wurden.

Auf den Sportanlagen dürfen sich nur die Sportler aufhalten – bringen und abholen sollen Eltern ihre Kinder nur bis zur oder von der Sportanlage. Eine Ausnahme bilden nur Mannschaften, in denen Kinder die gebotenen Hygieneregeln nicht selbst einhalten können.

Hat auch seine Vorteile: Verbandssportlehrer Henry Rehnisch beim Training. Foto: BFV Vergrößern
Hat auch seine Vorteile: Verbandssportlehrer Henry Rehnisch beim Training. © BFV

Auch deshalb empfiehlt der BFV den Vereinen, erst die oberen Altersklassen wieder trainieren zu lassen. Trainer müssen Mundschutz immer in der Tasche haben, falls sie mal erste Hilfe leisten müssen beispielsweise und dadurch den Abstand auf unter eineinhalb Meter verringern.

Von Seiten des BFV werde es keinen Strafenkatalog geben, Sanktionen seien Sache der Bezirksämter, bestätigt Geschäftsführer Langner. „Wir hoffen auf gesunden Menschenverstand und ein hohes Maß an Eigenverantwortung“, sagt er – kontrollieren könnten sie nicht überall.

Eine weitere Empfehlung des BFV ist, klein anzufangen – mit acht Personen pro Halbfeld. Alle Bezirke hätten vor, sich daran zu halten, teilte der BFV am Mittwochabend mit.

„Wir haben keinen Spielbetrieb und deshalb auch keinen Stress“

Das findet Verbandssportlehrer Henry Rehnisch auch notwendig. „Wer nicht spurt, den schließen wir aus“, gibt er seinen zehn Schülern beim Training mit auf den Weg. Gerade in dieser Zeit käme Trainern eine immense Verantwortung zu, sagt Rehnisch. Die Trainer und Vereine müssten einen Plan haben, deshalb geht er als Verbandssportlehrer beispielsweise zu den Klubs, in denen seine Leistungssportler spielen.

Rehnisch ist der Meinung, dass nur Trainer, die vom Konzept überzeugt sind und sich das Training zutrauen, unter den momentanen Gegebenheiten trainieren sollten. Für ihn ist ein genauer Plan wichtiger als möglichst früh wieder auf den Platz zurückzukehren.

„Wir haben keinen Spielbetrieb und deshalb auch keinen Stress. Alle sollten sich hinsetzen und sich Gedanken machen, ob und wie sie das Trainingskonzept umsetzen können“, sagt Rehnisch. „Sie haben jetzt zweieinhalb Monate kein Fußball gespielt, da kommt es nicht auf ein paar Tage an“, sagt Rehnisch. So könnten alle Berliner Vereine das Wochenende nutzen – und wie in Spandau am Montag starten.

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