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Michael Ojo wurde nur 27 Jahre alt. Foto: picture alliance/dpa
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Basketballer Ojo stirbt vermutlich an Corona-Folgen Der rätselhafte Tod des fröhlichen Riesen

Der Basketballer Michael Ojo stirbt beim Training. Erst heißt es, wegen eines Herzinfarkts. Dann wird seine Coronavirus-Erkrankung öffentlich.

So mancher Zuschauer blickte im vergangenen November in der Berliner Arena am Ostbahnhof mit großen Augen und offenem Mund auf das Parkett. Alba spielte in der Euroleague gegen Roter Stern Belgrad.

Ein Spieler schaffte es, die nun nicht gerade kleinen Basketballer größen- und muskelmäßig weit zu überragen. Mit Belgrads Michael Ojo – 2,16 Meter groß, rund 140 Kilogramm schwer – stand ein fürwahr sportliches Naturereignis auf dem Feld. Gegner wie Albas Johannes Thiemann, immerhin 2,05 Meter groß und rund 100 Kilogramm schwer, prallten an ihm ab wie Hänflinge aus einer anderen Sportart.

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Jenes sportliche Naturereignis wird nun nicht mehr zu bestaunen sein. Michael Ojo kollabierte am vergangenen Freitag im Training in Belgrad und verstarb. Wie nun bekannt wurde, war er zuvor an dem Coronavirus erkrankt. Sollte der Tod des 27-jährigen Basketballspielers unmittelbar mit der Viruserkrankung zusammenhängen, wäre Ojo vermutlich einer der ersten an Corona verstorbenen Profisportler.

„Michael war ein fröhlicher Riese. Er gewann drei Trophäen mit Roter Stern. Sein plötzlicher und schockierender Tod hat uns alle tief getroffen“, schrieb der Klub auf seiner Homepage. Ojo war in der Saison 2018/19 zu Roter Stern Belgrad gewechselt. Sein in der vergangenen Spielzeit ausgelaufener Vertrag war von dem serbischen Klub nicht verlängert worden. Seine Position soll in der kommenden Saison der frühere Alba-Spieler Landry Nnoko einnehmen.

Die Umstände des Todes sind noch ungeklärt

Die Umstände des Todes von Ojo sind immer noch nicht vollständig aufgeklärt. Zuerst hatte es geheißen, dass Ojo an einem Herzinfarkt gestorben sei. Erst Tage nach seinem Tod wurde dann die Corona-Erkrankung des Spielers öffentlich. Wie mehrere serbische Medien berichteten, war der Basketballer Ende Juli positiv auf das Virus getestet worden. Ojo erkrankte daraufhin an einer Lungenentzündung.

Nachdem Tests ergeben hatten, dass Ojo Antikörper entwickelt hatte, begann der Nigerianer angeblich mit Zustimmung der Ärzte mit leichtem Training. An die Maßgabe hat er sich laut serbischen Medien aber nicht gehalten. Intensive Workouts und Individualeinheiten hätten den Tod verursacht.

Im vergangenen November war Michael Ojo (Mitte) mit Roter Stern Belgrad beim Euroleague-Spiel in Berlin zu Gast. Foto: Camera 4/Imago Vergrößern
Im vergangenen November war Michael Ojo (Mitte) mit Roter Stern Belgrad beim Euroleague-Spiel in Berlin zu Gast. © Camera 4/Imago

So wie es serbische Medien schildern, trifft den Klub keine Schuld. Zumal Ojo nicht mehr bei Roter Stern unter Vertrag gestanden hatte und sich in Belgrad mehr oder weniger privat fit halten wollte. Die Frage dürfte dennoch sein, ob Roter Stern seiner Fürsorgepflicht dem Spieler gegenüber hinreichend nachgekommen ist. Schließlich trainierte Ojo, wenn auch nicht mehr als Vertragsspieler, bei dem Klub aus der serbischen Hauptstadt.

Eine Obduktion soll neue Erkenntnisse liefern

Roter Stern weist jedoch jegliche Schuld von sich. Nach Angaben des Klubs hatte es Ojo sogar abgelehnt, eine Spezialklinik aufzusuchen. Doch auch das dürfte Roter Stern nicht entlasten. Im Gegenteil: Es wäre ein Grund mehr gewesen, dem Spieler von seinen Einheiten abzuraten.

Die letzte Gewissheit, ob Ojo tatsächlich an den Folgen des Virus gestorben ist, wird wohl erst eine Obduktion ergeben, wie sie nun die Botschaft Nigerias einfordert. Für eine Coronavirus-Todesfolge spricht, dass Ojo laut der Florida State University in Tallahassee, wo er vor seiner Zeit in Belgrad spielte, mehrere Tests durchlaufen und dabei Herzprobleme gezeigt habe.

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Sollte sich der Corona-Zusammenhang bestätigen, wäre dies ein weiteres Mahnmal, dass das Virus selbst für junge, vermeintlich gesunde Menschen tödliche Folgen haben kann. Vor allem dann, wenn es – wie es offenbar bei Ojo der Fall war – nicht ernst genommen wird. Wenn Behandlungen verweigert werden oder der Körper zu früh nach der Erkrankung wieder großen Belastungen ausgesetzt wird.

Laut den Empfehlungen aus dem im Mai veröffentlichten Positionspapier „Return to Sport“ sollten nach einer Lungenentzündung mindestens vier Wochen Pause eingelegt werden. Vier Wochen, das ist gesichert, wollte oder konnte Michael Ojo nicht warten. Es spricht derzeit einiges dafür, dass ihn das sein Leben gekostet hat.

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