Torschütze Marc-Oliver Kempf jubelt über Stuttgarts 1:0, die Herthaner lamentieren zu Unrecht. Foto: Imago/Pressefoto Baumann
© Imago/Pressefoto Baumann

Update Berliner verlieren 0:2 gegen Stuttgart Es wird schon wieder ungemütlich für Hertha BSC

Das Bemühen konnte man den Berlinern nicht absprechen, aber Hertha BSC vergab einfach zu viele Chancen. Der VfB Stuttgart hingegen spielte effektiv.

Ganz am Ende des unterhaltsamen Nachmittags gab es viele leere Blicke. Die Profis Hertha BSC trotteten geschlagen vom Rasen des Olympiastadions. Nach einer schwachen ersten Halbzeit, in der sie in Rückstand geraten waren, hatten die Berliner sich im zweiten Abschnitt steigern können. Sie hatten viel probiert, standen aber am Ende mit leeren Händen da und verloren 0:2 (0:1) gegen den VfB Stuttgart.

Vor 4000 Zuschauern war es die zweite Heimspielniederlage für die Berliner, diesmal gegen einen ersatzgeschwächten Aufsteiger. Hertha steht nach vier Spieltagen mit drei Punkten unten drin und damit gehörig unter Druck. Es wird wohl schon wieder ungemütlich. Und kommenden Samstag geht es zu RB Leipzig.

„Wir haben uns das komplett anders vorgestellt“, sagte Bruno Labbadia nach dem Spiel und sprach von einer billigen Niederlage: „Es war nicht so, dass der VfB so stark war, dass wir hier 0:2 verlieren müssen.“ Herthas Trainer hatte im Vergleich zum 3:4 beim FC Bayern vor der Länderspielpause seine Startelf auf zwei Positionen verändert.

Mathew Leckie und Marvin Plattenhardt ersetzten Deyovaiso Zeefuik und Dodi Lukebakio, die beide später kommen sollten. Ausgedünnter war die Personaldecke im zentralen Mittelfeld bei den Berlinern, wo Neuzugang Matteo Guendouzi und der ehemalige Stuttgarter Santiago Ascacibar nicht spielen konnten. Labbadia vertraute hier Lucas Tousart und Maximilian Mittelstädt, der aushelfen musste. „Es ist sehr ärgerlich, wir hätten heute drei Punkte gebraucht“, sagte Mittelstädt.

Den besseren Start erwischte die Gästemannschaft von Trainer Pellegrino Matarazzo. Tanguy Coulibaly überrannte Leckie und flankte von der linken Seite in die Strafraummitte, wo der Zweimetermann Sasa Kalajdzic mit dem Kopf nur den Pfosten traf.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen.]

Auch Jhon Cordoba konnte nichts daran ändern: Der VfB Stuttgart gewann bei Hertha BSC. Foto: Andreas Gora/dpa Vergrößern
Auch Jhon Cordoba konnte nichts daran ändern: Der VfB Stuttgart gewann bei Hertha BSC. © Andreas Gora/dpa

Doch die Situation war nicht richtig bereinigt. Der VfB bekam einen Freistoß im linken Halbfeld zugesprochen, den der aufgerückte Verteidiger Marc Oliver Kempf recht freistehend per Kopf zur Führung einnickte. Hier hatte bei Hertha einfach die Zuordnung nicht gestimmt. Es war nun schon das fünfte Gegentor der Spielzeit nach einer Standardsituation.

Pekarik früh verletzt ausgewechselt

Die Berliner brauchten ein Weilchen, um sich einigermaßen zu fangen. Dann musste nach zwanzig Minuten Rechtsverteidiger Peter Pekarik vom Feld, der sich bei einer Offensivaktion verletzt hatte. Für ihn kam Zeefuik. Die Stuttgarter spielten direkter und mit mehr Tempo, doch die Berliner kämpften sich zurück.

Hertha hatte nun mehr vom Spiel, aber im vordersten Drittel mangelte es an Präzision und Stringenz. Beinahe hätten die Stuttgarter den Gastgebern geholfen. Nach einer eigentlich harmlosen Hereingabe machte der Stuttgarter Orel Mangala den Ball durch eine verunglückte Rettungsaktion erst richtig scharf. VfB-Torwart Gregor Kobel wickelte den Ball noch um den Pfosten zur Ecke.

Doch immer wieder brachte der Gastgeber sich durch unsaubere Abspiele oder unnötige Ballverluste in Bedrängnis. Zur Halbzeit wiesen die Stuttgarter zudem eine deutlich bessere Zweikampfquote auf, auch deshalb gab es Pfiffe von den Rängen.

Zu Beginn der zweiten Hälfte reagierte Labbadia. Für den schwachen Leckie kam nun Lukebakio ins Spiel. Doch bevor der überhaupt an den Ball kam, vergab Kalajdzic eine Riesenchance. Er köpfte aus Nahdistanz am Tor vorbei.

Doch dann kamen die Berliner auch zu Chancen. Die erste vergab Jhon Cordoba, dessen Drehschuss am Pfosten vorbei ging. Aber Hertha wirkte nun entschlossener. Dann war Lukebakio, der das Spiel belebte, drauf und dran, dem Stuttgarter Torwart den Ball abzuluchsen. Doch Cunha, der neben ihm stand, schoss Kobel an. Und wieder nur kurz darauf köpfte Herthas Abwehrchef Dedryck Boyata eine Ecke von Cunha knapp am Tor vorbei.

[Behalten Sie den Überblick über die Corona-Entwicklung in Ihrem Berliner Kiez. In unseren Tagesspiegel-Bezirksnewslettern berichten wir über die Krise und die Auswirkungen auf Ihre Nachbarschaft. Kostenlos und kompakt: leute.tagesspiegel.de.]

Der Ausgleichstreffer lag in der Luft

Die Berliner drängten auf den Ausgleich. Nach gut einer Stunde löffelte Tousart ein Anspiel von Lukebakio über das Tor. Der Ausgleichstreffer, der in dieser Phase in der Luft lag, wäre verdient gewesen. Das merkten auch die Schwaben, die zweimal wechselten.

Nun ging Labbadia volles Risiko. Für Linksverteidiger Plattenhardt brachte er den offensiven Javairo Dilrosun. Der war gerade auf dem Feld, als Zeefuik auf der anderen Seite einen Ball verlor und der VfB zum Gegenstoß kam. Kapitän Gonzalo Castro zog aus der Distanz ab und traf zum 2:0. Damit war das Spiel praktisch entschieden.

Labbadia probierte es in der Schlussphase noch mit zwei weiteren Wechseln, doch das gegnerische Tor blieb für seine Mannschaft wie vernagelt. Das Bemühen konnte man Hertha nicht absprechen, aber vieles wirkte planlos und ungeschickt.

Zur Startseite