Dreimal gewann Tirunesh Dibaba Gold bei Olympia (hier in London über 10.000 Meter). Nun strebt sie im Marathon nach Siegen. Foto: dpa
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Berlin-Marathon Tirunesh Dibaba: Große Ziele bei der Premiere

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Tirunesh Dibaba gilt als weltbeste Langstreckenläuferin – der Sieg beim Berlin-Marathon am Sonntag fehlt der Äthiopierin noch.

Zum ersten Mal ist Tirunesh Dibaba in Berlin. Als sie am Donnerstagmorgen ankam, regnete es – und die für sie so unbekannte Stadt lag den ganzen Tag unter einer grauen Wolkendecke. Berlin hätte auf die kleine, zierliche Äthiopierin also durchaus einen besseren Eindruck machen können. Aber all das störte sie nicht. „Ich fühle mich nicht fremd“, sagt sie. „Ich habe meine kleine Schwester Anna mitgebracht. So habe ich immer das Gefühl, ich nehme mein Zuhause mit.“ Es scheint, als hätte sich Dibaba gegen alles gewappnet. Eigentlich kann sie sich bei der 45. Auflage des Berlin-Marathons am Sonntag nur selbst schlagen.

Dibaba geht als große Favoritin in das Rennen. Und das liegt nicht nur an ihrer persönlichen Bestzeit über die 42,195 Kilometer: 2:17:56 Stunden lief sie vor einem Jahr in London. Es ist die drittschnellste jemals gelaufene Zeit bei den Frauen. Dibaba schaffte dies in ihrem erst dritten Marathon. Kurz danach gewann sie den Chicago-Marathon in einer weiteren Weltklassezeit.

Ihren Ausnahmestatus hat die 33-Jährige aber auch wegen ihrer überragenden Karriere auf der Stadionbahn inne. Sie hält seit zehn Jahren den Weltrekord über 5000 Meter (14:11,15 Minuten). Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking gewann sie Gold über 5000 und 10.000 Meter. Vier Jahre später in London schaffte sie es als bisher einzige Athletin, ihren Titel über die 10.000-Meter-Distanz zu verteidigen. Außerdem ist sie fünfmalige Weltmeisterin auf der Bahn und gewann noch drei Bronzemedaillen bei Olympia, zuletzt 2016 in Rio über 10.000 Meter, nach einer Babypause.

Dibaba will Marathon-Gold bei Olympia 2020

Doch das reicht Dibaba nicht. Und so sitzt sie am Donnerstagmittag mit ihrem schwarzen Sweatshirt in den tiefen weißen Sesseln bei der Pressekonferenz des Veranstalters – versinkt darin fast – und sagt: „Wenn es Gottes Wille ist, laufe ich eine neue persönliche Bestleistung.“ Dann würde sie den 13 Jahre alten Berliner Streckenrekord der Japanerin Mizuki Noguchi (2:19:12 Stunden) unterbieten. Und die Weltrekordzeit der Britin Paula Radcliffe (2:15:25) wäre nicht mehr allzu weit weg. Auch dazu sagt sie, in sich ruhend und voller Selbstbewusstsein: „Den Weltrekord zu knacken, wird schwierig. Aber ich werde ihn attackieren.“

Die Konkurrenz ist für Dibaba dieses Mal allerdings so stark wie noch nie in Berlin. Insgesamt starten vier Läuferinnen mit Bestzeiten von unter 2:20 Stunden, darunter die Vorjahressiegerin Gladys Cherono aus Kenia und deren Landsfrau Edna Kiplagat. Für Renndirektor Mark Milde ist jedoch Dibaba diejenige, die es zu schlagen gilt. „Sie kann sich im Rennen quälen wie kaum jemand“, sagt der 45-Jährige. „Nach all ihren Erfolgen hat sie immer noch einen enormen Antrieb.“ Und ihr großes Ziel ist für sie auch klar: „Ich will 2020 in Tokio Gold beim Olympia-Marathon gewinnen.“

Dieser Antrieb liegt auch in der familieninternen Konkurrenz begründet. Ihre drei Jahre ältere Schwester Ejegayehu Dibaba wurde 2004 bei Olympia in Athen Zweite über 10.000 Meter, ein Jahr später wurde sie bei Tirunesh Dibabas Doppel-WM-Sieg  in Helsinki über 5000 und 10.000 Meter jeweils Dritte. Eine weitere Inspiration für Dibaba ist ihre Cousine Derartu Tulu, die 1992 und 2000 Olympiasiegerin über 10.000 Meter wurde.

Das Familiäre ist derzeit nun auch in anderer Hinsicht eine Herausforderung. „Mutter und Läuferin zu sein, ist schwierig.“ Ihr drei Jahre alter Sohn Nathan renne auch schon viel, sagt Dibaba mit einem Lächeln. All den hohen Erwartungen, die in Äthiopien an sie gerichtet werden, versucht sie ebenfalls mit positiver Herangehensweise zu begegnen. „All unsere Läufe werden in der Heimat genau verfolgt. Das beflügelt mich, ich sehe es als Verpflichtung an, mein Land erfolgreich zu vertreten.“

Zuletzt hatte sie es mit dem Erfolgsstreben etwas übertrieben. Den London-Marathon im April musste sie abbrechen, weil sie zu schnell angegangen war. Das werde ihr nun nicht passieren, betont sie. „Ich bin bestens vorbereitet für Berlin.

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